Erste Zuflucht für obdachlose Mütter soll im März eröffnen

Stefanie Volkenandt, Leiterin der bisher einzigen Frauen-Notaufnahme Ariadne, zeigt den Grundriss der neu erworbenen Wohnung. Zusammen mit dem Diakonie-Vorsitzenden Thorsten Nolting und Fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf stellte sie das Projekt vor.
Stefanie Volkenandt, Leiterin der bisher einzigen Frauen-Notaufnahme Ariadne, zeigt den Grundriss der neu erworbenen Wohnung. Zusammen mit dem Diakonie-Vorsitzenden Thorsten Nolting und Fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf stellte sie das Projekt vor.
Foto: Christine Holthoff
Was wir bereits wissen
In nur vier Monaten haben die Obdachlosenhilfe Fiftyfifty und die Diakonie die Spenden für eine passende Wohnung zusammen bekommen.

Die junge Mutter kam im vergangenen Jahr für einen Pflegejob nach Düsseldorf – Unterkunft inklusive. Als die Person starb, um die sie sich kümmern sollte, verlor die Polin beides: den Job und das Dach über dem Kopf. Zusammen mit ihrem vierjährigen Sohn ist sie in der „Ariadne“ untergekommen, Düsseldorfs bisher einziger Notschlafstelle für wohnungslose Frauen. Im März könnte sie eine passendere Bleibe finden. Dann soll eine neue Unterkunft für obdachlose Mütter im Norden der Stadt eröffnen. Spenden an die Obdachlosenhilfe Fiftyfifty und die Diakonie machen es möglich.

„Wir sind froh, dass das Projekt jetzt realisiert werden kann“, sagte Stefanie Volkenandt, Leiterin der Diakonie-Notaufnahme Ariadne, am Freitag beim Pressegespräch in der Johanneskirche: „In der Ariadne ist es recht beengt und auch wenn wir natürlich immer bemüht sind, Kinder und ihre Mütter so geschützt wie möglich unterzubringen, treffen die spätestens im Flur auf Frauen, die psychisch krank sind oder an Suchterkrankungen leiden. An diesen Anblick konnten wir uns nicht gewöhnen.“

Fiftyfifty steuert 250.000 Euro an Spenden bei

In der neuen Unterkunft wird das anders sein. Die Wohnung bietet Platz für vier Frauen mit jeweils einem Kind. Jede bekommt ihr eigenes Zimmer, eine geräumige Küche wird zum Gemeinschaftsraum mit Spielecke ausgebaut. Volkenandt geht davon aus, dass die Frauen im Schnitt drei bis fünf Monate in der Wohngemeinschaft bleiben – so lange wie es eben dauert, eine dauerhafte Unterkunft zu finden oder Leistungsansprüche bei Ämtern durchzusetzen. Außerdem ist in Zusammenarbeit mit der Stadt geplant, Familienpflegerinnen einzusetzen, die die Mütter im Alltag begleiten.

Während hierfür noch weitere Spenden nötig sind, ist das Geld für den Kauf der Wohnung schnell zusammengekommen: 250.000 Euro hat Fiftyfifty aus Spenden beigetragen und auch der Förderkreis der Diakonie hat das Anliegen finanziell unterstützt. „Wir konnten gar nicht so schnell gucken, wie es dann ging“, sagte Thorsten Nolting, Vorstandsvorsitzender der Diakonie. In rund vier Monaten hatte man das Geld beisammen. „Wir sind den Düsseldorfer Bürgern, die das mit ihren Spenden möglich gemacht haben, sehr dankbar“, sind sich Nolting und Fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf einig.

39 Mütter kamen 2014 in der Notaufnahme „Ariadne“ unter

Dass die Wohnung gekauft statt gemietet wurde, erklärt Ostendorf mit dem angespannten Immobilienmarkt: „Etwas Passendes zur Miete und in unmittelbarer Nähe zur Ariadne zu finden, ist fast unmöglich. Außerdem bekommt man kaum etwas für längerfristig, so dass man die Umbaumaßnahmen rechtfertigen kann.“

Im vergangenen Jahr fanden 39 Mütter mit 48 Kindern sowie 16 schwangere Frauen Zuflucht bei Ariadne. Insgesamt beherbergt die Diakonie in der Notschlafstelle durchschnittlich 300 wohnungslose Frauen im Jahr. Ziel der Hilfe ist es, dass sie später selbstständig zurechtkommen.