Einfach nur in Frieden leben

Langenfeld..  Ihre Heimatstadt Aleppo hatten sie schon verlassen, bevor sie im syrischen Bürgerkrieg zu großen Teilen zerstört wurde. An eine Rückkehr ist für Walid Nabo (40), Ehefrau Shirasz Seleman (40) und die vier gemeinsamen Kinder nicht zu denken. Sie sind Jesiden, die von der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Nordirak verfolgt, versklavt und ermordet werden. „Wir wollen mit unseren Kindern doch nur in Ruhe und Frieden leben“, sagt Nabo. „Langenfeld hat uns gut aufgenommen und ist jetzt unsere Heimat.“

Als anerkannte Kriegsflüchtlinge hat die Familie vor einem Jahr in der Langenfelder Innenstadt eine Dreizimmerwohnung bezogen, nachdem sie zuvor seit ihrer Ankunft 2011 im Asylbewerberheim an der Kölner Straße untergebracht war. „Wir waren froh, diese Wohnung gefunden zu haben“, sagt Gisela Kuhrig, die sich als Honorakraft in Diensten der Stadt und der Caritas um Asylbewerber kümmert. Nun sei sie auf der Suche nach einer größeren Bleibe für die Familie. Denn neben den Eltern und den Kindern Befim (15), Mehammed (11), Michael (2) und Julia (9 Monate) wohnen seit Mitte 2014 auch Nabos schwerkranker Vater und seine Mutter in der Dreizimmer-Wohnung.

Automechaniker in Aleppo

Noch lebt die Familie von staatlicher Unterstützung, doch das soll sich bald ändern. „Ich möchte so gerne wieder arbeiten und Geld verdienen“, sagt Nabo, der in Aleppo einst Automechaniker war. An vier Tagen in der Woche lernt der 40-Jährige in einem Volkshochschulkursus Deutsch, macht sich nach Angaben von Gisela Kuhrig zudem auf vielfache Weise bei der Betreuung von Asylbewerbern nützlich. „Wenn neue Leute aus Syrien kommen, dann übersetzt er und packt auch sonst immer wieder mit an.“

Die Fernsehnachrichten aus Syrien und dem Nordirak mit den Schreckensbildern von IS-Gräueltaten an den Jesiden sieht Nabo mit Trauer und Wut. „Es ist schlimm, von hier aus nicht helfen zu können.“ Er sorge sich um seinen in Aleppo schwer verletzten Bruder und sei froh, wenigstens seine geliebten Eltern über Griechenland nach Langenfeld geholt zu haben.

Die erleben jetzt mit, wie ihre Enkel hierzulande aufwachsen. Die beiden ältesten waren noch mit den Eltern aus Syrien in die Türkei geflüchtet, hatten danach in Deutschland zunächst im Auffanglager Hannover gewohnt. Befim besucht die Käthe-Kollwitz-Schule. Was sie mal beruflich machen möchte? „Auf alle Fälle etwas, bei dem ich mit Menschen zu tun habe“, sagt die 15-Jährige, „vielleicht als Sozialarbeiterin.“ Wie Mehammed, der in die Erich-Kästner-Grundschule geht und Mechaniker werden möchte („Wie mein Vater“), fühlt sie sich in ihrem Freundeskreis sehr wohl.

Die beiden jüngsten Geschwister sind in Langenfeld zur Welt gekommen. In der Wohnung erinnert wenig an die Herkunft ihrer Eltern. Bilder oder Erinnerungsstücke aus Syrien? Fehlanzeige! Als Schaustücke für den Pressefotografen halten die „Katjef“ genannten Quarktaschen und der Grieskuchen „Harisa“ her, die Shirasz Seleman gerade aus der Backröhre geholt hat.

Die munden beim gemeinsamen Besuch auch Holger Hammer aus dem städtischen Sozialreferat. Für ihn ist die Familie ein Musterbeispiel für gelungene Hilfe, zu der neben sechs Honorarkräften auch viele Ehrenamtliche beitragen; etwa bei Behördengängen, Nachhilfe oder auch Spielangeboten. „Wer in Langenfeld Fuß fassen möchte, bekommt jegliche Unterstützung.“