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Fortuna-Finanzchef Jäger attackiert Ultras und Fanszene

19.12.2012 | 18:28 Uhr
Fortuna-Finanzchef Jäger attackiert Ultras und Fanszene
Paul Jäger, Finanzvorstand von Fortuna Düsseldorf, wird von der Fanszene für sein Abstimmungsverhalten beim DFL-Gipfel zum Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" kritisiert. Er antwortete nun leidenschaftlich.Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.  Nach der Pokalpleite in Offenbach soll Paul Jäger, Finanzvorstand von Fortuna Düsseldorf, über Ultras geschimpft haben. Die Fanszene hatte ihren Boykott fortgesetzt, Funktionäre als "Verräter" angeprangert. Jäger reagierte mit einem "Wutposting" auf Facebook, Vorwürfen und einem Gesprächsangebot.

Der Konflikt zwischen der aktiven Fanszene von Fortuna Düsseldorf und den Funktionären des Bundesligisten nach dem Beschluss des DFL-Konzeptes "Sicheres Stadionerlebnis" hat sich nach der Pokalniederlage der 95er in Offenbach am Dienstagabend weiter verschärft. Vorläufiger Höhepunkt der Auseinandersetzung ist eine hochemotionale Stellungnahme des heftig attackierten Finanzvorstandes Paul Jäger, der nach dem Spiel über die Ultras Düsseldorf geschimpft haben soll. Jäger gesteht in dem offenen Brief, "ausgeflippt" zu sein und bezeichnet die Anfeindungen als "absoluten Tiefpunkt" seiner fast fünf Jahrzehnte als Fortuna-Fan und -Funktionär. Den Stimmungsboykott während der Pokalniederlage und die Sprechchöre nach Spielende nennt er "einen Schlag ins Gesicht" (die komplette Stellungnahmen finden Sie unten). Zugleich aber bietet Jäger den Protestlern, zu denen neben den Ultras Düsseldorf auch ältere Fanclubs und der Dachverband Supporters Club Düsseldorf (SCD) zählen , an, sich kurzfristig zum Gespräch zu treffen.

Im Visier der aktiven Fanszene von Fortuna Düsseldorf: Fortuna-Präsident Peter Frymuth und Finanzvorstand Paul Jäger.

Aber der Reihe nach: Am Montagabend hatten die Vertreter von 25 unterschiedlichen Gruppen der Szene beschlossen, ihren Stimmungsboykott auch während des Pokalspiels ihrer Mannschaft auf dem Bieberer Berg fortzusetzen. Etwa 1500 Anhänger aus 25 Gruppen schwiegen, ließen Fahnen und Banner zu Hause. Stattdessen brachten sie Transparente mit scharfer Kritik an DFL und vor allem am Fortuna-Vorstand an: "Verräter" war da in großen Lettern vor dem Gästeblock zu lesen, so dass sich sogar viele der OFC-Fans angegriffen fühlten. Wie schon am Samstag, als etwa 1500 Fans den Block 42 während des Heimspiels gegen Hannover 96 nach 12 Spielminuten verließen, skandierten hunderte Fortuna-Anhänger: "Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt" – diesmal allerdings nach Spielende, nach 90-minütigem Schweigen.

Jägers Wutausbruch auf dem Parkplatz

 Als sich unter den mitgereisten Düsseldorfern auch noch herumsprach, dass Fortunas Finanzchef nach dem Spiel, auf einem Parkplatz, die Contenance verloren und unter anderem wild über die Ultras geschimpft haben soll, musste sich der in der Szene einstmals beliebte Jäger zum Beispiel auf Facebook so einiges anhören, besser: durchlesen. Er habe mit dem Erfolg der 95er das Funkeln in den Augen verloren, kritisierte der bekannte und in der Szene geschätzte Autor des Bilk-Blogs. Zu Jägers angeblicher Beschimpfung der Ultras schrieb er: "Sollte das wirklich stimmen – wenn ein Mensch, der Fortuna jahrelang die Treue gehalten hat, sich zu einer solchen Aussage hinreißen lässt, der hat in meinen Augen leider nicht mehr als Verachtung verdient. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Sie treten das Herz von Fortuna mit Fäusten und Füßen." Das gefiel bis Mittwochabend etwa 180 Facebook-Nutzern. Der "Chefredakteur" des Blogs Rainersche Post appellierte in der Überschrift seiner Abrechnung mit der Chefetage des Bundesliga-Aufsteigers gar: "Wenn Funktionäre jede Bodenhaftung verloren haben, müssen sie gehen."

Was aber ist der Kern des Konfliktes, in dem seit dem letzten Hinrunden-Heimspiel zunehmend auch (mitunter uninformierte) neutrale Fortuna-Anhänger und Zuschauer Partei ergriffen? (Als die sonst so Fanatischen am Samstag die Arena vorzeitig verließen, wurden sie ausgepfiffen und mit Bechern beworfen . Zehntausende sangen danach demonstrativ laut all jene Gesänge, die um Anfang der 00er-Jahre Ultras erfunden beziehungsweise eingeführt hatten.) Die Szene fühlt sich hintergangen, weil Jäger und Vereinsboss Peter Frymuth in Frankfurt allen 16 Anträgen des DFL-Papieres zugestimmt hatten – auch den Anträgen 8 (verschärfte Eingangskontrollen) und 14 (Gastgebende Vereine können das Gästekarten-Kontingent nach eigenem Ermessen begrenzen). Über diese Streitpunkte nämlich hatten Vereinsvertreter im Vorfeld mit den Fans diskutiert und eine, zumindest gefühlte Einigung darüber erzielt, den beiden Anträgen nicht zuzustimmen. Darum das "Schämt euch!" und das "Verräter!"-Transparent.

Jägers offener Brief gefällt Tausenden

Auf die leidenschaftlichen Diskussion um Ehrlichkeit und Offenheit und den Vorwurf wüster Ultra-Beschimpfung reagierte Paul Jäger am Mittwochmittag mit einer Stellungnahme, die er über Fortunas Facebook-Profil verbreiten ließ. Sein von Trauer und Unverständnis geprägtes "Wutposting" wurde binnen weniger Stunden hundertfach geteilt und mehr als 3000-mal mit "Gefällt mir" bewertet. Einerseits wirft er der Fanszene um die Intensivfans vor, sich selbst zu überhöhen. Nie sei ein "protest so fehl am Platze" gewesen. Andererseits reichte er den Fangruppen mit der Bitte um ein schnelles Treffen die Hand. Unsere Redaktion hat sich dazu entschieden, Jägers offen Brief eins zu eins wiederzugeben. (pw)

Zum offenen Brief von Paul Jäger:

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    Seite 2: Die gesamte Stellungnahme von Fortuna-Finanzvorstand Paul Jäger

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Kommentare
22.12.2012
13:04
Fortuna-Finanzchef Jäger attackiert Ultras und Fanszene
von ozymandias | #10

Leute! Wenn ein Vorstand im Vorfeld sich mit Ultras und anderen Verbänden austauscht, und man zu einem ergebniss kommt zum Thema DFL...
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http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/fortuna-finanzchef-jaeger-attackiert-ultras-und-fanszene-id7410660.html
2012-12-19 18:28
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