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Fehlfarben: Je älter desto besser

11.04.2010 | 19:23 Uhr
Fehlfarben: Je älter desto besser

Düsseldorf. „Sehen wir nicht gut aus, dafür dass wir schon so alte Säcke sind?“, fragt Fehlfarben-Sänger Peter Hein. Nicht übel, möchte man antworten, vor allem, da die Band auch in ihrer ersten Inkarnation als Mittagspause ja schon selbst gegen die alten Säcke angespielt hat, wie immer sie damals auch heißen mochten.

Ein Hauch von
Underground

Das Erstaunliche ist – die Band klingt in ihrer aktuellen Besetzung beim Konzert jetzt im Zakk zeitgemäßer denn je. Das mag auch daran liegen, dass ihr neues Album so frisch und direkt produziert wurde und offenbar auch live für einen Schub nach vorn sorgt. „Glücksmaschinen“ eröffnet ein Konzert, das neue und alte Songs in äußerst intensive Arrangements packt, da klingen auch die Klassiker wie „Ernstfall“ als seien sie erst gestern geschrieben worden. Ein Beweis dafür, wie recht die Fehlfarben damals hatten, als sie mit „Monarchie und Alltag“ einen Klassiker der deutschen Rockmusik herausbrachten. Der klingt heute, wenn man ehrlich ist, ein wenig hausbacken, der Funk im Punk kam ein wenig ungelenk daher. Heute sind die Fehlfarben eine Rock- und Discomaschine, die sich je nach Bedarf ebenso kratzbürstig wie intensiv geben kann.

Dabei spielt Bassist Hans Bäär eine wichtige Rolle, seine Läufe geben der Musik die Erdung und wummern mächtig in der Magengrube. Mit den Neon-Schriftzügen auf ihren Hemden und den gewollt merkwürdigen Sonnenbrillen mit weißen Gestell bildet die Band etwas ab, was man früher vielleicht Underground genannt hätte.

Dass die Elektronik, die Kurt Dahlke und Frank Fenstermacher beisteuern, die Band über die Vergangenheit in die Gegenwart trägt, ist der Pluspunkt. Eine nervöse Energie bestimmt den Abend, nicht zuletzt durch die aggressiven Gitarrenriffs von Uwe Jahnke, oft gehen die Songs ineinander über, steigert sich die Intensität in Bereiche, in die die alten Fehlfarben selten vorgedrungen sind. „Stadt der tausend Tränen“ vom neuen Album ist da nur einer von vielen Höhepunkten.

Über Peter Heins Texte ist schon genug gesagt worden, soviel dann aber doch: Auch die neuen Songs stehen für jene undogmatische, kritische Haltung, die Hein stets eingenommen hat. Das war von jeher sein Metier und deshalb sah er es ungern, dass „Ein Jahr (es geht voran)“ von Juso- und Studentenparty okkupiert wurde. Die Fehlfarben spielen es, aber so, als wäre es nur ein Lied von vielen. Sicherlich, hier sind „alte Säcke“ am Werk, mal abgesehen von der alles zusammenhaltenden Schlagzeugerin Saskia von Klitzing, aber die haben sich neu erfunden, brauchen sich, wie Hein sagt, vor keinem aus Hamburg zu verstecken. Und auch sonst vor nur wenigen.

Thomas Hag

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