Frauenquote für Straßen und Plätze

Auf einigen wenigen Metern in der Altstadt sieht es so aus, als sei Düsseldorf vorbildlich in Sachen Gleichstellung. Dort trifft die Mutter-Ey-Straße auf den Kay-und-Lore-Lorentz-Platz. Zwei wichtige Frauen der Stadtgeschichte werden dort in Erinnerung gehalten. Dass im übrigen Stadtgebiet nicht so vorbildlich aussieht, impliziert eine Anfrage der SPD, die heute im Gleichstellungsausschuss (15 Uhr) auf der Tagesordnung steht.

Die Unterzeichnerinnen, Bergit Fleckner-Olbermann und Dorothea Düsedau, wollen von der Verwaltung wissen, wie viele Straßen und Plätze nach Männern und Frauen benannt sind. Zudem fragen sie, ob die Verwaltung das derzeitige Verfahren zur Benennung für ausreichend hält, um künftig mehr Düsseldorfer Straßen und Plätze nach Freuen benennen zu können. Und sie bitten um Auskunft darüber, welche Hilfe die Stadt anbieten kann, damit mehr Frauen auf diesem Wege gewürdigt werden. Zweiter Schritt nach der Anfrage wird, das deutet sich in der Begründung schon an, ein Antrag sein, mehr Frauen (und insbesondere Düsseldorferinnen) „durch eine Benennung unvergesslich zu machen“.

Opfer des letzten Hexenprozesses

Neben den beiden genannten Orten in der Altstadt werden in der Antwort der Verwaltung noch weitere stehen: der Bertha-von-Suttner-Platz hinter dem Hauptbahnhof, der Anna-Maria-Luisa-Medici-Platz an der Orangeniere in der Carlstadt, die Dumontstraße in Pempelfort, die Stephanienstraße in der Stadtmitte (benannt nach Stephanie von Hohenzollern-Sigmaringen) und seit 2011 der Helena-Curtens-und-Agnes-Olmans-Platz in Gerresheim, der an die Opfer des letzten Hexenprozesses am Niederrhein erinnert.

Daneben aber gibt es auch in der Stadtgeschichte zahlreiche weitere Frauen, an die bisher keine Straße und kein Platz erinnert. An Luise Rainer, die im vergangenen Jahr gestorbene Schauspielerin, die zwei Oscars gewonnen hat, erinnert bisher ausschließlich ein Stern vor dem Filmmuseum, ein Platz oder eine Straße erscheinen als angemessene Fortsetzung der Würdigung.

Ähnliches gilt für die vor drei Jahren verstorbene Elisabeth Trube-Becker. Sie erhielt 1951 als erste Frau in Deutschland einen Lehrstuhl für Rechtsmedizin und verschaffte in diesem Amt dem Tabuthema Kindesmisshandlung in der Familie die erforderliche Aufmerksamkeit. Sie setzte unter anderem durch, dass augenscheinlich misshandelte und gestorbene Kindern nicht länger auf dem Friedhof, sondern in der Rechtsmedizin obduziert wurden.

Benedikt Mauer, Leiter des Stadtarchivs, nennt weitere Frauen, die für eine Ehrung im Straßenraum in Betracht kommen: Jakobe von Baden, deren rätselhafter Tod im engen Zusammenhang mit konfessionellen Konflikten im 16. Jahrhundert stand, die Dichterin Rose Ausländer, die von 1965 bis zu ihrem Tode 1988 in Düsseldorf lebte, und Hulda Pankok. Sie hatte sich im Zweiten Weltkrieg und als Verlegerin große Verdienste erworben. In Düsseldorf ist eine Gesamtschule nach ihr benannt – die Straße in Eller trägt den Namen ihres Mannes.