Ein Vergnügen bei nur vier Grad

Wer bei Wind und Nieselregen lieber mit einem warmen Kakao vor der Heizung sitzt, für den spielt sich am Samstagmittag schier Unglaubliches auf den Rheinwiesen unter der Kniebrücke ab: Mehr als 340 Menschen, lediglich mit Neoprenanzügen, Flossen und Taucherbrillen ausgestattet, steigen um Punkt 14 Uhr in das bloß vier Grad kalte Wasser des Rheins und schwimmen bis zum mehrere Kilometer entfernt liegenden Löricker Hafen. Der Grund: Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Düsseldorf hat zu ihrem Neujahrsschwimmen eingeladen.

Eine Veranstaltung, die spätestens seit diesem Jahr historisch ist: Denn 2015 feiert das traditionelle Winter-Schwimmen seinen 50. Geburtstag. Ein Jubiläum, das die Teilnehmer, die größtenteils schon jahrelang mit dabei sind, stolz macht.

So wie Alfred – seine Freunde nennen ihn Ali – Lange. Der 74-Jährige steht am Ufer und rückt noch einmal die Kapuze seines Anzuges zurecht, bevor es losgeht. Lange ist der Jubiläumsschwimmer an diesem Nachmittag: Schon beim ersten Neujahrsschwimmen war er mit dabei und hat seither keines mehr verpasst. „Ich bin Rettungstaucher und schon in den 60er-Jahren musste ich dafür meine Erlaubnis regelmäßig auffrischen und dementsprechend gut im Training sein. Meine Mitstreiter und ich haben deshalb immer wieder Schwimmveranstaltungen besucht, bis wir dann auf die Idee gekommen sind, selbst etwas in Düsseldorf zu organisieren. Und so ist das Neujahrsschwimmen entstanden“, erzählt er. Noch heute ist er Rettungstaucher und noch heute ist der alljährliche Ausflug in den Strom für Lange eine Möglichkeit, sich fit zu halten und seine Wachsamkeit zu schulen, schließlich ist der Rhein ein tückisches Gewässer.

„Im Fluss selbst werden wir Rettungstaucher selten eingesetzt. Man kann hier nicht sehr gut tauchen und wenn wir zum Beispiel Wasserleichen suchen, haben wir kaum eine Chance – obwohl ich den Fluss gut kenne“, sagt Lange. Und weil es außerdem Spaß mache, gemeinsam mit Hunderten anderen Wasserverrückten stromabwärts zu paddeln, mache ihm die Kälte auch nicht viel aus. „Ich hab ja meinen Anzug, der hält mich warm“, sagt Lange, bevor er dann ins Wasser steigt.

Viele Schwimmer treten aber auch in diesem Jahr wieder mit bunten Kostümen an. So wie Adolf Seng und seine Kollegen von der Werksfeuerwehr von Henkel. Ihre schwarzen Anzüge haben sie mit hawaiianischen Baströcken und Oktopus-Hüten verschönert. „Mal schauen, ob die Röcke überhaupt mit im Ziel ankommen“, sagt Seng.

Seine Kollegen und er machen ebenfalls bereits seit mehreren Jahren beim Neujahrsschwimmen mit. „Wir halten uns damit fit und außerdem finden wir es gut, die DLRG, die schließlich auch ihr ganzes Können mit der Aktion zeigt, zu unterstützen“, sagt er.

Tatsächlich beginnt für die DLRG mit dem Start des Schwimmens erst die richtige Arbeit. Mit Rettungsboten und Schiffen von Feuerwehr und Polizei begleitet sie die Schwimmer auf ihrem Weg. Wer vom Land aus hilft, macht sich gleich nach dem Start auf den Weg zum Löricker Hafen, ebenso wie die Zuschauer. Dort angekommen beginnt dann das Warten. Das Warten darauf, ob auch alle wieder heil ankommen. „Meine Schwester macht dieses Jahr zum vierten Mal mit“, erzählt zum Beispiel Susanne Blumenrath. Sie zu begleiten, sei jedes Mal ein Abenteuer. „Nach dem Start fahren wir zum Ziel und feuern sie noch einmal zum Endspurt richtig an“, sagt sie.

Mit Erfolg: Blumenraths Schwester und alle anderen Teilnehmer kommen auch in diesem Jahr wieder sicher im Ziel an. Jeder bekommt eine Medaille, einen richtigen Sieger gibt es aber nicht – schließlich kommt ja allein der Mut zum Sprung in den Rhein einem Sieg nahe.