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Einspruch eingelegt

27.05.2008 | 18:46 Uhr

WIRTSCHAFT. Die Betriebe im Hafen wehren sich weiterhin gegen die Wohnungsbaupläne der Stadt.

HAFEN. Es geht um 500 Wohnungen an der Kesselstraße. "Das sind rund 2,8 Prozent des Wohnungsbaus, der in der Stadt möglich ist. Und dafür die Existenz von Unternehmen aufs Spiel setzen?", kritisiert Vera Jablonowski, bei der Handelskammer (IHK) Spezialistin für den Hafen. Für die vier Bebauungspläne zum Hafen lief gestern die gesetzlich vorgeschriebene Frist für Einwendungen ab. Die meisten der 38 Firmen, die zum Verein der Hafenwirtschaft gehören, haben ihre seit langem geäußerte Kritik gestern schriftlich bei der Stadt eingereicht, sagt Ernst Lamers, Vorsitzender des Hafenvereins.

Schon jetzt zu laut

Auch die IHK wird ihre Kritik, die schon 2005 und 2007 formuliert wurde, erneuern. Wie mehrfach berichtet, will die Stadt an der Kesselstraße 500 und an der Speditionstraße 200 Wohnungen als Ergänzung des Medienhafens bauen lassen. Knackpunkt beim Streit zwischen Stadtplanern und den Unternehmen: das Lärmgutachten zum Hafen. Laut Stadt sind die Betriebe im Hafen schon jetzt zu laut für die angrenzenden Stadtteile.

"Unsere Gutachter bezweifeln das, sie haben andere Berechnungen", erläutert Lamers, der auch Geschäftsführer der Fortin-Mühlenwerke im Hafen ist, die Einsprüche der Unternehmen. Lamers: "Wir haben immer deutlich gesagt, dass wir alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen werden." Heißt: Auch die Klage bei Gericht.

Die Kritiker sehen in den städtischen Plänen die eindeutige Absicht der Stadt, die Unternehmen bis zum Auslaufen der Pachtverträge für die Mühlen, spätestens also bis zum Jahr 2035, aus dem Hafen zu drängen. Ein solcher Zeitraum biete den Unternehmen keinen Anreiz für Investitionen, hat auch Lamers immer wieder kritisiert.

Speditionen wie Mosolf, die gegenüber der Kesselstraße den Sprinter rund um die Uhr verschifft, hätten nach einem Wohnungsbau wegen des nächtlichen Lärms gar keine Chancen mehr. Kann sich die Hafenwirtschaft nicht weiter ausdehnen, obwohl immer mehr Waren per Schiff ankommen, bleibe den Firmen nur, in andere Städte umzuziehen.

JO ACHIM GESCHKE

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Kommentare
29.05.2008
14:45
Einspruch eingelegt
von , Kein | #1

Die Umstrukturierung des Hafens zum Büro- und nun auch Wohnstandort ist kein Selbstzweck. Vielmehr ist die Hafenumnutzung in den meisten Fällen aus der Not geboren. Hafenbrachen drohen nun aber gar nicht in Düsseldorf. Da darf das Verwertungsinteresse an dieser zweifellos für hochwertige Wohnungen attraktiven Waterfront nicht über das Nutzungsinteresse des Hafens als Schnittstelle zwischen den Verkehrsträgern gestellt werden. Wo Speditionen und das verarbeitende Gewerbe selbst Chancen sehen, sollten sie im Interesse der Arbeitsplätze für alle Bevölkerungsteile Unterstützung von Seiten der Stadt erfahren. Erst recht, wenn Betriebe außerhalb des Hafens mittelbar betroffen sind, wie das Sprinter-Werk von Daimler. Bei einer sicheren Perspektive ließe sich garantiert auch über Investitionen in Lärmvermeidung und -schutz eine Einigung finden.

Dennoch ist die im Artikel zitierte Verniedlichung der Bedeutung der Kesselstraße für den Wohnungsbau in der Stadt nicht lauter. Der Anteil am potenziellen Wohnungsbau mag ja korrekt berechnet sein, aber gerechter wäre es schon, die Zahl der geplanten Wohnungen im Hafen mit den tatsächlichen Fertigstellungszahlen ins Verhältnis zu setzen. Und da stellt sich heraus, dass die anvisierte Zahl von 500 Wohnungen ziemlich genau dem entspricht, was in Düsseldorf im ersten Dreivierteljahr 2007 insgesamt an Wohnungen gebaut wurde. Es geht hier also durchaus um etwas.

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