Feuerwehr befreit Schwerstverletzte aus Kamin

Schock an der Kunstakademie. In der Nacht zu Montag sind zwei Menschen vom Dach des Hauptgebäudes in der Eiskellerstraße in einen 30 Meter tiefen Kaminschacht gestürzt. Die Feuerwehr setzte Höhenretter ein und stemmte den Schacht von innen auf.

Der Unfall geschah gegen drei Uhr in der Früh. Für die Feuerwehr war es ein heikler und aufwändiger Einsatz. Die beiden Studenten, eine Frau und ein Mann, waren mit anderen im Haus, um den bevorstehenden Sommerabschluss in der Akademie vorzubereiten. In der Nacht kletterten sie dann verbotenerweise auf das Dach und stellten sich auf die Abdeckung eines stillgelegten Kaminschachts - dort stürzten sie ab. Sie waren, trotz des Aufpralls aus großer Höhe, noch ansprechbar.

Die Feuerwehr ging von oben und von unten vor, um zu den beiden vorzudringen. Weil der Schacht zu eng war - etwa 80 mal 80 Zentimeter im Durchmesser - konnten die Verunglückten im Kamin nicht ärztlich versorgt werden.

Stützkorsett und Halskrause

„Die lebensgefährlichen Verletzungen der Frau forderten von dem Höhenretter im Kamin sämtliches Know-how“, sagte Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen. Sie bekam in enger Absprache mit einem Notarzt, der den Einsatz von außen begleitete, Medikamente und wurde dann in ein spezielles Stützkorsett mit Halskrause gelegt - alles in der Enge des Kaminschachts. Weil Stahlträger es unmöglich machten, die Frau nach oben zu bergen und nicht entfernt werden konnten, stemmten Feuerwehrleute einen Teil der Wand auf. Das sei auch nötig gewesen, um Erschütterungen beim Transport zu vermeiden. Letztlich wurde die Frau zwei Meter hinauf gezogen und seitlich aus dem Kaminschacht geholt.

Drei Stunden ackerten die Retter im und am Kamin. Insgesamt 35 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Ein Notfallseelsorger kümmerte sich zudem um die Bekannten der Verunglückten. An der Akademie ist man erschüttert. Seit gestern ist dort „Sommerrundgang“. Mehr als 30 Absolventen zeigen ihre Abschlussarbeiten. Von Mittwoch bis Sonntag auch öffentlich.