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Eine Kriegserklärung an die Innenstadt

24.09.2008 | 17:41 Uhr
Eine Kriegserklärung an die Innenstadt

Kritiker sehen sich in ihren Befürchtungen bestärkt. Kritik an Friedrich Conzen, der zur Eröffnung als offizieller Vertreter der Stadt erschien, bleibt leise.

Für Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist es eine „Kriegserklärung an die Innenstadt, besonders die Schadowstraße”, für Udo Siepmann wird „ein Stadtteil in die Lage versetzt, die City zu kopieren und dadurch entbehrlich zu machen”. Friedrich Conzen (Foto, rechts), der die „Düsseldorf Arcaden” einst ähnlich kritisch kommentierte wie die FDP-Fraktionschefin und der IHK-Hauptgeschäftsführer einen Tag nach der Eröffnung, hat mit dem gewaltigen Einkaufszentrum am Bilker Bahnhof offenbar seinen Frieden gemacht.

Wie die NRZ berichtete, trat der Präsident des Einzelhandelsverbandes und CDU-Fraktionschef in seiner neuen Funktion als dritter Bürgermeister sogar mit einem Grußwort auf und schnitt das Rote Band durch. Beim braven Verband schüttelt man leise und einigermaßen fassungslos mit den Köpfen, doch Conzen ist sich mangelnden Fingerspitzengefühls nicht bewusst. „Irgendwann muss man mal die Fakten zur Kenntnis nehmen. Wir haben es zugelassen und müssen nun hoffen, dass es erfolgreich ist.” Er habe für den Bau gestimmt, „weil ich sonst aus der Fraktion hätte austreten müssen”. Eine Alternative, vor die ihn dem Vernehmen nach der damalige OB Joachim Erwin stellte. Der Einzelhandelsverband trug es ihm nicht nach, wählte ihn sogar wieder. Dort, verteidigt sich Conzen, „habe ich auch schon Entscheidungen mitgetragen, mit denen ich nicht einverstanden war.”

 Aber mit Grußwort zur Eröffnung? „Den letzten beißen die Hunde”, knurrt Conzen - seine Kolleginnen Strack-Zimmermann und Gudrun Hock (SPD) hatten den bürgermeisterlichen Termin gerne bis zur Nummer drei durchgereicht. OB Dirk Elbers war offenbar auch nicht wild drauf.

 Während ein Center-Manager bereits unkte, die Baustellen geplagte Schadowstraße werde die Eröffnung des Vollsortimenters in Bilk sofort mit Umsatzverlusten zu spüren bekommen, mahnte Dirk Henckel als Ortsvorstand des Einzelhandelsverbandes zur Ruhe. „Es wird nicht immer so voll sein in den Arkaden wie am Dienstag, die Leute wollen ja erstmal das Neue sehen und orientieren sich dann.” Dass die unmittelbare Umgebung von den Arkaden sogar profitieren werde, glaubt er allerdings nicht.

 Für Siepmann birgt „das ge-störte Größenverhältnis” die große Gefahr für die City. Man bekomme im Center nun alles, wofür man sonst in die Innenstadt hätte fahren müssen. Und so lautete bei Umfragen am Eröffnungstag die Antwort von Besuchern oft genug: „Prima, da muss ich nicht mehr in die Stadt fahren . . .”

Frank Preuss

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Kommentare
25.09.2008
17:17
Eine Kriegserklärung an die Innenstadt
von arnepolage | #5

Die (Selbst-?)Bemitleidung der Schadowstraße ist bald kaum noch auszuhalten. Sicher, sie war vor 25 Jahren einmal eine der umsatzstärksten Einkaufsmeilen Deutschlands. Doch dass die in dieser Hitliste Jahr für Jahr weiter nach unten durchgereicht wird, liegt nicht an den Bilker Arcaden oder anderen Einkaufszentren. Sieht man sich mal in den Nachbarstädten wie Essen, Duisburg, Dortmund oder dem bösen Wort mit K um, liegt es auf der Hand, was die auswärtigen Besucher nun dorthin zieht: Eine durchgehende Fußgängerzone vom Uerigen bis zur Jacobistraße könnte die Schadowstraße wieder nach vorne bringen, der U-Bahn-Bau eröffnet die Chance für ein solches Projekt, welches in seiner städtebaulichen und attrahierenden Auswirkung mit der Rheinuferpromenade vergleichbar wäre. Doch für die CDU mit ihrer Freie Fahrt für freie Autofahrer-Doktrin kein denk-erlaubtes Thema und die SPD hat anstelle der Diskussion solcher Inhalte wichtigeres zu tun, nämlich sich weiter selbst zu zerfleischen. Armes Düsseldorf, bei solcher Kleingeistigkeit bleibt Dir nur das Weiterjammern...

25.09.2008
12:34
Eine Kriegserklärung an die Innenstadt
von Schopping-Verweigerer | #4

Ist schon peinlich für die Ratsleute, die erst dafür gestimmt haben, weil Macht wohl alles ist und jetzt nach der Eröffnung die Kiste verteufeln. Genau diese zwei Stimmen, hätten den Bau damals noch verhindern können.

24.09.2008
23:49
Eine Kriegserklärung an die Innenstadt
von Otto Ocker | #3

Es ist beklemmend, wie sich die CDU–Fraktion ihrem Joachim Erwin stets willig unterordnete, selbst wenn die Fachleute der Fraktion wussten, dass die Stadt Schaden nehmen wird.
An Frau Begale haben sich inzwischen einige (incl. Dirk Elbers) abreagiert. Erwin zu widersprechen haben sie sich nicht getraut.

Liebes Rotes U (warum eigentlich rot?), die evangelische Kirche hat sich scheinbar wegen der paar öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmbad, Bücherei oder Bürgersaal einlullen lassen und übersieht dabei, dass das Einkaufszentrum weit überdimensioniert ist, dass die Architektur öde und langweilig ist, dass der Straßenraum vor dem Konsum-Zentrum chaotisch ist und durch die zukünftige Tunnelöffnung der U-Bahn sich noch verschlechtern wird und dass den Bilkern nicht nur die früher versprochene Erweiterung des Floragartens vorenthalten wird, sondern durch den noch geplanten hohen Gebäuderiegel der Randbebauung zur Bachstraße einem Teil des Floragartens in den Wintermonaten die Sonne genommen wird.

24.09.2008
19:06
Eine Kriegserklärung an die Innenstadt
von Das Rote-U | #2

Eins ist klar das hätte sich unsere Verstorbender Oberbürgermeister Erwin nicht nehmen lassen, die „Bilker Arkaden“ selbst zu Eröffnen, da muss unsere OB Elbers noch viel dazu Lerne.
Es gibt Prestigeobjekte die müssen von einem Oberbürgermeister Eröffnet werden.
Es ist ja schon Peinlich dass dann die Verbliebenden Bürgermeisterinnen dann keine Lust hatten zur Eröffnung zu gehen und dann dem 3 Bürgermeister dies Überlissen.
Und was ist mit dem Rest der Stadt Politik insbesondere aus den Stadtteilen Bilk und Friedrichstadt, habe die Ratsmitglieder das auch nicht mehr Nötig zu einer Eröffnung zu gehen?
Und was ist eigentlich mit der Katholischen Kirche, gibt es die noch in Bilk/Friedrichstadt, wenn man sieht das die Evangelische Kirche überall präsent ist?
Sehr geehrter Herr Frank Preuss, es wäre sehr hilfreich wenn sie mal besser Recherchieren würden und vor allem Nachfragen würden, warum der „Ein oder Andere“ aus dem Stadtteilen Bilk und Friedrichstadt nicht bei der Eröffnung vor Ort war.

24.09.2008
18:41
Eine Kriegserklärung an die Innenstadt
von Uschido | #1

Was bekommt man in den Arkaden alles? Genau das was man überall anders auch bekommt - das Angebot der großen Ketten.
Die Arkaden sind weder ein Outlet-Center noch die Innenstadt, oder gar die Kö.
Wer Schnäppchen sucht ist dort genauso falsch, wie derjenige der gerne mal bummeln geht, denn das macht bei der permanten Geräuschkulisse und schlechten Kaufhausluft keinen Spass.
Zudem wird der geneigte Kunde schnell merken das in der Innenstadt mehr Parkhäuser vorhanden sind. Das es nette Cafes zum Erholen gibt, das die Attraktionen in den Arkaden recht rar gesät sind.
Ob der geneigte Aldi-Käufer wirklich in die Arkaden geht, mal eben noch Elektronikkrams und Anziehsachen mit in die Tüte packt, sich die Fingernägel machen lässt ? Zumindest das centro in Oberhausen scheint dies zu bestätigen - es gibt viele Menschen denen anscheinend genau so ein Einkaufszentrum gefällt, und wenn dann zu Weihnachten nicht die Innenstadt sondern Bilk ruft Holland in Not dann bleiben die Einnahmen trotzdem in Ddorf.
Der Vergleich mit der Shadowstr. ist nicht gerecht, denn die Shadowstr würde auch ohne Arkaden genau so aussehen wie sie derzeit aussieht: Eine riesige Baustelle, abgerissene Häuser und keine direkte Parkmöglichkeit (von den Kaufhäusern mal abgesehen). Dazu immer weniger Geschäfte die man nicht überall anders auch finden würde, wieso sollte derzeit jemand in der Shadowstr. einkaufen?

Was wirklich problematisch an den Arkaden wird ist die Verkehrsanbindung. Keine Radwege auf den Zufahrtsstraßen, schlechte Ausschilderung des Parkhauses der Arkaden und immer noch keine Luftmessung auf der Merowingerstr., denn die Feinstaubverordnung sagt ja bereits in Absatz 1: Die Qualität der Luft dort zu erhalten wo sie gut ist, und dort zu verbessern wo sie schlecht ist. Die zusätzliche Belastung durch autofahrende Einkäufer dürfte nicht zur Besserung der Situation beitragen.

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