Freie Christliche Schulen in Düsseldorf insolvent

Bald in öffentlicher Hand? Die Freien Christlichen Schulen in Düsseldorf. Foto: Sergej Lepke
Bald in öffentlicher Hand? Die Freien Christlichen Schulen in Düsseldorf. Foto: Sergej Lepke
Foto: sergej lepke
Was wir bereits wissen
Der Freundeskreis der Freien Christlichen Schulen hat Insolvenz angemeldet, weil er einen Immobilienkredit nicht mehr bedienen kann. Das könnte auch den Schulträger in den Abgrund ziehen. Dann fielen die Gebäude an die Stadt, aus privaten würden öffentliche Schulen. Heftige Kritik gibt es am Finanzierungsmodell des Trägers.

Düsseldorf.. Die Freien Christlichen Schulen in Düsseldorf und Hilden stehen vor dem Aus. Am Donnerstag stellte der „Freundeskreis Rheinisch-Bergischer-Verein Freie Christliche Schulen“ einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht. Der Förderverein kann die Kredite in Höhe von mehr als 35 Millionen Euro für den Bau des Gymnasiums in Reisholz nicht mehr bedienen. Der eng mit dem Freundeskreis verwobene Trägerverein ist von der Insolvenz zwar nicht unmittelbar betroffen, die Stadt wird Gebäude und Kredite aber wohl übernehmen müssen. Aus den Privatschulen würden dann öffentliche. Der Betrieb soll mindestens bis zu den Sommerferien fortgeführt werden. Derweil wird Kritik am Finanzierungsmodell der Schulen laut. Die Pleite war wohl seit über einem Jahr absehbar.

Bereits im Februar 2011 bewilligte der Rat in nicht öffentlicher Sitzung einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 600 000 Euro für den Verein. Zudem sollte ein Controller eingesetzt werden, um das komplizierte Finanzierungsmodell der Schulen zu überwachen. Zum Verständnis: Der Freundeskreis existiert nur, um den Trägerverein mitzufinanzieren. Der erhält öffentliche Mittel, an den Freundeskreis gehen hingegen Spenden und Elternbeiträge. Die fließen an den Trägerverein zurück, ebenso wie Mieten, die der Träger dem Förderverein als Besitzer der Immobilien zahlt. Das ganze Konstrukt sei nun an einer entscheidenden Stelle ins Wanken geraten, sagt der Sprecher des Insolvenzverwalters. So ist der Trägerverein durchaus von der Pleite des Freundeskreises betroffen.

„Schneeballsystem“ nennt der Vorsitzende des Schulausschusses Wolfgang Scheffler (Grüne) dieses Finanzierungsmodell, das aus seiner Sicht „schon immer einen gewissen Haken“ hatte. Man habe die Pleite kommen sehen. Um die Bedenken zu zerstreuen habe der Schulträger ein Gutachten vorgelegt, in dem ein Wirtschaftsprüfer die Tragfähigkeit des Modells bestätigt. Allerdings nur, wenn die Kreditbelastung auf einen Zinssatz unter drei Prozent gedrückt werde.

Kreditverhandlungen gescheitert

Offiziell nennt der Insolvenzverwalter „gescheiterte Umfinanzierungsbemühungen für die Schulimmobilien“ als Grund für die Pleite. Es scheint, als seien die Verhandlungen um einen geringeren Zinssatz gescheitert. Die Sparkasse wollte sich dazu mit Verweis auf das Bankgeheimnis nicht äußern.

Für Scheffler kommt nur eine Lösung in Frage: „Der Schulbetrieb wird aufgelöst, die Gebäude müssen von der Stadt übernommen werden.“ Die hätte plötzlich ein Minus von 35 Millionen Euro in der Kasse, bekäme aber auch einen Gegenwert, sagt Scheffler. Die Gebäude seien neu und „äußerst gut ausgestattet, vom Feinsten“.

Scheffler kritisiert aber auch die Bezirksregierung (BR). Die muss die Wirtschaftsverhältnisse privater Schulen prüfen und hätte die Finanzierungslücke schon früher bemerken können, vermutet er. Auf Anfrage teilte die BR aber mit, dass man jährlich geprüft habe und der Träger bislang immer seine finanziellen Verpflichtungen erfüllen konnte.