Eine schier unendliche Geschichte

Der Neubau des Albrecht-Dürer-Kollegs wird sich weiter verzögern. Zum einen lässt OB Thomas Geisel noch einmal prüfen, ob das zuletzt verworfene Gelände auf der Thyssen-Krupp-Brache in Benrath nicht doch als Standort in Frage kommt. „Er hat Sympathien für diesen Standort“, sagt sein Sprecher Dieter Schneider-Bichel. Damit geht der Rathauschef zur Ansage seines Vorgängers, das Kolleg an der Völklinger Straße nahe der Handwerkskammer zu errichten, auf Distanz. Zum anderen soll die künftige Schulbau-Firma zunächst einmal Erfahrungen sammeln, bevor sie sich möglicherweise an einem 70 Millionen-Euro-Projekt verhebt. „Ich halte das für klug, auch wenn sich der Baubeginn erneut verschiebt“, sagt der Vorsitzende des Schulausschusses Wolfgang Scheffler (Grüne).

Die wichtigsten Punkte der Debatte im Überblick: Ausgangslage Teile des Kollegs am Fürstenwall sind rund 100 Jahre alt. Immer wieder werden Teile der Fassade eingerüstet, weil sich Steine lösen und auf die Straße fallen können. Fachräume verfügen über eine veraltete Ausstattung. Zudem werden Schüler aus Platzmangel in Dependancen in Heerdt und Unterbilk unterrichtet. Dabei ist das Kolleg einer der wichtigsten Berufsschulen der Stadt. Ausgebildet werden unter anderem Bauzeichner, Betonbauer, Schornsteinfeger, Mediengestalter, Augenoptiker, Zahntechniker, Köche, Hotelfachleute und Maler.

Zu Beginn der Neubaupläne vor etwa einem Jahrzehnt galt die Völklinger Straße als Favorit, auch wegen möglicher Synergien mit der Handwerkskammer. Doch dann rückte die damalige schwarz-gelbe Mehrheit davon ab. Plötzlich schien das ehemalige Thyssen-Krupp-Gelände an der Paulsmühlenstraße interessanter. Doch als ein Bodengutachten mögliche Altlasten auflistete, war diese Option vom Tisch. Bei seiner Nominierung zum Spitzenkandidaten brachte Dirk Elbers 2013 den bis dahin nicht genannten IHZ-Park in Oberbilk ins Spiel. Eine Eintagsfliege. Bereits wenig später schwenkte der Christdemokrat um und nannte erneut die Völklinger Straße. Und jetzt die nochmalige Rolle rückwärts: Geisel will die Altlasten in Benrath neu bewerten lassen. Das frühere Gutachten ist ihm offenbar zu ungenau.

Die Argumente Aus Sicht von Schneider-Bichel und Scheffler stärken bis zu 6000 zusätzliche Schüler (und Pendler) die Chancen auf einen Haltepunkt des Schnellzuges RRX in Benrath. Dagegen seien die Synergien mit der Handwerkskammer nicht so deutlich. Außerdem sei die Anbindung der Völklinger Straße an den Hauptbahnhof mäßig. Dagegen spricht die Bundestagsabgeordnete und frühere Schulexpertin Sylvia Pantel von einen unzumutbaren Umgang mit Lehrern und Schülern. Die Zeitschiene Ellen Ahn, Vize-Leiterin des Kollegs, hatte vor drei Jahren noch gehofft, „von 2016 an in einem Neubau unterrichten zu können“. Auch Elbers gab sich 2013 optimistisch: Das neue Kolleg könne 2017 fertig sein. „2018 wäre mir zu spät“, sagte er. Und jetzt? Schneider-Bichel ist vorsichtig. Eine Vorlage soll bald in den Rat kommen. „Baugebinn könnte dann 2017 sein.“