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Theater-Projekt

Gefährliche Gedanken

08.10.2012 | 18:38 Uhr

Düsseldorf. Bildungsstandards, Lehrpläne, Leistungs-Rankings sind in aller Munde. „Es geht viel zu sehr um die wirtschaftliche Verwertbarkeit des Einzelnen, um international konkurrenzfähige Lebensläufe“, kritisiert Regisseur Ingo Toben das Bildungssystem. Und setzt im Austausch mit Schülern zum Gegenentwurf an.

Der Düsseldorfer Regisseur nimmt sich den künstlerischen Freiraum für eine Utopie mit Werkstattcharakter, um alternative Möglichkeiten durchzuspielen.

Begehbare Installation

Was wollt ihr wissen? Was möchtet ihr können? Was ist wichtig für euer eigenes Leben? hat er 14- bis 18-jährige Schülerinnen und Schüler von Real- Haupt- und erstmals auch Förderschulen gefragt. Und mit ihnen die „Gesellschaft für gefährliche Gedanken“ gegründet. Am Samstag, 20. Oktober hat sie im FFT-Juta ihren ersten Auftritt.

Die Arbeit mit Jugendlichen, diesmal in einem ehemaligen Bildhauer-Atelier, lässt Toben nicht los. Auch seine sechste Produktion setzt wieder auf das in Schulprojekten erfahrene Teamspiel mit dem Musiker Christoph Grothaus, mit Künstler Joachim Brodin für das Bühnenbild, Kamila Kurczewski für Kamera und Schnitttechnik und auf Dramaturgin Anke Platon.

„Das ist wie Billard, eine Kugel stößt die andere an“ beschreibt Toben die gut funktionierende Gruppendynamik. Regisseur und Künstler bieten den Schülern den schützenden Rahmen für die freie Entfaltung „gefährlicher Gedanken“, die das gängige System sprengen.. Dabei galt es den, so Toben „ausgeprägten spielerischen Anteil“ bei den Jugendlichen aufzugreifen, die feine Gratwanderung zu meistern, auf keinen Fall zu viel vorzugeben, aber auch nicht zu wenig.

Sieben junge Leute haben sich als harter Kern aus den Workshops der Sommerakademie herausgeschält und arbeiten jetzt in den Herbstferien täglich bis zur Premiere an ihren kleinen Videofilmen, an eigenen Instrumenten und Klängen. Doch was das Publikum im Forum Freies Theater erwartet, versichert Toben, liege weit jenseits gängiger Aufführungsformen. Vielmehr treffe der Besucher auf eine begehbare Rauminstallation. Er wird Teil des Geschehens, erlebt die jungen Helden der filmischen Fiktion auch real auf der Bühne und kann sich mit ihnen austauschen, mit ihnen Musik machen.

Wassertropfen statt Noten

In der Musik zeigt sich der weit gefasste Bildungsbegriff. Es geht nicht um klassische Kenntnisse, um Virtuosität, Noten oder Gitarrengriffe. Die Jugendlichen haben eigene Instrumente entwickelt. Da kann auch der Klang eines Wassertropfens auf Küchen-Cellophan eine akustische Rolle spielen. Auch die Improvisation mit einem Tisch, zwei Personen und einem Draht wird sich bei dieser Produktion zu einem vielsagenden Bild verbinden. Ingo Toben: „Die Musik und die Filme die die Schüler selbst entwickeln, haben nichts mit der Musik und den Filmen zu tun, die sie sonst hören und sehen.“

Ulrike Merten

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