Das aktuelle Wetter Duesseldorf 18°C
Prozess um Architektenmord

„Es wird Tote geben“

22.10.2012 | 17:05 Uhr
„Es wird Tote geben“
Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf. „Er wollte alles kontrollieren.“ Das sagt die 33-Jährige mehrmals über ihren Ex-Mann. Und dass er mit Mord drohte. Ihr Ex-Gatte (36) sitzt derzeit vor dem Landgericht, ist angeklagt, ihren Freund im Flur seines Wohnhauses an der Platanenstraße brutal mit einer Axt erschlagen zu haben. Gestern erzählte sie die Vorgeschichte.

Sehr gefasst spricht die zierliche Frau, die braunen Haare im Nacken zusammengebunden, berichtet, dass sie den Angeklagten mit 16 heiratete. Denn er wollte als Russlanddeutscher nach Deutschland, sie konnte nur als Ehefrau mit. In Aachen fassten sie Fuß, sie 18, er 21. Sie machte Abitur, er eine Ausbildung. Sie studierte Architektur, er Politik, die Tochter kam auf die Welt. Das sei ihre schönste Zeit gewesen, sagt sie.

2008 bekam sie eine Stelle, sie zogen nach Düsseldorf. Er fand keine Arbeit, wollte Projektleiter werden und zu hohe Gehälter, so stellt sie es dar. Die Tochter ging in die Kita. Was er tagsüber machte, weiß sie nicht.

Ständig habe er im Büro angerufen, wissen wollen, mit wem sie die Pause verbringt. Sie hätten oft Streit gehabt, um Kleinigkeiten: „Wenn das Essen nicht fertig war, ich eine Frage nicht beantwortet habe.“ Dann habe er sie auch geschlagen und getreten. „Seit Jahren“ habe sie an Trennung gedacht. Als sie einen Kollegen wiedertraf, verliebte sie sich: „Das war ein Schubser, die Beziehung zu beenden, nicht der Grund“, betont sie.

Sie zog mit der Tochter aus. Der Mann habe das Kind entführt, es am Telefon Sätze sagen lassen wie: „Du darfst mit keinem anderen Mann leben, solange darf ich nicht zu dir.“ Oder: Ihr Freund sei „böse“, „weil er unsere Familie zerstört hat“. Nach zwei Monaten war das Kind zurück.

Per Internet habe er ihr gedroht: „Jede männliche Person, die sich in deiner Nähe befindet, wird hingerichtet. Es wird Tote geben, aber dann ist meine Seele beruhigt.“ Bevor sie mit ihrem Freund in eine neue Wohnung ziehen konnte, wurde dieser getötet.

Drei Stunden dauert die Vernehmung, dennoch haben nicht alle ihre Fragen gestellt. Die 33-Jährige muss erneut kommen. Und ihren Ex- Mann wiedersehen. Morgen geht es mit anderen Zeugen weiter.

 

Katharina Rüth

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7218745/create

Fotos und Videos
Fortuna steigt ab
Bildgalerie
Fotostrecke
Löschzug Alt-Erkrath
Bildgalerie
Tag der offenen Tür
Pink in Düsseldorf
Bildgalerie
Konzert
Großbrand in Flingern
Bildgalerie
Rauchwolke
Aus dem Ressort
Elbers will Weg frei machen für frühere OB-Wahl
Politik
Durch einen vorzeitigen Rücktritt würde der amtierende Oberbürgermeister den Weg frei machen für einen gemeinsamen Wahltag mit der Kommunal- und Europawahl im Mai 2014.
Schlammschlacht um Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach
Stahlkonzern
Michael Storm, der frühere Patriarch des Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach, wird beschuldigt, sein Jagdvergnügen aus der Firmenkasse bezahlt zu haben. Das bestreitet Storm auch gar nicht. Allerdings sei das mit Wissen des Unternehmens geschehen. Der Verwaltungsrat habe davon gewusst.