Freispruch für 70-Jährige – Staatskasse muss alles zahlen

Die modellhafte Nachbildung der Justitia.
Die modellhafte Nachbildung der Justitia.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Keine Beihilfe zur Untreue: Hausverwalter hatte Geld von Eigentümerkonten im Casino verzockt. Seniorin war als Beiratsmitglied verdächtigt worden.

Düsseldorf..  Mit einem Freispruch auf Kosten der Staatskasse hat das Amtsgericht gestern den Beihilfe-Prozess gegen eine 70-Jährige beendet. Ihr war vorgeworfen worden, 2008 als Beiratsmitglied einer Eigentümergemeinschaft aus Derendorf monatelang die Augen zugedrückt und dem Hausverwalter dadurch ermöglicht zu haben, rund 130 000 Euro von Eigentümerkonten heimlich in Casinos zu verjubeln.

Keine Zocker-Komplizin

Doch die 70-Jährige hatte sich zu Prozessbeginn Ende April energisch verbeten, als Komplizin dieses Zockers verdächtigt zu werden. Als der Verwalter damals keine Abrechnung vorgelegt habe, sich am Telefon verleugnen ließ, sei sie von ihrem Wohnort auf Gran Canaria sofort nach Düsseldorf geflogen und habe alles versucht, um die Eigentümer-Konten einzusehen oder für den Verwalter sperren zu lassen. Das Gericht hatte ihr zwischendurch die Einstellung ihres Verfahrens angeboten, doch die 70-Jährige lehnte ab, beharrte auf Freispruch. Als eine gestern nachträglich gehörte Zeugin die Version der Anklage aber ebenfalls nicht stützen konnte, plädierte auch die Staatsanwaltschaft auf Freispruch. Dem hat die Richterin entsprochen.

Als Folge muss die Staatskasse jetzt nicht nur alle Prozess- und Anwaltskosten tragen, sondern auch sämtliche Flugkosten, die der in Las Palmas lebenden Angeklagten wegen des Prozesses entstanden sind.