Frau Fisch macht bunte Träume wahr

Oberbilk..  Marie Fisch kennt die Träume vieler Düsseldorfer sehr genau. Denn wer den Weg zu ihr in den Kostümfundus des „Vereins für Aktion und Kultur mit Kindern“ (Akki) findet, der will sich meist einen erfüllen. „Die Frauen wollen gerne Prinzessin werden, die Männer Musketier oder irgendetwas anderes cooles“, sagt die Leiterin des Kostümfundus.

Mit 1000 Kostümen und noch mehr Accessoires bleibt bei Marie Fisch kaum ein Wunsch unerfüllt. Vor allem in historische Figuren wie Ritter, König oder Prinzessin kann man schnell und mühelos schlüpfen. Denn zu den Feierlichkeiten der 700-Jahr-Feier der Stadt hatten viele Eltern für ihre Kinder historische Kostüme geschneidert – und sie nach den Umzügen durch die Stadt dem damals noch jungen Kostümfundus des „Akki“ gespendet.

Ausstattung für Schulen

Ins Leben gerufen wurde der Fundus, um vor allem Schulen und andere pädagogische Einrichtungen bei Theateraufführungen und anderen Kulturprojekten mit Kostümen auszustatten. Für sie gelten bis heute besonders günstige Preiskonditionen. Auch bei eigenen Projekten greift man beim Akki natürlich auf den üppigen Fundus zurück. Wenn im Sommer das Kulturprojekt „Düsseldörfchen“ auf die Beine gestellt wird, kleidet Marie Fisch schon mal bis zu 200 Kinder und Jugendliche ein – zum Beispiel als Elfen, Nonnen, Ritter oder Mönche. „Wir hatten vor vielen Jahren von der Deutschen Oper am Rhein Kostüme aus Opern wie Parsifal gespendet bekommen und viele der Kostüme deswegen in mehrfacher Ausfertigung“, sagt Fisch.

Ausleihen kann sich aber prinzipiell jeder Düsseldorfer ein Kostüm. „Doch in erster Linie sind wir ein Kostümfundus für Kinder und Jugendliche. Ab Konfektionsgröße 42 wird es bei uns deswegen schwierig, ein passendes Kostüm zu finden“, sagt Fisch. Zudem gebe es viele der rund 1000 Kostüme nur als Einzelstücke und damit nur in einer Größe. „Wir sind kein Geschäft für Karnevalskostüme, wo man jedes Kostüm in jeder Größe bekommt“, sagt sie. Man sollte deswegen nicht mit zu starren Vorstellungen in den Fundus im Volksgarten kommen.

Oft fragt Marie Fisch auch ihre Kunden dazu, wie sie den Karneval eigentlich feiern wollen. „Ein langes Prinzessinnenkleid ist für den Straßenkarneval natürlich eher nicht geeignet, weil es dann ständig über den Boden schleift und schmutzig wird“, sagt die Leiterin des Fundus. Kostüme für ein ganzes Wochenende könne man im Akki zwar schon für einen Preis von rund 25 Euro bekommen – doch für die Reinigung müssten die Kunden natürlich selber aufkommen. Und wenn so wild gefeiert wird, dass Knöpfe abfallen oder Reißverschlüsse reißen, müsse der Kunde auch für diese Ausbesserungen aufkommen, die Fisch dann zum Beispiel an ihrer Nähmaschine erledigt.

Dirndl-Superhelden-Kostüm

In den 15 Jahren, die Marie Fisch im Fundus arbeitet, hat sie schon viele Träume erfüllt – und dabei auch echte Helden gesehen. „Einmal kam ein Vater, der ganz schnell ein Superman-Kostüm für sich brauchte“, erinnert sich Fisch. Doch sie hatte keines parat. „Ich sagte ihm, dass ich in den Farben aber ein Festtags-Dirndl habe, dass ich umarbeiten könnte“, sagt sie und lacht. Der Vater sah sich die Rüschen am Dirndl an und sagte: „Für mein Kind würde ich alles tun“ und schlüpfte nur wenige Stunden später in das Dirndl-Superhelden-Kostüm.

Auch sich selbst hat Marie Fisch schon einige Träume erfüllt: „Ich bin schon mal als Pippi Langstrumpf gegangen und viele Kinder dachten, dass ich die ,echte’ Pippi sei. Denn mit meiner Haarfarbe brauche ich im Gegensatz zu anderen Frauen ja keine rote Perücke“, sagt sie und lacht.