Das aktuelle Wetter Düsseldorf 6°C
Freier-Abzocke

Erster Prozess um K.o.-Tropfen im Bordell

06.02.2013 | 06:00 Uhr
Erster Prozess um K.o.-Tropfen im Bordell

Düsseldorf. Bisher ging es in dem Prozess gegen Bordell-Mitarbeiter Monder B. nur um den Verkauf von Kokain. Jetzt wurde die Anklage erweitert: Der 29-Jährige soll auch an der systematischen Freier-Abzocke beteiligt gewesen sein, hinter der nach Meinung der Staatsanwaltschaft ein ganzes Netzwerk steckt. Damit beginnt nun die gerichtliche Auseinandersetzung um die Vorwürfe, die im Sommer zu einer Razzia und mehreren Verhaftungen führten – unter anderem von Rotlichtkönig Bert Wollersheim (61).

Im Juli 2012 durchsuchten Ermittler zahlreiche Bordelle, Wohnungen und Geschäfte, nahmen elf Personen fest. Die Verdächtigen sollen Bordell-Besucher betäubt, dann ihre Konten geplündert haben. Über 50 Opfer sollen den Ermittlern bekannt sein. Für den Haupttäter hält die Staatsanwaltschaft Thomas M. (47), damals mit Wollersheim Betreiber mehrerer Bordelle.

Beide kamen zunächst wieder frei, da dem Landgericht die Verdachtsmomente für eine U-Haft nicht reichten. Das Oberlandesgericht ließ Thomas M. und einen weiteren Verdächtigen wieder verhaften.

Erster Angeklagter war Monder B., ab Oktober wurde ihm der Prozess gemacht. Er soll in einem Erotik-Hotel große Mengen Kokain verkauft haben. Dieser Vorwurf sollte getrennt verhandelt werden, bevor alle Verdächtigen wegen der Abzocke vor Gericht kommen.

Im Prozess wurde jedoch deutlich, dass das Kokain nicht nur dem „Party machen“ diente, sondern Gäste damit möglicherweise gezielt „in einen willenlosen Zustand“ versetzt wurden. Gestern hat der Staatsanwalt die Vorwürfe daher ergänzt.

310 Seiten ist die neue Anklage lang, sie enthält acht Fälle von Freier-Abzocke, an denen Monder B. beteiligt gewesen sein soll. Dazu gehört ein 71-Jähriger, der laut Anklage nach einem Cocktail aus Alkohol, Kokain und Medikamenten einschlief. Ihm soll man die Börse gestohlen, dann dreimal 3000 Euro mit seiner Kreditkarte abgebucht haben. Vergeblich soll jemand versucht haben, noch 17 000 Euro abzubuchen.

Manche Gäste sollen durch K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt worden sein, andere durch Sekt oder Champagner mit Beimischungen. Per Kredit- oder EC-Karte sollen die Täter bis zu 23 000 Euro von den Konten der Besucher gebucht haben. Es soll erfolglose Versuche gegeben haben, bis zu 85 000 Euro abzubuchen. Insgesamt sollen die Beteiligten 53 500 Euro direkt erbeutet, dazu den Opfern Schuldscheine über 17 500 Euro abgepresst haben.

Monder B. äußerte sich dazu nicht. Sein Verteidiger will die neuen Vorwürfe erst prüfen. Wann es Prozesse gegen die übrigen Verdächtigen gibt, steht noch nicht fest. Nach Auskunft von Sprecher Ralf Herrenbrück will die Staatsanwaltschaft bis Ende Februar über ihr Vorgehen entscheiden. Mit weiteren Anklagen sei zu rechnen, insbesondere gegen die Hauptbeschuldigten.

Katharina Rüth



Kommentare
06.02.2013
15:32
Erster Prozess um K.o.-Tropfen im Bordell
von WR-Abonnent | #1

Und was lernen wir daraus? Die Prostituierten lieber aufs Hotel-Zimmer bestellen.

Aus dem Ressort
Vorstandsbeschluss schürt Sorge um Düsseldorfer Daimler-Jobs
Daimler
Jetzt ist es offiziell: Ein Teil der Produktion des Düsseldorfer Mercedes-Werks wandert ins Ausland ab – nach Mexiko, Kanada oder in die USA. Die IG Metall will nun „um jeden Arbeitsplatz“ in Düsseldorf kämpfen. Die Verhandlungen laufen. Für Düsseldorf ist Daimler der größte industrielle...
Kündigung gegen spielsüchtigen Stadtmitarbeiter rechtens
Urteil
Weil er in seine eigene Tasche gewirtschaftet hat, hatte ihn die Stadt Hilden gekündigt. Der Verwaltungsfachangestellte hatte mehr als 100 000 Euro veruntreut. Das bestritt er vor Gericht auch nicht, hielt seine Kündigung aber für unwirksam: Wegen seiner Spielsucht hätte er ermahnt werden müssen.
Falschparker behindern die Feuerwehr
Rettungseinsatz
Bei Rettungseinsätzen geht es oft um Sekunden. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei müssen so schnell wie möglich am Ort des Geschehens sein. Immer wieder werden sie jedoch durch Falschparker aufgehalten.
Düsseldorfer wählen monatlich 20 000 Mal die „110“
Polizei-Leitstelle
In der Leitstelle der Düsseldorfer Polizei steht das Telefon niemals still. 20 000 Anrufe gehen jeden Monat ein. Die Beamten müssen neben Multi-Tasking-Fähigkeiten vor allem eins können: die Ruhe bewahren. Wie das im Alltag aussieht, zeigten die Beamten im Rahmen der Einbruchskampagne „Riegel vor!“
Die Zerbrechlichkeit des Rock’n’Roll
Konzert
50 Jahre Bühne: Rocksängerin Marianne Faithfull feierte am Montagabend ihr Jubiläum vor 750 Gästen in der Halle an der Siegburger Straße. Das bedeutet, dunkel abgehängte Ränge, ein dunkel abgehängter Saal und raumgreifende Leere.
Fotos und Videos
Bierpreise in Bundesliga und Region
Bildgalerie
Bierpreise
Meisterschaft der Bodypainter
Bildgalerie
Körperbemalung
Großbrand in Hilden
Bildgalerie
Feuerwehr