Für 20 Euro dem Winter entfliehen

Yogalehrerin Dashama ruht entspannt im Hier und Jetzt. Auch wenn dieses Hier und Jetzt wackelt. Sanft gleiten erst die Fußsohle, dann die Ferse an ihrem linken Ohr vorbei. Ausatmen. Lächeln. Normalerweise kibbeln Stehpaddler mit diesem Brett über die Wellen. Nun wird es eins mit den Elementen. Dashama demonstriert SUP-Yoga als neuste Variante der Meditation. Wobei die drei großen Buchstaben für „Stand-up Paddeling“ stehen, die aufrechte, aber ziemlich bescheuert aussehende Variante des Übers-Wasser-Gehens.

Das Über-die-Messe-Gehen erledigten am ersten Wochenende 79 900 Besucher. Sie tauchten ein in die Welt des Wassersports. Drinnen die Südsee, draußen ein eisiger Wind und Glatteis auf den Straßen: Eben das macht den Reiz dieses Hafens aus, der für die Düsseldorfer schlicht die größte Publikumsschau überhaupt ist. Für 20 Euro kann man sich acht Stunden den Sommer kaufen. Oder zumindest eine nahezu perfekte Illusion davon.

17 Hallen für die Seh-Leute

Was dem einen sein ganz spezieller Angelhaken mit bunten Plastikbommeln, damit man nicht im Algenkraut hängenbleibt, ist dem anderen seine Luxusyacht. In Düsseldorf schwimmen beide Zielgruppen in demselben Fahrwasser. Die Wassersportmesse Boot belegt alle 17 Hallen. 213.000 Quadratmeter wollen ausgiebig erkundet sein.

Dabei bedienen nicht nur die von den jeweiligen Marktführer gestalteten Themenwelten die Freizeit-Fantasien der Seh-Leute . Auch die Hallen selbst haben jeweils ihren eigenen Charakter. In den Hallen eins, zwei und drei gleicht die Szenerie einem quirligen Basar. Dort können Surfer und Taucher alles für ihr Hobby gleich vor Ort kaufen.

Den größten Kontrast zu diesem Wassersport-Marktplatz findet sich in Halle sechs. Dort ruht aufgestellt die Prinzess 98 – mit 30 Metern Länge das größte Schiff der Messe und Vertreter der Luxusklasse von der Stange. Ringsherum haben Edelwerften ihre holzgetäfelten Besprechungsräume mit schweren Lederpolstern eingerichtet. Hier bestellt der Millionär von Welt seine Jacht ganz nach individuellen Wünschen. Das geht natürlich überhaupt nicht — oh, shocking – von der Stange.

Nur einen Flusskieselwurf weiter, in Halle 12 testen Angler neue Köder in einem Wasserbecken, bei dem man mühelos bis auf den Grund gucken kann und in das sich nicht einmal ein Plastik-Stichling hineinverirrt hat.

Das scheint aber niemanden am künstlich geschaffenen Ufer zu irritieren. Hochkonzentriert wird jener Punkt der Wasseroberfläche fixiert, an dem ein Schwimmer den Eintritt der Angelschnur ins nasse Element markiert.

Wind macht der Ventilator

In Halle 13 können Familien den Umgang mit Kanu und Paddeln auf einem nassen Rundkurs üben. Und ab Halle 14 werden die Segel gesetzt: Die Opti-Segelschule bekommt ihren Wind aus einem Dutzend Ventilatoren.

Am mit Abstand gefährlichsten Stand der Messe wacht Nils Krüger über vier Interessenten, die eigentlich nur mal kurz die Vorzüge der Andumedic 3 Vibrationsliege ausprobieren wollten. Nun liegen sie da, entschlummert mitten im größten Messerummel. „Keine Sorge, ich mache die gleich wach.“ Wer auf der Boot wirklich alles sehen will, kann sich eigentlich kein Nickerchen zwischendurch leisten.

In der Nacht zu Montag hat sich die Zahl der anzuschauenden Schiffe sogar noch um eins auf 1701 erhöht. Eine Segeljacht, gebaut in der Ukraine, hatte beim Containertransport nach Rotterdam Verspätung eingefahren und kam erst am Sonntag auf eigenem Kiel in Düsseldorf an. Im Hebekran Big Willi durfte sie erst trocknen und wurde in der Nacht einfach dazugestellt.

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