Eine Woche bei Wasser und Tee
16.02.2010 | 17:18 Uhr 2010-02-16T17:18:00+0100
Düsseldorf. Die Fastenzeit beginnt mit guten Vorsätzen und Verzicht. Ein Expertengespräch zum Aschermittwoch.
Na, auch über die Stränge geschlagen? Zu viel Alkohol, zu viel Völlerei, zu viel von allem? Heute ist Schluss mit Lustig, heute setzt der Aschermittwoch dem Narrentreiben einen Schlussakkord. Gleich nach der letzten Fischgräte beginnt die Fastenzeit. Immer mehr Menschen nutzen die sieben Wochen bis Ostern, um auf allzu lieb gewonnene Gewohnheiten zu verzichten: Süßigkeiten, Fernsehen, den abendlichen Wein. Manche nehmen die Fastenzeit beim Wort und verzichten ganz aufs Essen, leben ein paar Tage nur von Wasser und Tee. Über den Sinn solcher Aktionen sprach die NRZ mit zwei Experten: der Pfarrerin Corinna Clasen und dem Mediziner Dr. Martin Schwarz.
Welche Süchte bestimmen das Leben?
Sie hat's schon oft getan „und immer mit Gewinn.” Auch in diesem Jahr bietet Corinna Clasen in ihrer Kirchengemeinde in Garath wieder eine Fastenwoche an, an der sie selbst teilnimmt: Sieben Tage nur Wasser und Tee. Eine Unterbrechung des Alltags, ein bewusster Verzicht, das sei das Wichtige daran. „Das entschlackt den Körper, das reinigt den Geist.”
Vor allem geht es darum, das eigene Verhalten zu überprüfen, sich darüber klar zu werden, „welche Süchte eigentlich mein Leben bestimmen.” Die Pfarrerin gibt lachend zu, gern und oft zu naschen. Da tut es ihr gut, das süße Zeug mal zu verbannen. Außerdem aber sieht sie im Verzicht aufs Essen einen spirituellen Akt. „Viele empfinden diese Zeit als heilsame Übung, in der sie darüber nachdenken, wie sie Entscheidungen treffen oder wie sie mit ihrer Zeit umgehen.” Und stellen schnell fest, wie viel Aufwand normalerweise fürs Einkaufen, Kochen und Essen draufgeht. „In dieser Woche nutzen Sie Ihre Zeit mal anders. Oft für Ihre Mitmenschen.”
Sieht die Medizin im Fasten einen Sinn? „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass der Körper dadurch wirklich entschlackt, dass schädliche Stoffwechselprodukte beseitigt werden”, meint der Ernährungsexperte Dr. Martin Schwarz. Der Spezialist für Stoffwechselerkrankungen hat sich nach etlichen Jahren am Uni-Klinikum 2007 in Kaarst niedergelassen. Zu ihm kommen Patienten, die an ihren Lebensumständen krank geworden sind: zu viel Essen, zu wenig Bewegung.
Wer Diät macht, nimmt auch schnell wieder zu
Dieser gefährliche Mix führt nicht nur zu Übergewicht, das 66 Prozent aller Männer und 51 Prozent aller Frauen mit sich herumschleppen, „sondern macht auch krank.” Die Folgen: Herz-Kreislaufbeschwerden, Diabetes, Bluthochdruck, Gelenkerkrankungen, manchmal sogar Krebs.
Sein Rat: „Nutzen Sie die Fastenzeit, um sich auf eine neue Lebensweise zu besinnen.” Bei gesunden Menschen sei auch nichts gegen eine Fastenwoche einzuwenden (nach Absprache mit dem Hausarzt), als Behandlung von Übergewichtigen, zu denen heute auch 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zählen, „eignen sich Fastenkuren nicht.” Und Diäten? „Wer bei einer Diät zehn Kilo abnimmt und danach normal weiter isst, wird wieder zunehmen.” Schwarz beschreibt eine Spirale, aus der viele nicht mehr rauskommen. Gemeint ist der bekannte Jojo-Effekt: Mal purzeln die Pfunde, mal werden sie wieder angefuttert.
Eine Fastenwoche könnte ein guter Einstieg sein, seine Gewohnheiten zu ändern. Ansonsten rät er zu: weniger Fleisch, mehr Fisch, viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Oliven- und Rapsöl. „Kurzum: Essen wie am Mittelmeer. Und ein Glas Rotwein am Tag ist auch gut für die Gesundheit.”
Für alle, die ein paar Kilo zu viel auf die Waage bringen, hat er einen Trost parat: „Studien haben bewiesen, dass im fortgeschrittenen Alter ein leichtes Übergewicht durchaus gesünder ist. Hauptsache: Man hält sich fit.” Außerdem müsse man akzeptieren, dass es nun mal gute Futterverwerter gibt, bei denen sich ein Stück Torte nicht gleich in Hüftgold verwandelt.
Bei anderen schon. Der Fachmann rechnet vor, dass in einem Stück Zucker 20 Kalorien stecken. Jeden Tag ein Würfel Zucker über die erforderliche Kalorienmenge hinaus, das ergibt in zehn Jahren zehn Kilo Gewicht mehr. Rein rechnerisch. Das mag eine Erklärung für alle sein, die immer meinen, gar nicht viel zu essen und die trotzdem zunehmen. Vielleicht steckt der Teufel wie immer im Detail: in einem Stück Zucker.
10:00
Gesunde ausgeglichene Ernährung ist das einzig wahre. Fasten ist leider nicht so gut für den Körper wie es hier dargestellt wird. Chronisch Kranke können sich damit sogar gefährden und ihren Immunstatus verschlechtern.
09:37
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19:53
Ich faste am liebsten bei Schnitzel und Pommes ;-)
18:02
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