Erhellend, doch nicht immer neutral

Monheim..  In Monheim leben Menschen aus 106 Nationen. Der höchste Punkt im Stadtgebiet ist der Monberg. Bei der Bevölkerungsdichte gehört die Rheingemeinde zu den Top 15 aller 397 Kommunen in NRW. Das sind nur drei der vielen Erkenntnisse, die der neue statistische Jahresbericht aus dem Rathaus liefert. Unter dem Titel „Zahlen – Daten – Fakten: 2013“ finden sich auf 48 Seiten Grafiken, Tabellen und kurze Texte über Geografie, Bevölkerung, Arbeitsmarkt und die Bereiche Wirtschaft, Bildung und Soziales sowie eine Jahres-Chronik.

Zusammengestellt wurde das Zahlenwerk unter der Verantwortung des Verwaltungsbereichs Stadtplanung und Bauaufsicht. Manches, was die Diagramme veranschaulichen, ist wenig überraschend. So gibt es mehr alte Monheimerinnen, als alte Monheimer. Das entspricht der allgemein unterschiedlichen Lebenserwartung von Frauen (83 Jahre) und Männern (78). Eher erstaunt vielleicht der recht frühe Zeitpunkt, an dem die Frauenkurve deutlich von der Männerkurve abzuweichen beginnt: nicht etwa erst bei den Hochbetagten, sondern bereits ab Ü 60.

Beim Geburtsjahrgang 2013 ist es umgekehrt: Auf jedes neugeborene Mädchen entfielen in Monheim rechnerisch fast anderthalb Jungen. Sexualproportion nennt man diesen Wert (2013: 145,99). 2010 (92,04) und 2011 (92,90) gab es mehr neugeborene Mädchen als Jungen, 2009 (134,84) und 2012 (110,46) mehr Jungen. Die große Schwankungsbreite erklärt sich laut Bericht aus der kleinen territorialen Bezugseinheit. Global beträgt die Sexualproportion bei Neugeborenen etwa 105 – der Durchschnittswert in den meisten Ländern der Welt.

Deutliche größere Auswirkungen als das Geschlechterverhältnis wird die Gesamtzahl der Geburten auf das künftige Monheim haben. 2013 lag die Zahl der Kinder pro Frau im gebärfähigen Alter (15 bis 49) bei 1,42 – deutlich unter dem Bestandserhalt-Wert von 2,1. Diesen fast erreicht haben die Monheimerinnen mit fremdem Pass (2,0). Dagegen liegt die Geburtenrate bei den deutschen Monheimerinnen bei 1,37. Besonders bis zum 26. Lebensjahr ist sie um ein Mehrfaches geringer als die der nicht-eingebürgerten Monheimerinnen mit Migrationshintergrund. Im Klartext: Monheims Bevölkerung wird älter und multikultureller und ist, um nicht zu schrumpfen, auf einen Überhang an Zuzügen angewiesen. Von den 43 000 Monheimern besitzen 12 Prozent nicht die deutsche Staatsangehörigkeit – „nur 12 Prozent“, wie die Rathaus-Statistiker die Grafik überschreiben. So, wie sie sich die Freiheit nehmen, bestimmte Diagramme zu interpretieren, so beeinflusst auch ihre Daten-Auswahl das Monheim-Bild, das der Bericht vermittelt.

„Wussten Sie schon, dass . . . sich das Gewerbesteueraufkommen seit 2009 mehr als verzehnfacht hat?“ steht über einem Balkendiagramm mit dem eindrucksvollen Wachstum von 19,5 auf mehr als 250 Millionen Euro. Nicht aufgeführt ist die negative Entwicklung beim Einkommensteuer-Anteil, auf die Manfred Poell, Gegenkandidat von Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) und Fraktionschef der Grünen im Rat, bei seiner letzten Haushaltsrede hinwies: Wenn sich ausgerechnet diejenige Steuer, die das Einkommen der Bürger widerspiegelt, in einer finanziell bestens aufgestellten Kommune schlechter entwickele als im Landesdurchschnitt, dann „stimmt etwas nicht“, sagte Poell.

Insofern gilt in Anlehnung an Churchills berühmte Worte auch für dieses Zahlenwerk: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst zusammengestellt hast!

Dennoch: Auch wenn der Jahresbericht kein ganz ungeschminktes Bild von Monheim malt – erhellend ist er allemal.