Feuerwehr hat ein Fitness-Problem

Langenfeld..  Der neue Feuerwehrchef redet nicht um den heißen Brei herum. Ob es an den Übungsmöglichkeiten liege, dass nur vier von zehn Freiwilligen Wehrleuten in Langenfeld ein Atemschutzgerät tragen dürfen, fragt CDU-Ratsherr Rolf Kamp Wehrleiter Marcus Jagieniak. Nein, antwortet der: „Es liegt nicht an den Ausbildungskapazitäten, sondern an der körperlichen Fitness der Kräfte“. Attestiert hat diesen Mangel ein Gutachten, das dem Stadt-Ordnungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung vorgelegt wurde. Danach sind zwar 72 Prozent der 89 aktiven Ehrenamtler „befähigt“, mit Atemschutz zu löschen und zu retten, aber nur 39 Prozent sind auch „tauglich“, haben also im jährlichen Belastungstest bewiesen, dass sie unter Einsatzbedingungen nicht zusammenbrechen mit Atemschutz und gut 60 Kilo Kleidung/Ausrüstung am Körper.

Wie die Quote der „Atemschutzgeräteträger“ gesteigert werden kann, diese Frage dürfte Feuerwehr, Verwaltung und Politik jetzt beschäftigen. Denn bei dem erstmals nach zwölf Jahren wieder vorgelegten „Brandschutzbedarfsplan“ handelt es sich – so Gutachter Holger Müller (Luelf Rinke Sicherheitsberatung) – um ein „konsensfähiges Papier“, das zusammen mit der Feuerwehr erstellt wurde. Konsens ist demnach auch das Motto, das der Ingenieur formulierte: „So viel Ehrenamt wie möglich, so viel Hauptamt wie nötig.“ Im Klartext: Die 54 hauptberuflichen Kräfte im Brandschutz und Rettungsdienst sind auf Ehrenamtler angewiesen, die vor lebensgefährlichem Rauch nicht davonlaufen müssen.

Zum Beispiel, indem sie den Fitnessraum nutzen, der in der 2009 eröffneten Hauptwache an der Lindberghstraße vorhanden ist. Jagieniak sagte auf entsprechende Anmerkungen von Ausschussmitglied Salvatore Di Gangi (Grüne): „Wir überlegen jetzt, welche Anreize für Ehrenamtliche sinnvoll sind.“

Reusrath unterbesetzt

Insgesamt stellt das 170-seitige Gutachten (Kosten: 50 000 Euro) Langenfelds Brandschutz ein gutes Zeugnis aus: Nach den Prüfkriterien wie Eintreffzeit (spätestens acht Minuten nach Alarmierung), Funktionen/Personal oder Ausrüstung wird ein „Erfüllungsgrad“ von 88 Prozent erreicht, was Fachmann Müller so übersetzt: eine leistungsfähige Feuerwehr.

Defizite und Handlungsbedarf sieht er neben dem Atemschutz noch in folgenden Punkten: Die Löschgruppe im Süden verfügt nur über sieben Aktive. „Zu wenig“, befindet der Gutachter. Damit könne noch nicht mal ein Löschfahrzeug (neun Mann) voll besetzt werden – erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass Ehrenamtler im Einsatzfall erfahrungsgemäß nur zu einem Drittel bis zur Hälfte zur Verfügung stehen. Zudem benötigt das Gerätehaus eine technische Vorkehrung, damit die Männer dort keine giftigen Auto-Abgase einatmen müssen.

Für die Löschgruppe im Norden empfiehlt Müller ein größeres Gerätehaus – und zwar an anderer Stelle, jenseits der Bahngleise, zwischen diesen und dem Heinenbusch-See (nördlich Winkelsweg). Pluspunkte: Bis zu acht Wehrleute wohnen in unmittelbarer Nähe, und der Standort bietet einsatztaktische Vorteile.

Unter anderem der Wegfall von Wehrpflicht/Ersatzdienst hat laut Leiter Jagieniak zu Einbrüchen beim Freiwilligennachwuchs geführt. Der Rat des Gutachters: eine neue hauptamtliche Stelle, deren Inhaber sich um die Ehrenamts-Stärkung kümmert.

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