Fotos der Trauer
14.09.2009 | 17:39 Uhr 2009-09-14T17:39:00+0200
Hilden. Ein Fotoprojekt gab Kindern und Jugendlichen ein Ventil für ihre Trauer, sie verloren einen geliebten Menschen. Die jungen Künstler machten etwa Bilder von Friedhofs-Gießkannen oder einem Waldweg.
Sie sind oft schmerzhaft, oft auch trügerisch, dann aber wieder entpuppen sie sich als die Überbleibsel aus einem Leben, das nicht mehr ist: Erinnerungen. Nur: Wie Erinnerungen festhalten, wenn sie mit der Zeit verblassen? Diese Frage stellten sich Kunsthistorikerin Sandra Abend und der Fotograf Michael Ebert, als sie ein ganz besonderes Fotoprojekt ins Leben riefen.
Ihr Konzept: Kinder, die einen geliebten Menschen verloren haben, sollen ihre Trauer bewältigen, indem sie ein individuelles Fotobuch erstellen. Fotos als persönlicher Erinnerungsträger? Christa Cholewinski vom Kinderschutzbund fand die Idee toll und gewann fünf von ihr betreute Jugendliche zwischen acht und 15 Jahren für einen einwöchigen Workshop. Titel: Bilder gegen das Vergessen. „Wir wollten einen Workshop für Kinder anbieten, die sonst schwer erreichbar sind; in deren Umgebung Kunst und Kreativität nicht üblich ist”, schilderte Ebert seine Motivation.
Sandra Abend erklärte den Ablauf der Projektwoche, die in der Brennerei des Wilhelm- Fabry-Museums über die Bühne ging: Am Anfang stand die Auseinandersetzung mit historischen Bilder und selbst mitgebrachten Familienfotos, außerdem eine Einführung in die digitale Technik. Danach begleitete Christa Cholewinski ihre Schützlinge zu besonderen Erinnerungsorten, ausgerüstet mit einer Digitalkamera und einem Blick fürs Detail. Zu Ende ging der Workshop, nachdem die Gruppe ihre Werke besprochen und mit einer speziellen Software ihre Fotobücher kreiert hatte.
Entstanden sind kreative Unikate. Die Kinder knipsten Menschen, Orte und Objekte, die sie mit ihren toten Eltern verbinden: Da gibt's den Wald zu sehen, in dem sie spazieren gingen, Gießkannen aus dem Friedhof oder den Garten daheim. Aussagekräftig ist auch das Foto von zwei herzförmigen Steinen, auf die ein sanfter Lichtstrahl fällt. Eine Erinnerung im Querformat. „Ein starkes Abstraktionsvermögen” attestiert Ebert den Nachwuchs-Fotografen. „Bewegend und wunderbar durchdacht” hält Sandra Abend die Fotobücher. Wie das Urteil der Kinder ausfiel? Cholewinski: „Ihnen hat es gut gefallen, ein neues, kreatives Ventil für ihre Trauer zu haben.”
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