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Fast so gut wie David Garrett

03.02.2011 | 18:41 Uhr
Fast so gut wie David Garrett
Das Musikprojekt Vivaldi der Stadt Düsseldorf und der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf am 02.02.2011. Leon (5) mit seiner Geige. Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool

Düsseldorf.Leon ist fünf und hat den Bogen raus. Erstmal ein paar Takte singen? Kein Problem. „Alle meine Entchen“, das kann doch jedes Kind. Die gute Körperhaltung, das Instrument weit oben auf der Schulter - bitteschön. Selbst die Verbeugung klappt schon prima.

Leons Haar schwingt dabei fast so schön wie das von Star-Geiger David Garrett. Das Publikum im Kammermusiksaal applaudiert begeistert. Mittendrin: Mutter Susanne Rossi. Sie klingt stolz, wenn sie von Leons neuem Hobby erzählt. Musikbegeistert war der kleine Mann schon immer. Nun ist er einer von 25 Düsseldorfern zwischen vier und sieben, die von Musikstudenten und Dozenten kostenlos Geigenunterricht erhalten. Ein Projekt der Stadt mit der Robert-Schumann-Hochschule, um Kinder früh an ein Instrument heranzuführen. Jetzt war die erste Aufführung.

Ida Bieler ist ein bisschen aufgeregt. Die „Geigenparty“ beginnt in fünf Minuten, konzipiert als Gruppenunterricht und Vorführung - und Bieler als Initiatorin des „Vivaldi-Projektes“ muss die Ansprache halten. Normalerweise unterrichtet die Musikprofessorin aus den USA, Virginia, Violine und Kammermusik an der Hochschule. Diesmal tritt sie als Veranstalterin auf. Zwei Ziele vereint das Projekt, sagt sie. Begabte Kinder lernen Geige spielen, unabhängig vom sozialen Hintergrund. Und die Hochschulstudenten können das Unterrichten üben. „In dieser Form ist das Ganze einzigartig“.

Eine Leihgeige und Noten

Rolf Kessler vom Bildungsbüro des Schulverwaltungsamtes nickt. Früher war er Leiter der Gemeinschaftsgrundschule Richardstraße. Heute führt er als Landesbediensteter das Bildungsbüro als Schnittstelle zwischen der Schulpolitik des Landes und der Stadt. Kessler ist ein Verfechter ganzheitlicher Bildung. „Nicht nur schulische Bildung ist wichtig, sondern auch kulturelle“, sagt er. „Der Mensch besteht ja nicht nur aus Kopf. Kleine Kinder singen noch spontan. Das Leben gewöhnt uns das ab.“

Im Namen Vivaldis arbeiten Clara-Schumann-Musikschule, Hochschule und Jugendamt zusammen. Angesprochen wurden Kinder in den Freizeiteinrichtungen „Zitty“ und „V24“. Bei der Info-Veranstaltung zeigten 54 Eltern Interesse. 25 kleine Leute sind seit zwei Monaten dabei, die übrigen erhalten Elementarunterricht, bis sie in die Geigengruppe nachrücken können. Wenn das Vivaldi-Projekt erfolgreich läuft, stehen die Chancen auf eine landesweite Ausdehnung mit entsprechender Finanzierung gut, sagt Kessler.

Leon hatte Glück. Die Schnupperstunde hat ihm gefallen. Nun lernt er in „seiner“ Freizeiteinrichtung V24 nah am Elternhaus einmal pro Woche 45 Minuten Geige spielen. Noten werden gestellt. Ein kleines Leihinstrument darf Leon mit nach Hause nehmen. Er übt mit Feuereifer. „Wir gehen das Ganze spielerisch an“, dämpft Susanne Rossi.

Unterdessen ist die Geigenparty in vollem Gange. Hier musizieren alle zusammen: ärmere Kinder, reichere Kinder, Kinder aller Nationalitäten. Die kleinen Musiker sehen glücklich aus. Kessler auch. Er freut sich, dass alles so gut läuft. „Musik ist die beste Sozialprävention über alle Grenzen hinweg.“

Petra Kuiper

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