Flüchtling Allmando (18) wünscht sich Familie und Lehrstelle

Was wir bereits wissen
Mit 15 Jahren kam Allmando aus Guinea nach Deutschland. Er gehört zur Gruppe der unbegleitetenminderjährigen Flüchtlinge.

Allmando ist 18 Jahre alt. Wie viele Jugendliche trägt er gerne lässige Klamotten. Die schwarze Pudelmütze behält er meist auf dem Kopf, auch in gut geheizten Räumen. „99 Problems“ steht in weißen Buchstaben auf der coolen Kopfbedeckung. „Nur eine Mütze. Ich hab’ kein Problem“, sagt der junge Mann aus Guinea und lacht. Doch der mit einem Augenzwinkern vorgetragene Satz trifft so nicht zu. Allmando ist einer von 190 minderjährigen Flüchtlingen, die im vergangenen Jahr nach Düsseldorf kamen. Als „Unbegleiteter“ gehört er zu jenen Jugendlichen, die ohne Eltern, Verwandte und Freunde einen Weg nach Europa fanden, hier nach häufig traumatisierenden Erlebnissen in der Heimat und auf der Flucht auf Schutz und einen Neubeginn als anerkannte Asylbewerber hoffen.

An diesem Nachmittag trifft der junge Mann, der bereits mit 15 Jahren nach Deutschland kam und zunächst in Ostwestfalen lebte, im Treffpunkt „Jump“ seine Betreuerin Michaela Hagemann von der Diakonie. Einmal mehr geht es um das laufende Asylverfahren. Auch nach zweieinhalb Jahren weiß Allmando nicht, ob er in Deutschland bleiben darf. Dabei sind die Geschichten, die er aus seiner Heimat berichtet, dramatisch. Zufällig sei er vor fast drei Jahren in eine politische Demonstration geraten. Die Polizei notierte seinen Namen, suchte nach dem elternlosen Jungen im Haus seiner Tante, bei der er damals lebte. „Viele Demonstranten waren bereits verhaftet, ich hatte wahnsinnige Angst, und floh, bevor es zu spät war“, erinnert sich der junge Mann. Über den Senegal, Mauretanien und Marokko, wo er für wenige Cent schuftete und unter freiem Himmel in einem ehemaligen Zoo schlafen musste, gelangte er schließlich in die spanische Exklave Melilla und von dort aufs europäische Festland. Das Geld für die Flucht verdiente er meist selbst, einmal half ihm seine alte Oma von Guinea aus, ein anderes Mal ein Fremder, dem er einfach leid tat.

Allmando besucht Berufskolleg

Seit ein paar Monaten besucht Allmando eine Seiteneinsteiger-Klasse im Franz-Jürgens-Berufskolleg, spricht inzwischen Deutsch. „In meiner Klasse sind Fremdsprachen tabu. Wer seine Muttersprache nutzt, zahlt ein paar Cent in die Kaffeekasse“, sagt er. 2016 will der Flüchtling den Hauptschulabschluss Klasse 10 machen. Und dann? „Ich träume davon, hier in Düsseldorf eine Lehrstelle als Elektriker zu bekommen. Und davon, eine Frau zu finden und mit ihr Kinder zu haben“, sagt Allmando. Doch wer bildet einen jungen Afrikaner mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus aus? „Die langen Asylverfahren machen es für uns schwerer, die Jugendlichen zu verselbstständigen. Nicht nur, weil die Chancen auf einen Ausbildungsplatz schwinden, sondern auch, weil dieser Status sie belastet und ihnen Energie raubt“, sagt Sozialpädagogin Hagemann.

Dabei stehen die Chancen auf mehr Selbstständigkeit nicht schlecht. Mit zwei anderen Unbegleiteten lebt Allmando in einer Wohngemeinschaft in Friedrichstadt. Ihren Alltag organisieren die Heranwachsenden eigenverantwortlich. „Allerdings ist einer von uns immer erreichbar – Tag und Nacht“, sagt Hagemann. Insgesamt betreut das Diakonie-Team um Leiterin Jessica te Heesen zehn Unbegleitete. Der Name ihres Treffpunktes „Jump“ (englisch für „springen“) in Flingern ist gleichzeitig Programm. Denn die Buchstaben stehen auch für: Jugendliche, unbegleitet, minderjährig, Perspektive. „Genau das ist es, was ich will: eine Perspektive“, sagt Allmando.