Flaneur mit Faible fürs Banale

Richard Gleim.
Richard Gleim.
Foto: OH
Was wir bereits wissen
Foto-Ausstellung in der Buchhandlung BiBaBuZe: Richard Gleim hat den Blick für urbanes Leben.

Düsseldorf..  Als Beruf gibt Richard Gleim „selbstständiger Rentner“ an. Man könnnte auch sagen: Er ist der Fotograf der kleinen Dinge. Seit Jahren befindet sich der kurze Herr mit dem listigen Blick und dem roten Schal auf Abwegen. Der Pempelforter durchstreift nahezu täglich seine Heimatstadt, insbesondere an jenen Orten, denen Authentizität inne wohnt. Dabei hält Richard Gleim mit seiner Kamera Momente fest, deren raue Hinterhältigkeit und sperriger Charme sich gern erst auf den zweiten Blick erschließen lassen. Jetzt stellt er unter dem Titel „Ich gehe langsam durch die Stadt“ dieses Spektrum seiner Arbeiten in der Buchhandlung „BiBaBuZe“ vor.

Die Ritzen und Spalten der Stadt

Trotz Gluthitze hatte sich zur Vernissage am Wochenende ein Pulk Interessierter eingefunden. Ihnen wurden die Fotos zum Thema „Stadtansichten“ vorgestellt. Im zehntägigen Wechsel ändert sich der inhaltliche Schwerpunkt der Ausstellung. Es folgen: „Wildes Düsseldorf“, „Büdchen“, „Menschen in der Stadt“ und „Aus und vorbei“. Insbesondere der Block „Wildes Düsseldorf“ liegt dem 70-Jährigen am Herzen. Damit sind nicht, was beim Gedanken an den Musik-Szene-Fotografen der 80er Jahre ar/gee alias Richard Gleim, naheliegend wäre, sich überstürzende Ereignisse auf der Bolkerstraße gemeint. Gleim hat neben seiner Vergangenheit als Musiker auch ein Vorleben als Gärtner. So zeichnet den Connaisseur de la vie ein liebevoller Blick für wild wachsende Pflanzen aus. „Ich fotografiere solche, die in den Ritzen und Spalten der Stadt, auf den letzten Ruderalflächen (Brachen) und seitlich des Weges dann doch hervorbrechen“, präszisiert Gleim seine Motivwahl zu diesem Thema.

Seine Bilder fordern vom Betrachter Muße ein. Die Augen müssen genauso beschaulich durch das Foto wandern, wie Gleim durch die Stadt spaziert. Es handele sich weniger um Postkartenansichten und journalistische Fotos, ist zu hören. „Ich halte das scheinbar Banale, Alltägliche fest. Dadurch, dass ich das Banale als Bild zeige, wird es dem Banalen entrissen. Die Stadt auf diese Weise zu sehen erklärt, weshalb es mir nie langweilig wird“, so Richard Gleim.

Seine Bilder im DinA3+ Format werden in der „Gleim’schen Hängung“ im Café-Bereich der Buchhandlung ausgestellt. „Gleim’sche Hängung“ bedeutet: Eine rustikale Sisalschnur ist längs der Wände gespannt. An ihr sind die Abzüge mit Holzwäscheklammern befestigt. Dennoch sind die Objekte empfindlich. Die Fotos sind auf 300 Gramm schwerem, säurefreiem, also archivfestem, museumsreifem Papier abgezogen worden. Als eines der Motive, ein Rather Stillleben, mit einem nahezu historischen Wahlplakat von Angela Merkel als Blickfang, verkauft wird, werden flugs die weißen Handschuhe gezückt. Fingerabdrücke sollen vermieden werden, dann bleibt das Objekt dauerhaft in allerbester Verfassung, lernen Käuferin und Anwesende.