Einseifen in der Eissporthalle

Einseif-Party zum Ende der diesjährigen Eislauf-Saison in Benrath: Die Halle ist jetzt geschlossen, macht erst im September wieder auf. Doch für wie lange dann, so die bange Frage.
Einseif-Party zum Ende der diesjährigen Eislauf-Saison in Benrath: Die Halle ist jetzt geschlossen, macht erst im September wieder auf. Doch für wie lange dann, so die bange Frage.
Foto: Dirk Neubauer
Gegen alle Schließungsabsichten steht ein Versprechen des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel: Bis zur Saison 2017/18 soll die Benrather Eissporthalle geöffnet bleiben. Sie muss von Grundauf saniert werden.

Düsseldorf..  Saisonschluss. Die Eismaschinen sind abgestellt. Die Party ist vorbei. Rund 800 Jugendliche haben sich am vergangenen Samstag lautstark von ihrer Eissporthalle mit den beiden Pinguinen verabschiedet. Ein vorerst letztes Mal wummerte Diskomusik. Eine Schaumkanone blies großzügig Seifenblasen auf alle Umstehenden. Ein Riesenspaß für alle Beteiligten – mit einem Hauch von Wehmut.

Gegen 21 Uhr legte Hallenchef Wolfgang Otto die Schalter um. Auch für ihn mehr als nur das einfache Ende der Eiszeit. Der 74-Jährige verlässt Ende Juni seinen Posten. Ohnehin war er per dringendem Hilferuf aus dem Ruhestand dorthin zurückgeholt worden. In den vergangenen Jahren ist es Otto und den acht Mitarbeitern gelungen, die Halle wieder zu stabilisieren; Besucher zurückzugewinnen.

Wer nun Nachfolger werden soll, ist ungewiss. Lediglich zur Lebensdauer der Halle gibt es ein wenig mehr Klarheit. Bis zur Saison 2017/18 ist ihr Betrieb gesichert, versprach Oberbürgermeister Thomas Geisel. Und stellte sich damit gegen die Stadt-Sparkasse Düsseldorf, die die 36 Jahre alte Halle am liebsten sofort geschlossen hätte.

Geschenk der Stadtsparkasse

Im Jahr 1975 waren die Beziehungen zwischen Stadt und Stadt-Sparkasse weniger frostig. Zum 150-jährigen Jubiläum schenkte Sparkasse der Stadt die komplette Eissporthalle an der Paulsmühlenstraße. Als Nebeneffekt durfte der damalige CDU-Kandidat Josef Kürten die Eisblume schmückend ans Revers heften. Er wurde Oberbürgermeister.

Seither ist die Halle sehr beliebt. Zahlreiche Jahrgänge der Düsseldorfer Grundschulen lernten hier das Schlittschuhlaufen. Vor Weihnachten feiern manche Unternehmen mit ihren Belegschaften hier bei Eisstückschießen und Glühwein den Jahresabschluss. Dennoch war und ist der energie-intensive Hallenbetrieb ein Zuschussgeschäft, getragen aus den Mitteln einer Stiftung, deren Gelder sich langsam aufbrauchen. Im März ließ die bürgermüde Stadt-Sparkasse Düsseldorf einen Versuchsballon steigen. Vor der entscheidenden Kuratoriumssitzung der Stiftung gerieten Zahlen über den Sanierungsbedarf der Eissporthalle in Umlauf. Zwischen fünf und sechs Millionen Euro müssten in die Halle gesteckt werden, um sie für die nächste Saison fit zu machen. Ganz offenbar war dieser Betrag bewusst großzügig bemessen, um abzuschrecken. Momentan gegen die Hallenmitarbeiter von Reparaturkosten im sechsstelligen Bereich aus. Genaues werde man Ende dieser Woche sehen, wenn die Eisfläche restlos abgetaut ist.

Eine furchtbare Energieschleuder

Die Betriebszusage bis 2017/18 erfreut Nutzer. Sie löst aber nicht die grundsätzlichen Probleme dieser Benrather Institution. Mit nüchternem Ingenieursblick betrachtet, ist die völlig ungedämmte Eissporthalle eine furchtbare Energieschleuder. Im Frühjahr und Sommer ruht dort der Betrieb komplett. Die Eisanlagen sind veraltet, Ersatzteile immer schwerer zu bekommen. Der einstige Sportamtsleiter und heutige Vize-Vorsitzende der für Benrath zuständigen Bezirksvertretung 09, Udo Skalnik, hatte bereits vor einigen Jahren die Aufgabe, Zukunftspläne für die Halle zu machen. Er schlug vor, den Schul-Eissport ins alte Eisstadion an die Brehmstraße zu verlagern und aus der Benrather Halle eine Mehrzweck-Turnhalle zu machen. Die könnte von Vereinen und dem Albrecht-Dürer-Berufskolleg genutzt werden, das gleich nebenan entstehen soll.

Mit solchen Schließungsplänen wollten sich die Eishallen-Fans nicht anfreunden. Thomas Munda und Stephan Handke initiierten eine Online-Petition gegen die Schließung der Eishalle. Innerhalb von nur einer Woche kamen 5483 Unterschriften zusammen. So wurde der Zwischenerfolg erreicht.

Langfristig gehört eine völlig neue Technik und auch eine Dämmung in die Halle. Es müsste sich jemand auf den Weg machen, für eine Modernisierung von Grundauf Sponsoren zu suchen. Mit Vaillant sitzt ein Experte für moderne Energieerzeugung und Klimatechnik unweit der Halle – in Remscheid.

Durch die Manöver der Stadt-Sparkasse Düsseldorf jedenfalls sind die Bürger misstrauisch geworden. Sie werden auf ihre Eissporthalle an der Paulsmühlenstraße künftig noch intensiver aufpassen.