Falsche Prioritäten

Zur Sitzung des Stadtrates vergangenen Donnerstag folgende Leserzuschrift:

Ich bin wütend – ich verstehe es nicht. Fast fünf Stunden saß ich in dieser Ratssitzung am 28. Mai und habe mit wenigen anderen Kolleginnen durchgehalten, bis endlich der Punkt der Tagesordnung 18K drankam. Doch in dieser Zeit konnte ich mir ein gutes Bild von unseren Entscheidern der Stadt Düsseldorf machen. Denn von den Zuschauerplätzen des Saales in der dritten Etage des Rathauses kann man sehr gut sehen, was die jeweiligen Ratsherren und Ratsdamen während ihrer Sitzungszeit so zu tun haben. Zuhören steht da nicht an erster Stelle. Facebook, Zeitung lesen oder auch Karten spielen!

Also geht’s noch? Was ist denn da los. Wenn ich mit dieser Arbeitsmoral meiner Arbeit nachgehen würde, dürfte ich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr dahin gehen. Doch die Erkenntnis, dass die Diskussion um den Kö-Pavillon und dessen Weiternutzung oder Verschrottung so hitzig wird, dass der OB eine Pause anordnet, die hatte ich nicht erwartet. Das ist auch sehr schwer zu entscheiden, was mit so ‘nem Ding passiert. Für ‘ne Millionen umsetzten oder für über 200 000 Euro verschrotten. Da kann man sich auch mal ein wenig uneinig sein.

Doch dann kam er. 18 K, der Wunsch nach Solidarität und Unterstützung der Stadt bei dem Streik des Erziehungs- und Sozialdienstes. „Was ist Verdi?“, hört man es aus den CDU-Kreisen rufen. Bitte??? Keine zehn Minuten später war es beschlossene Sache. Nein, wir dürfen uns nicht in Tarifverhandlungen einmischen. Fertig. Das war’s! Keiner steht hinter uns! Selbst der OB hat sich nicht klar positioniert. Ist er nun dagegen oder hat er sich seiner Stimme enthalten. Tja da gab es ein Blitzvotum. Warum wird eigentlich ein Pavillon gebaut, der so viele Kosten verursacht?? Seltsam! Na, dankeschön.

Aber bitte sprecht in euren Wahlen nicht mehr darüber, wie wichtig Familien sind und die soziale Arbeit.

Jetzt erst recht. Aufwertung jetzt!


Dieser Leserbrief wurde geschrieben von einer Erzieherin aus Düsseldorf.
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