Früherer NSU-Unterstützer Carsten S. brach Kontakte in Düsseldorf ab

Der verhaftete Carsten S. (Mitte) wurde 1. Februar zur Vernehmung nach Karlsruhe geflogen. Seit knapp drei Wochen ist er wieder auf freiem Fuß. Foto: Ronald Wittek/dapd
Der verhaftete Carsten S. (Mitte) wurde 1. Februar zur Vernehmung nach Karlsruhe geflogen. Seit knapp drei Wochen ist er wieder auf freiem Fuß. Foto: Ronald Wittek/dapd
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Was wir bereits wissen
Der frühere Unterstützer der braunen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), Carsten S., hat nach seiner Freilassung aus der Untersuchungshaft vor knapp drei Wochen wohl sämtliche Kontakte nach Düsseldorf abgebrochen. Er hält sich möglicherweise auch nicht mehr in der Landeshauptstadt auf.

Düsseldorf.. Carsten S., frühere Unterstützer der braunen Terrorzelle NSU, soll seinen Wohnsitz in Düsseldorf-Oberbilk aufgegeben haben. Nach Medienberichten ist der Düsseldorfer Carsten S. inzwischen in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden - dazu will sich die Generalbundesanwaltschaft nicht äußern. Auch nicht zu der Frage, wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden.

Carsten S., der vor knapp drei Wochen aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, hatte bei den Vernehmungen in Karlsruhe umfangreich ausgesagt, er hatte wohl reinen Tisch gemacht und gilt inzwischen als einer der wichtigsten Zeugen für die Ermittler.

Einsatz der GSG 9

Rückblick: Am 1. Februar nahm ein Kommando der Antiterroreinheit GSG9 den 31-Jährigen in Düsseldorf-Oberbilk fest, weil er unter Verdacht stand, die Zwickauer Terrorzelle unterstützt zu haben. Carsten S. gestand, zwischen Herbst 1998 und Sommer 2000 als Kontaktperson zur NSU fungiert zu haben und auch eine Pistole an das Trio geliefert zu haben. Laut Bundesanwaltschaft handelt s sich dabei um eine Ceska 83, mit der später neun Migranten erschossen wurden.

Keine Fluchtgefahr

Carsten S. wird zwar der Beihilfe beschuldigt. Er selbst betont, er habe erst durch die jüngsten Ermittlungen erfahren, dass es sich um die Mordwaffe handele. Ihm wird zugute gehalten, bei den Vernehmungen „entscheidend zur Tataufklärung beigetragen“ zu haben. „Er hat sich glaubhaft von rechtsradikalem Gedankengut abgewandt“, teilte vor wenigen Tagen der Generalbundesanwalt mit.

Ein von ihm beauftragter Sachverständiger kam zudem zum Schluss, wonach bei ihm die Anwendung des Jugendstrafrechtes zu erwarten sei. Er war zur Tatzeit 19 Jahre alt. Er hat also mit einer deutlich milderen Strafe zu rechnen. Da keine Fluchtgefahr bestehe, wurde schließlich Ende Mai die Entlassung aus der U-Haft angeordnet. Über eine mögliche Anklage wird erst entschieden, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind. Und das kann noch dauern.

Neuanfang in Düsseldorf

Carsten S. war 2001 aus der rechtsextremistischen Szene in Thüringen ausgestiegen und startete in Düsseldorf einen Neuanfang. Er arbeitete bis vor wenigen Monaten als Sozialberater in der Aids-Hilfe und in einem schwul-lesbischen Jugendzentrum. Das Arbeitsverhältnis mit der Aids-Hilfe hat er im Einvernehmen aufgelöst, um Nachteile für die Hilfsorganisation und für die Menschen, für die er sich hier engagierte, abzuwenden. Nach seiner Freilassung nahm er auch keinen Kontakt mehr zur Aids-Hilfe auf, auch nicht mehr zu seinem Bekanntenkreis in Düsseldorf.