Eine Torte aus Fisch zum Geburtstag
22.11.2011 | 18:47 Uhr 2011-11-22T18:47:00+0100
Düsseldorf.Hätte Nemo eine dieser Comic-Denkblasen über dem Kopf, stünde darin wohl schlicht: „Fisch!“. Denn vom Trubel um ihn herum im Vortragssaal des Aquazoos scheint der kleine Fischotter kaum etwas mitzubekommen
. Er hat nur die Torte im Blick – Fischtorte – ein Geschenk zu seinem sechsten Geburtstag. 2005 erblickte der Kurzkrallenotter das Licht der Welt in Düsseldorf, Aquazoo-Direktor Wolfgang Gettmann zog ihn von Hand auf, weil die überforderte Ottermutter zu viele Junge hatte.
300 Facebook-Freunde
Seitdem wohnt Nemo bei Gettmann und seiner Familie, ist immer mit dabei, fährt sogar mit in den Familienurlaub. Zusammen mit Artgenossen könnte er nun nicht mehr leben, erklärt der Zoo-Chef. „Dafür ist er zu sehr auf Menschen fixiert“. Inzwischen hat sich das Tier zu einem Publikumsliebling entwickelt, war zu Gast im Fernsehen – von Elstner bis Jauch – und auf Facebook wird das Tier als „Person des öffentlichen Lebens“ geführt; über 300 Freunde aus dem In- und Ausland hat der Otter hier. Und dann die vielen Menschen, die gestern zu seiner Geburtstagsparty angereist sind, manche sogar aus den Niederlanden und aus Frankreich. Zu viel Stress für ein Wildtier? „Der Otter ist ja von klein auf an Menschen gewöhnt“, sagt Gettmann. In der Tat: Nemo macht einen völlig entspannten Eindruck und treibt, was ihm so gerade in den Sinn kommt: auf Stühle springen, quietschend neuen Fisch fordern, in Besucher-Handtaschen klettern oder rumtoben mit Balu, dem Hovawart-Welpen.
Nemo-Tattoo auf der Wade
Nachdem Gettmanns Schäferhündin Leika vor knapp zwei Wochen gestorben ist, ist der neue Familienhund Balu jetzt Nemos neuer Spielgefährte. „Manchmal glaube ich, Nemo hält sich selbst für einen Hund“, sagt Gettmann lachend. Wenngleich der Alltag mit Nemo sich etwas aufwendiger gestaltet: Alle drei Stunden muss das quirlige Pelztierchen gefüttert werden und regelmäßig braucht Nemo Schwimmeinheiten. „Beim Spazierengehen hüpft er dann in die Itter“, erzählt Gettmann, der in Hilden wohnt.
Wenn er und seine Familie mal keine Zeit für Nemo haben, gibt es immer noch Vera Flüge, Anja Halfmann und Heidy Davis. Die drei sind ehrenamtliche Otter-Sitterinnen – und alle vernarrt in den kleinen Fischfresser. Bei Heidy Davis geht die Liebe gar so weit, dass sie sich jüngst Nemos Konterfei auf die Wade hat tätowieren lassen.
Bei aller Niedlichkeit – oder deswegen – erfüllt ein so prominenter Otter auch den ein oder anderen eher sachlichen Zweck. So ist er „Botschafter „der internationalen Otterschutzorganisation IOSF. „Viele Arten sind vom Aussterben bedroht“, so Gettmann. Dem Artenschutz kommt die Publicity des Einzelexemplars zugute. Und dem Zoo: Inzwischen können spezielle Otter-Besuche gebucht werden, 30 Euro kostet die Sonderführung, inklusive Spaziergang mit dem Star persönlich.
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