Früherer NSU-Unterstützer Carsten S. brach Kontakte in Düsseldorf ab
18.06.2012 | 17:10 Uhr 2012-06-18T17:10:00+0200
Düsseldorf. Der frühere Unterstützer der braunen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), Carsten S., hat nach seiner Freilassung aus der Untersuchungshaft vor knapp drei Wochen wohl sämtliche Kontakte nach Düsseldorf abgebrochen. Er hält sich möglicherweise auch nicht mehr in der Landeshauptstadt auf.
Carsten S., frühere Unterstützer der braunen Terrorzelle NSU, soll seinen Wohnsitz in Düsseldorf-Oberbilk aufgegeben haben. Nach Medienberichten ist der Düsseldorfer Carsten S. inzwischen in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden - dazu will sich die Generalbundesanwaltschaft nicht äußern. Auch nicht zu der Frage, wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden.
Carsten S., der vor knapp drei Wochen aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, hatte bei den Vernehmungen in Karlsruhe umfangreich ausgesagt, er hatte wohl reinen Tisch gemacht und gilt inzwischen als einer der wichtigsten Zeugen für die Ermittler.
Einsatz der GSG 9
Rückblick: Am 1. Februar nahm ein Kommando der Antiterroreinheit GSG9 den 31-Jährigen in Düsseldorf-Oberbilk fest , weil er unter Verdacht stand, die Zwickauer Terrorzelle unterstützt zu haben. Carsten S. gestand, zwischen Herbst 1998 und Sommer 2000 als Kontaktperson zur NSU fungiert zu haben und auch eine Pistole an das Trio geliefert zu haben. Laut Bundesanwaltschaft handelt s sich dabei um eine Ceska 83, mit der später neun Migranten erschossen wurden.
Keine Fluchtgefahr
Carsten S. wird zwar der Beihilfe beschuldigt. Er selbst betont, er habe erst durch die jüngsten Ermittlungen erfahren, dass es sich um die Mordwaffe handele. Ihm wird zugute gehalten, bei den Vernehmungen „entscheidend zur Tataufklärung beigetragen“ zu haben. „Er hat sich glaubhaft von rechtsradikalem Gedankengut abgewandt“, teilte vor wenigen Tagen der Generalbundesanwalt mit.
Ein von ihm beauftragter Sachverständiger kam zudem zum Schluss, wonach bei ihm die Anwendung des Jugendstrafrechtes zu erwarten sei. Er war zur Tatzeit 19 Jahre alt. Er hat also mit einer deutlich milderen Strafe zu rechnen. Da keine Fluchtgefahr bestehe, wurde schließlich Ende Mai die Entlassung aus der U-Haft angeordnet. Über eine mögliche Anklage wird erst entschieden, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind. Und das kann noch dauern.
Neuanfang in Düsseldorf
Carsten S. war 2001 aus der rechtsextremistischen Szene in Thüringen ausgestiegen und startete in Düsseldorf einen Neuanfang. Er arbeitete bis vor wenigen Monaten als Sozialberater in der Aids-Hilfe und in einem schwul-lesbischen Jugendzentrum. Das Arbeitsverhältnis mit der Aids-Hilfe hat er im Einvernehmen aufgelöst, um Nachteile für die Hilfsorganisation und für die Menschen, für die er sich hier engagierte, abzuwenden. Nach seiner Freilassung nahm er auch keinen Kontakt mehr zur Aids-Hilfe auf, auch nicht mehr zu seinem Bekanntenkreis in Düsseldorf.
13:28
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12:59
IM Übrigen wurde bereits gerichtlich festgestellt, dass es sich bei der NSU nicht um eine terroristische Vereinigung gehandelt hat. Wäre aber wahrschinlich nicht so gut zu vermarkten...
Ach so, als was hat es denn dann das Gericht bezeichnet?
Dumpfbacken-Vereinigung? Kaffee-Kränzchen? NICHT SEHR UMGÄNGLICH (abgek: NSU)?
Und ihr Einschub mit dem "vermarkten" ist ein Schlag ins Gesicht aller Opfer/Angehörigen.
Poah, glaupße...
Können Sie hierzu eine Quelle oder, noch besser, ein Aktenzeichen angeben?
Würde mich auch mal interessieren...
Zumal für unbewiesene Tatsachen-Behauptungen hier kein Platz sein dürfte. Schon garnicht in dem Zshg...
11:44
Da wurde dem Neuanfang wohl durch eine sühnebedürftigen Öffentlichkeit ein gründlicher Strich durch die Rechnung gemacht. Welch verheerendes Signal hier an aussteigewillige Neonazis ausgesandt wurde, sollte sich die diverse Institutionen einmal durch den Kopf gehen lassen. Hier wurde langjährige Kleinstarbeit mit einem Schlage zu Nichte gemacht!
Aber dem medienwirksame Kampf gegen "Rechts" müssen wohl solche lästigen Kolateralschäden zusgestanden werden.
Wie sind sie denn drauf? Hier Täter zu Opfern machen, oder was? Und dazu noch Opfern und mitfühlender Öffentlichkeit das verständliche Sühnebedürfnis ab sprechen? Ja geht´s noch?
Der Neuanfang mittels Zeugenschutzprogramm (sofern das zutreffend ist) dürfte wohl eher der Bedrohung aus dem ultrarechten Miljö geschuldet sein...
CS darf froh sein, wenn er halbwegs glimpflich aus der Sache raus kommt, denn wer in D mit Schalldämpfer erwischt wird, kriegt zurecht die volle juristische Breitseite verpasst, dürfte unter normalen Umständen schon nen 5er im Gepäck haben , wenn er bloss die Klinke des Gerichtssaals berührt...