Familie von Orkan-Opfer fordert Schadenersatz

„Ich räume draußen noch den Klapptisch weg, damit nichts passiert.“ Das waren die letzten Worte, die Alkar Vogel (58) kurz vor dem Orkan „Ela“ zu seiner Frau sagte. Sekunden später kippte vom Nachbargrundstück eine zentnerschwere Zeder auf den Garten des 58-Jährigen, begrub ihn unter sich und verletzte ihn so schwer, dass er Monate später an den Folgen der Knochenbrüche starb. Doch die Verantwortung dafür will niemand tragen. Der Nachbar verwies auf seine Gebäudehaftpflichtversicherung. Die Versicherung spricht von „höherer Gewalt“. Die Witwe (59) des Sturmopfers und der Sohn (30) haben jetzt das Landgericht eingeschaltet. Was Sylvia Vogel und ihr Sohn Alkar junior durchlitten haben, können sie kaum in Worte fassen. Die Familie hatte im Garten gerade noch gegrillt, als sich der Himmel verfinsterte, erste Sturmböen über die Stadt jagten. Das war erst der Auftakt zu einem der schlimmsten Stürme, die Düsseldorf je erlebte. 40 000 Bäume wurden zerstört, die Wiederaufforstung wird Jahre dauern. Einer der Bäume, die von den Naturgewalten zersplittert wurden, fiel genau auf Alkar Vogel, riss auch seinen Sohn um. „Da war auf einmal alles ganz anders“, schildert der Junior den schrecklichen Moment, bei dem er eine Schulterverletzung und eine Schnittwunde davontrug. Dass sein Vater viel schlimmer erwischt worden war, habe er „sofort gewusst: Er lag ja da, wo der Klapptisch vorher stand.“ Fast anderthalb Stunden musste Alkar senior hilflos unter dem Zedernstamm ausharren, bis die Feuerwehr ihn befreit hatte. Der 58-Jährige erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, zwei gebrochene Halswirbel und den Bruch eines Brustwirbels. Man musste befürchten, dass er querschnittsgelähmt bleiben würde. „Wir hatten schon Handwerker hier, um das Haus rollstuhlgerecht umzubauen“, so Sylvia Vogel. Doch acht Wochen später ist ihr Ehemann in einer Fachklinik gestorben. Der Besitzer des Baumes vom Nachbargrundstück zuckte dazu angeblich nur mit den Achseln, verwies auf seine Versicherung. Als die Witwe den Rechtsanwalt Thomas Stephan hinzuzog, erfuhr dieser von dem Konzernanwalt nur: „Bei höherer Gewalt müssen wir nicht haften.“

Um eine Zivilklage gegen den Konzern vorzubereiten, ließ Anwalt Stephan beim Landgericht nun ein Beweisverfahren anlaufen, um wichtige Details zu sichern, bevor alle Spuren der Sturmnacht restlos getilgt sind. Dabei befand ein Gutachter: Die 20 Meter hohe Zeder des Nachbarn sei zwar nicht schadhaft oder morsch gewesen, aber weil eine andere Zeder im Garten der Vogels Jahre zuvor gefällt worden war, hätte die des Nachbarn zurückgeschnitten werden müssen. Für Witwe Sylvia ist klar, warum das nicht geschah: Seit Jahren habe sich „niemand um den Nachbarsgarten gekümmert“. Also müssten der Baumbesitzer und dessen Versicherung für den Schaden der Familie Vogel einstehen. Deren Anwalt wartet, bis das Gutachten des Baumexperten fertig ist, um mit der Versicherung des Nachbarn neu zu verhandeln. „Aber wenn das nichts bringt, legen wir beim Landgericht bis April eine Klage in sechsstelliger Höhe vor.“