Eine neue Form der Privatbank

Lörock..  Die Senioren des Wohnstifts „Haus Lörick“ schätzen die fußläufige Verbindung von ihren Wohnungen zum Paradieshafen und weiter zum Rheinufer. Auch für den ehemaligen Kantor der St. Antonius-Kirchengemeinde, Paul Hilberath, der mit seinen Schwestern im Wohnstift lebt, ist das ein beliebter Spazierweg. Inzwischen 87 Jahre alt, hängt es von seiner Kondition ab, ob der Spazierweg mal länger oder kürzer ausfällt. Auf jeden Fall ist er dankbar, wenn er auf dem Weg zur Rheinaue eine Bank vorfindet, auf der er mal kurz verschnaufen kann. So entdeckte er an einem sonnigen Tag hocherfreut drei Bänke einer nagelneuen Sitzgruppe vor dem „Jan-Schmitz-Haus“ der DLRG auf dem Deich und ließ sich dort frohen Mutes nieder.

Das Glück währte nicht lange, denn ein Mitarbeiter der DLRG erschien und forderte den Senior auf, unverzüglich die Bank zu räumen, weil es sich um Privatbesitz handele. Hilberath: „Er sagte mir, dass diese drei Bänke nicht besessen werden dürften, weil sie nicht öffentlich seien. Ich hielt das für einen Scherz.“ Als er aber auf seine Frage, woran das zu erkennen sei, eine unwirsche Antwort bekam, habe er gemerkt, dass das ernst gemeint war. „Es ist mir unbegreiflich, dass eine Privatbank, nicht mal für ein paar Minuten zu einer für alte Menschen nötigen Ruhepause genutzt werden darf.“ Zumal alle drei Bänke frei gewesen seien.

Der gebürtige Oberkasseler läuft je nach Tagesform eine Strecke von bis zu fünf Kilometern. Jahrzehntelang sei er einst mit dem Fahrrad von Oberkassel bis zur Fähre Langst-Kaiserswerth gefahren. „Ich habe auf diesen 20 Kilometern noch keine Bank gefunden, die nur privat besessen werden durfte.“ Regelmäßig bekomme er von er DLRG Not- und Bittbriefe. „Selbstverständlich werde ich sofort die gelegentlichen Spenden einstellen“, sagt der Senior erbost

Axel Warten, Vizepräsident der DLRG, bestätigt zwar, dass die nach den Orkanschäden von Ela neu gestaltete Sitzgruppe tatsächlich auf Privatgrund stehe. „Sie ist für die Teilnehmer von Seminaren gedacht, die im Haus abgehalten werden. Aber – wenn dort Spaziergänger ein Verschnaufpäuschen einlegen wollen, so sind sie herzlich willkommen“, versichert Warden. Bei Paul Hilberath, den er natürlich gut kenne, werde er sich entschuldigen.