Feuer im Uni-Tunnel
10.10.2012 | 18:11 Uhr 2012-10-10T18:11:00+0200
Düsseldorf. Für die Autofahrer ist es ein Horror-Szenario: Sie fahren in einen Tunnel. Plötzlich sehen sie nichts mehr. Ein Fahrzeug brennt. Alles ist voller Qualm. In Düsseldorf ist dieser Fall gestern früh eingetreten.
Ein Renault stand im A 46-Universitätstunnel lichterloh in Flammen. Mehrere Autos steckten in der Falle. Doch weil die Brandmeldeanlage funktionierte und die großen Lüfter sofort aktivierte, weil die Eingeschlossenen die Nerven behielten und sich vorbildlich verhielten, und weil die Feuerwehr und Polizei schnell vor Ort waren, konnte Schlimmeres verhindert werden. Es gab nicht einen einzigen Verletzten.
Es war 7.30 Uhr in der Frühe. Ein 21-jähriger Erkrather, der offenbar unter Drogeneinfluss stand, fuhr Richtung Düsseldorf auf der A 46 in den Uni-Tunnel und verlor 250 Meter vor der Ausfahrt Bilk die Kontrolle über sein Auto. Der Renault Megane prallte gegen die Tunnelwand und ging sofort in Flammen auf. Der junge Mann befreite sich gerade noch rechtzeitig aus dem Wrack und rannte aus dem Tunnel. Auch einige Autofahrer konnten mit ihren Fahrzeugen die qualmende Röhre noch verlassen.
Andere aber kamen keinen Meter mehr weiter. Vor ihnen war die schwarze Wolke. „Es war wie eine Wand, durch die man nichts mehr sehen konnte“, berichtet später Feuerwehr-Sprecher Heinz Engels. Nach seiner Schätzung stauten sich 60 bis 80 Fahrzeuge vor der Brandstelle im Auto.
Die stecken gebliebenen Autofahrer taten in diesem Moment genau das Richtige. Sie stellten die Motoren ab, verschlossen Seitenfenster und Türen und schützten sich so im Wagen vor dem Qualm, bis die Retter eintrafen. „Die Fahrer haben sich wirklich Klasse verhalten“, sagte Engels. Die Tunnel-Lüfter sind im Notfall automatisch darauf eingestellt, dass sie den Rauch in Fahrtrichtung wegblasen, weil sich der Stau immer hinter einem Feuer (also in Gegenrichtung) bildet.
Bei einem Brand in einem Autotunnel gelten folgende Sicherheitshinweise für die Autofahrer:
Setzen sie sofort einen Notruf ( 112) ab.
Ist das Feuer gerade am Entstehen, bekämpfen Sie es mit einem Feuerlöscher. Schilder vor Ort zeigen, wo sich ein Feuerlöscher befindet. Bringen Sie sich nicht unnötig in Gefahr.
Werden Sie durch den Brandrauch gefährdet, verlassen Sie sofort das Auto und flüchten zum nächsten Notausgang. Lassen Sie niemandem zurück. Und immer der Fluchtwegbeschilderung folgen.
Autoschlüssel im Zündschloss stecken lassen! Bei der Bergung muss das Fahrzeug möglicherweise versetzt werden.
Beachten sie strikt die Anweisungen der Einsatzkräfte beziehungsweise (falls vorhanden) die Lautsprecher-Durchsagen.
Geben Sie beim Notruf den genauen Ort und die Fahrtrichtung an, teilen Sie mit, was passiert ist, ob und wie viele Personen verletzt sind.
Bei der Feuerwehr und der Polizei schrillten sämtliche Alarmglocken. Die Brandmeldeanlage hatte sofort die Ventilatoren an der Tunneldecke auf Höchstleistung geschaltet und einen automatischen Notruf bei der Feuerwehr-Leitstelle an der Hüttenstraße abgesetzt, so dass der nahe gelegene Löschzug der Werstener Wache und mehrere Rettungswagen sowie der Notarzt sich unverzüglich auf den Weg machen konnten. Mit Blaulicht raste auch die Autobahnpolizei zur Tunneleinfahrt. Denn dort gibt es noch keine Ampel, die im Ernstfall auf Rot schaltet. Ein Missstand, der vom ADAC schon vor Jahren gerügt wurde. Autofahrer fuhren völlig ahnungslos in den Tunnel, bis Streifenwagen endlich die Einfahrt blockierten.
Vollsperrung
Wegen der starken Rauchentwicklung und der Sichtbehinderungen sperrte die Polizei die A 46 in beiden Richtungen ab. Und das unmittelbar vor der Rushhour. Erst 50 Minuten später, gegen 8.20 Uhr, wurde der Tunnel wieder freigegeben. Da hatte sich schon ein zehn Kilometer langer Stau bis zum Hildener Autobahnkreuz gebildet.
Der Rettungs- und Löscheinsatz im Universitätstunnel verlief pro-blemlos. Feuerwehrmänner mit Atemschutz eilten zu den Menschen in der Tunnelröhre, um sich zu vergewissern, dass keiner in akuter Gefahr ist. Die Polizei geleitete die Autofahrer später sicher aus dem Tunnel.
Der Landesbetrieb „Straßen NRW“ sicherte gestern zu, dass das Ausbauprogramm (siehe nebenstehenden Artikel) für den Uni-Tunnel und den Werstener Tunnel nächstes Jahr abgeschlossen ist. Der gestrige Unfall habe deutlich gezeigt, „dass das Thema Tunnelsicherheit nicht zu unterschätzen ist“, betont Sprecher Bernd A. Löchter.
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