Eine Schneise der Verwüstung
28.07.2010 | 18:27 Uhr 2010-07-28T18:27:00+0200
Düsseldorf.Nur eine knappe halbe Stunde tobte vor gut zwei Wochen ein Orkan mit 120 Stundenkilometern über Düsseldorf; die Schäden aber sind trotz intensiver Arbeiten noch längst nicht alle beseitigt.
Diesmal wurden die linksrheinischen Gebiete besonders gerüttelt, in Lörick fegte eine Windhose in wenigen Minuten eine Schneise vom oberen Deich bis zum Rheinufer. Fazit: Allein hier wurden 32 der fast 100-jährigen Pappeln entwurzelt oder zumindest stark beschädigt.
Enorme Kräfte
„Das sah hier fast so dramatisch aus wie in Florida nach dem letzten Wirbelsturm“, meinte eine Anwohnerin, die gestern staunenden Verwandten aus Bremen die Überreste des Orkans in den Rheinwiesen zeigte: mächtige Wurzeln der umgekippten Bäume, die nun über drei Meter hoch aus dem Erdboden ragen.
„Es kann noch eine Weile dauern, bis diese Wurzeln abtransportiert werden“, erklärt Silke Lürken vom Gartenamt. Andere Arbeiten seien zurzeit vorrangig: „Alle 60 Bäume zwischen Theodor-Heuss-Brücke und Oberkasseler Brücke müssen überprüft werden, ob im Geäst vielleicht noch loses Trockenholz hängt, das runter fallen könnte.“ Routinearbeit nach jedem Sturm. Denn ein Grundsatz der Fachleute lautet: „Was hängt, bedeutet Gefahr.“
Gewitter und Stürme setzen der Natur im Sommer besonders zu. „Durch das viele Laub, hat der Wind mehr Angriffsfläche“, erläutert Silke Lürken. Außerdem: Durch die lange Hitzeperiode müssen Bäume enorme Kräfte entwickeln, um auch die Kronen mit Wasser zu versorgen. „Das Holz steht unter extremer Spannung.“ Deshalb würden bei Sommerstürmen viel mehr Äste brechen, als bei Winterwinden.
Welche Folgen der Orkan vor zweieinhalb Wochen hatte, ist am oberen und unteren Löricker Deich noch gut zu sehen. An beiden Standorten waren die Baumkronen vieler Pappeln nahezu komplett vernichtet, die Reste mussten aus Sicherheitsgründen beschnitten werden. Mit unterschiedlichen Konsequenzen: Am unteren Deich entschloss sich das Gartenamt, daraufhin acht Bäume komplett zu fällen. Dort sollen so bald wie möglich junge Eschen gepflanzt werden. „Am oberen Deich darf aus Gründen des Deichschutzes nicht mehr gepflanzt werden“, meint Silke Lürken. Deshalb bleiben die kahlen Pappeln dort stehen. „Jetzt sehen sie aus wie zerfranste Besenstiele, aber sie werden wieder Blätter treiben.“ Allerdings sei ihre Lebenszeit nun begrenzt, „weil nach dem Schnitt Pilze in die Stämme dringen.“
Von unvorhersehbaren Stürmen abgesehen seien die Pappeln in den linksrheinischen Rheinwiesen aber in gutem Zustand. „Das sind gesunde Bäume.“ Überhaupt seien Pappen, entgegen der landläufigen Meinung, nicht besonders anfällig.
Wann die jungen Eschen als Ersatz gepflanzt werden, steht noch nicht fest. Erst mal müssen nun die mächtigen Baumstümpfe ausgegraben und abtransportiert werden. Bis der Nachwuchs allerdings auch nur annähernd die alten Pappeln ersetzt, werden Jahrzehnte vergehen. Ein solcher Baum braucht fast 50 Jahre, bis er ausgewachsen ist. „Das werde ich wohl kaum erleben“, meint die Anwohnerin, die noch ein Foto macht von ihren Bremer Verwandten vor den kümmerlichen Resten, die von ihren einstigen Lieblingsbäumen geblieben sind.
0mitdiskutieren