Fiftyfifty-Verkäufer zeigen Breiti ihre Stadt

Die Obdachlosen Markus und Jimmy gingen mit Breiti (Mitte) von den Toten Hosen auf Stadtführung.
Die Obdachlosen Markus und Jimmy gingen mit Breiti (Mitte) von den Toten Hosen auf Stadtführung.
Foto: Hans-Jürgen Bauer
Was wir bereits wissen
Der Tote-Hosen-Gitarrist lernte beim Rundgang „Straßenleben“ den Alltag der Obdachlosen in Düsseldorf kennen. Die speziellen Führungen sind gefragt.

Viele Obdachlose kommen ein paar Mal pro Woche zur Fiftyfifty-Beratungsstelle an der Höhenstraße/Ellerstraße. Nicht nur, um neue Straßenmagazine abzuholen, die sie weiterverkaufen können, sondern auch ihre Post. „Unter ‚Dritte Bank im Hofgarten links‘ können Obdachlose keine Post empfangen. Für sie ist es aber enorm wichtig, eine Postadresse zu haben, denn sonst können sie zum Beispiel keine Arge beantragen“, erklärt Jimmy.

Seit seiner Kindheit hat der heute 48-Jährige immer wieder für Jahre auf der Straße gelebt. Inzwischen hat er einen festen Wohnsitz und erklärt Interessierten als Stadtführer beim Stadtrundgang „Straßenleben“ den Alltag von Obdachlosen. Am Wochenende zählte auch Tote-Hosen-Gitarrist Michael Breitkopf, genannt Breiti, zu den Zuhörern.

1500 Besucher bei Führungen von Obdachlosen

Seit Jahren engagieren er und seine Bandkollegen sich für soziale Initiativen wie Fiftyfitfy. „Die Straßenzeitung ist gut, um Interesse für die Situation der Obdachlosen zu wecken, aber ein persönliches Gespräch schafft noch einmal ein ganz anderes Bewusstsein für die Alltagsprobleme“, sagt Breiti.

Im Sommer 2013 startete Fiftyifty gemeinsam mit dem Kulturzentrum Zakk die außergewöhnlichen Stadtführungen. „Etwa 1500 Personen haben bisher an den Führungen teilgenommen. Einheimische, Touristen, Kegelclubs, Schulklassen, Politiker – die unterschiedlichsten Menschen interessieren sich dafür“, sagt Sozialarbeiter und Projektkoordinator Johannes Dörrenbächer. Statt zu den üblichen Sehenswürdigkeiten Düsseldorfs geht es zu Notunterkünften, Pfandleihhäusern oder dem Straßenstrich.

„Ich bin beeindruckt, wie viele persönliche Dinge die Straßenleben-Stadtführer preisgeben“, sagt Breiti. „Wie schwierig es zum Beispiel für viele ist, nach einer Zeit auf der Straße wieder in einer Wohnung zu leben, sie sauber zu halten. In den Wohnheimen müssen sie das oft erst wieder üben, ehe sie wieder selbstständig wohnen können“, so der Gitarrist. (arm)