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Konzert

Endstation Luftblase

08.02.2008 | 17:55 Uhr

The Busters stellten am Donnerstag im Zakk ihr neus Album vor.

Die schunkelnden ersten Sekunden scheinen noch wie ein ausgelaugter Nachhall zum Karneval, aber lange halten es The Busters aus Wiesloch nicht aus. Dann wechselt der Rhythmus in den hektischen Schluckauf, der Anfang der Sechziger aus Jamaika kam und sich Ska nannte, ein beschleunigter Verwandter des Calypso.

Wiederbelebt wurde der Sound ausgerechnet in der grauen englischen Industriestadt Coventry, wo die Specials 1978 ihr 2-Tone-Label gründeten. Ein Gegenentwurf zum rotzigen weißen Punkrock, der trotzdem so gut in die Zeit passte. Nicht umsonst trugen auch die Fehlfarben eine Zeitlang Anzüge und lustige Hüte und brachten eine Ska-Single heraus.

Keine sozialenThemen

Die Busters spielen seit nun einundzwanzig Jahren diesen Stil, aber in all dieser Zeit hat sich die Musik zur allseits beliebten Partyunterhaltung gewandelt. Hatten die Specials und auch Madness sich noch sozialen Themen zugewandt, sind die Busters heute in einer hübschen Luftblase gelandet, singen von „Doctor Love” und haben auch Pink Floyds „Wish You Were Here” zu zackiger Hektik umfrisiert.

Das Dutzend Musiker, das auf der Bühne steht, hat allerdings den Bonus eines hervorragenden Bläserquartetts, das sich auch Farin Urlaub gerne mal ausleiht. Die vier Herren veredeln auch die schwächeren Stücke und üben sich im Auf-der-Stelle-Laufen, wenn sie nicht gerade spielen müssen. Die Sänger-Position ist gleich doppelt besetzt, Richard Tabor hat punkigen Charme, während Ron Marsman sich eher cool gibt, für den Pseudo-Irokesen aber stilistische Minuspunkte bekommt. Unangenehm sind auch die Orgelsoli, die an vergangene Prog-Rock-Stile erinnern.

Fast zwei Stunden unterhalten die Busters ihre Fans und ziehen sie nach verhaltenem Beginn durch ihre immer noch präsente Spiellaune in den Bann. Und doch sucht man zwischen all den Stücken zumeist vergeblich nach denen, die sich einprägen, die Kompositionen sind mehr oder weniger gelungene Imitationen englischer Vorbilder, die Texte sind teilweise in äußerst begrenztem Englisch verfasst und bieten wenig mehr außer Leerformeln und Klischees. Da hinterlässt das nostalgisch swingende Instrumental „Hitime” noch am meisten Eindruck. „Double Penetration” verspricht das aktuelle Album frech, aber tief beeindrucken können die Busters eher nicht, und so bleibt auch die Frage unbeantwortet, ob sie am Ende „Enjoy Yourself” von den Specials gespielt haben, wie es die Set List versprach. Und wenn, kam die Aufforderung viel zu spät.

Thomas Hag

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Kommentare
21.02.2008
20:14
Endstation Luftblase
von Jan Lustiger | #2

Einen weiteren Minuspunkt handelt sich der Autor ein, indem er nicht einmal die von ihm gepriesenen Specials ausreichend studiert hat. Sonst wüsste er, dass diese Enjoy yourself ebenso wie die Busters nur gecovert haben, das Original ist von Prince Buster.

18.02.2008
20:33
Endstation Luftblase
von Florian Surek | #1

Schade, da hat der Autor nicht aufgepasst. Natürlich geht es bei den Busters auch um die Party an sich, wer sich die Texte zu Gemüte führt, wird oft sehr feine Anspielungen auch auf aktuelle gesellschaftliche Debatten finden. Spätestens aber bei dem Lied Talk, das von Offenheit und Toleranz handelt, hätte das auch der Berichterstatter bemerken müssen.
Dieser hat aber das Konzert ja anscheinend verfrüht verlassen, wie er selbst einräumt. Dumm nur, dass er deshalb den Artikel mit Halbwissen ausfüllen muss, das bei näherem Hinsehen wie eine Luftblase zerplatzt. So war etwa der 2Tone-Ska keineswegs ein Gegenentwurf zum Punk, sondern wurde von diesem mit geprägt. Dies sieht man nicht nur an der starken Vereinfachung der Instrumentierung gegenüber dem jamaikanischen Ska der 1960er Jahre, auch standen The Specials desöfteren mit The Clash auf einer Bühne. Doch auf solche musikhistorisch wichtigen Details geht der Artikelschreiber nicht ein und kritisiert stattdessen viel lieber die Frisur eines der Sänger.

Heraus kommt daher leider ein journalistisch nur mäßig recherchierter Text, der es dem Leser eher schwer macht, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

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