Fortuna Düsseldorfs „unerklärlicher Totalabsturz“

Amir Khan, Gastwirt von der Immermannstraße: Er zeigt immer „Fortuna live“
Amir Khan, Gastwirt von der Immermannstraße: Er zeigt immer „Fortuna live“
Foto: Wappner
Was wir bereits wissen
Die Fortuna-Misere hat mit dem Rauswurf von Manager Schulte einen bisherigen Höhepunkt erreicht. Sogar die Düsseldorfer Wirte kochen – aber vor Wut.

Düsseldorf.. Quo vadis, Fortuna? Die Fußballer sollen eigentlich Werbung für Düsseldorf machen. Das Gegenteil ist derzeit der Fall. Nach vernünftigen Start in die Zweitliga-Saison wurden die Leistungen immer schlimmer, und am Freitag – nach dem 0:2 gegen Ahlen – musste sich das Team sogar von den eigenen Fans verhöhnen lassen. Es hagelt Kritik und Schmähungen in den sozialen Netzwerken. Am Montag musste Manager Helmut Schulte gehen.

Fußball-Kommentatoren-Legende Manfred Breuckmann kann verstehen, dass die Anhänger sauer sind. Für ihn ist dieser „Totalbsturz unerklärlich.“ Dieses Team sei so hoch gehandelt worden. „Viele meiner Freunde hatten an einem Aufstieg überhaupt keine Zweifel“, so der im Stadtteil Ludenberg lebende Experte. Aber hinter die Kulissen können selbst die meisten Medien nicht schauen.“ Mit Manager Schulte habe man jetzt einen Sündenbock gefunden, „aber das ist mir zu einfach“, so Breuckmann. Die Leistungen sprächen nämlich nicht gerade für die Charakterstärke der Spieler. „Ich kann nicht verstehen, wie man sich als Kicker so gehen lassen kann. Die treiben doch ihren eigenen Marktwerk mit solchen Leistungen nach unten.“

Nicht nur die Fans des Traditionsvereins haben die jüngsten Vorstellungen auf die Palme gebracht. Auch Düsseldorfs Wirte kochen. Viele Kneipen, in denen regelmäßig Fortuna gezeigt wird, bleiben bei den Spielen von Bellinghausen und Co. derzeit leer. „Ist doch klar, je besser die Mannschaft spielt, desto mehr Leute kommen gucken“, sagt Amir Khan, der an der Immermannstraße zwei Sport-Restaurants betreibt und dort Fußballspiele zum Glück Open-Air zeigen kann. Dann können die Gäste wenigstens das derzeit schöne Wetter genießen.

Oberbürgermeister Thomas Geisel erlebte die zweite Halbzeit am Freitag gegen Ahlen live in der Arena. Hätte er mal lieber bei der Prinzenvorstellung im Henkelsaal bleiben sollen. Doch der OB sagt diplomatisch: „Ich bin und bleibe Fortuna-Fan – in schlechten und in guten Zeiten.“

Einen Silberstreif am Horizont entdeckt NRW-Innenminister Ralf Jäger. „Fortuna gehört mittelfristig in die erste Liga“, sagt er. „Die Saison ist gelaufen, volle Konzentration auf die nächste Spielzeit.“ Aber: „Die Zuschauer wollen nicht elf Spieler, sondern eine Mannschaft sehen.“

Indes droht einigen Anhängern der Rot-Weißen nach der Pyro-Show zum 120. Geburtstag des Vereins am Rheinufer Ungemach. Die Polizei prüft derzeit, ob ein Ermittlungsverfahren gegen die Feuer-Fans eingeleitet wird. „Es könnte zumindest ein Verstoß gegen das Landesemissionsgesetz vorliegen, das wäre jedoch eine Ordnungswidrigkeit und keine Straftat“, so Polizeisprecher Markus Niesczery.