Eine Nacht im Beidenbacher

Was wir bereits wissen
Was hat das Luxushotel an der Düsseldorfer Königsallee zu bieten? NRZ-Mitarbeiter Christian Stahl machte den Test.

Düsseldorf..  Eine Nacht im Breidenbacher Hof. Bislang hatte ich die pompöse Fassade des wohl berühmtesten Düsseldorfer Hotels stets nur von außen gesehen. Die herausgeputzten Pagen, die Nobelkarossen und die Herren und Damen mit ihren Kleidern und maßgeschneiderten Anzügen. Was sich hinter der großen Drehtür des Gebäudes wohl verbirgt? Davon hatte ich nicht die leiseste Ahnung. Nun aber ergab sich die Chance, eine Nacht in dem Hotel zu verbringen, in dem einst Udo Lindenberg als Liftboy und Page arbeitete. Dem Hotel, in dem schon Stars und Sternchen aus aller Welt während ihres Aufenthalts in Düsseldorf übernachteten. Mit fertig gepackter Tasche und der Gewissheit gleich eine Nacht im Gegenwert eines halben Monatslohns zu verbringen, machte ich mich auf den Weg Richtung Königsallee.

Hinzu kam die leise Ungewissheit, ob ich mich in so einem Hotel überhaupt wohlfühlen würde. Diese Zweifel erübrigten sich mit dem Gang durch die pompöse Drehtür am Eingang schlagartig. Unmittelbar nach dem Eingang erstreckte sich auf meiner rechten Seite die berühmte schwarze Marmortreppe mit ihrem goldenen Geländer, die ich schon auf vielen Fotografien gesehen hatte. Gleich am Eingang wurde ich herzlich begrüßt und in den Living-Room geführt wo sich weitere Mitarbeiter des Breidenbacher Hofs vorstellten und das erste Eis brachen. Diese Art der Begrüßung und Kommunikation ist einzigartig im Breidenbacher und einer der Gründe dafür, dass viele Gäste auch über Jahre immer wiederkommen und das Hotel als „zweites zu Hause“ bezeichnen.

Denn der Gast wird nicht anonym abgefertigt wie es in so vielen großen Hotelketten der Fall ist. Eine Assistentin begleitete mich in mein Zimmer, das vor allem eines war: Extrem gemütlich und mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet, die man sich nur wünschen kann. Vor meinen Augen erstreckte sich neben einem King-Size Bett, eine Couchecke, ein Arbeitsbereich samt wunderschönem Ausblick auf Kö, Rheinbrücke und Lambertuskirche.

Das Badezimmer wartete mit riesiger Badewanne und Regendusche aus. Nach ausgiebigem Probeliegen auf dem Bett und mehrfachen Testläufen der automatischen Vorhänge , erkundete ich das Hotel. Im Untergeschoss erstreckt sich der SPA-Bereich mit einem kleinen aber sehr gepflegten Fitnessstudio, Pool und zwei verschiedenen Saunen. Auf den gemütlichen Liegen rund um den Pool kann am Abend entspannt oder in den frühen Morgenstunden, ab sieben Uhr in den Tag gestartet werden.

Ich entschied mich für die Abendvariante mit einem Sprung ins wohltemperierte Nass und überlegte mir wie ein Daueraufenthalt im Breidenbacher wohl zu finanzieren wäre. Wer gerne unterhalten werden möchte, den zieht es in das erste Stockwerk des Hotels. Hier befindet sich zwischen dem Restaurant des Hauses, der Brasserie „1806“ und der „-Capella Bar&Cigar Lounge“ die „Lobby Lounge“. Hier kann am Nachmittag bei Piano-Musik Tee getrunken und das ein oder andere Stück Torte verputzt werden. Gleich nebenan gibt’s in der Capella Bar preisgekrönte Drinks in absolut einzigartiger Atmosphäre. Hier sind auch Nicht-Hotelgäste ausdrücklich willkommen - also keine Schwellenangst! Der Bar-Chef ist Whiskey Experte. Den Cosmopolitan gibt’s für 14 Euro, sicherlich kein Schnäppchen aber in jedem Fall einen Besuch wert.

Um einen Blick auf die anderen Gäste im Hotel zu erhaschen, zog es mich vor dem zu Bett gehen in die Living-Lounge. An diesem Abend war allerdings nicht viel los. Teile des Hotel-Personals saßen an einem Tisch in der Ecke des Raumes, in regelmäßigen Abständen bahnte sich ein Geschäftsmann schnellen Schrittes den Weg durch die Lobby. Zu erspähen gab es hier also nicht allzu viel.

Zurück also ins Zimmer, rein in den Bademantel und ab in’s Bett, fünf Minuten später aber wieder raus bei dem Gedanken an die noch ungenutzte Badewanne. Wer würde schon so eine Gelegenheit liegen lassen?! Als der Tag im Breidenbacher schließlich doch ein Ende nahm schossen mir die verschiedensten Gedanken durch den Kopf.

Werde ich mir so etwas jemals wieder leisten können? Und ist es überhaupt nötig und vertretbar sich einem dermaßen großen Luxus hinzugeben? Nötig, so viel kann ich wohl mit Sicherheit sagen, ist es nicht. Die Möglichkeit einen Tag hinter der massiven Pforte des Breidenbachers zu verbringen und die daraus gewonnen Erfahrungen würde ich allerdings niemals missen wollen.

Die Herzlichkeit des Personals, die Gemütlichkeit des Hotels und die atemberaubende Atmosphäre sind allerdings nur wenige von vielen Gründen weshalb sich ein Besuch des Breidenbachers lohnt. Zumindest für denjenigen, der sich die schwindelerregenden Zimmerpreise leisten kann. Für alle Anderen: Auch noch so großer Luxus kann die eigenen vier Wände und die Wärme die diese ausstrahlen nicht ersetzen.

Wer sich nun also im eigenen Heim fragend nach dem Whirlpool umsieht und die Vorhänge immer noch eigenhändig betätigen muss dem sei gesagt: Zu Hause ist es doch am Schönsten — Mit kleinem Abstand folgt dann allerdings der Breidenbacher.