Ein Umzug und spannende Fälle
01.01.2010 | 16:50 Uhr 2010-01-01T16:50:00+0100Düsseldorf. Das wichtigste logistische Großereignis wartet auf die Mitarbeiter von Amts- und Landgericht Ende März: der Umzug ins neue Gebäude am Oberbilker Markt. Was sonst ansteht 2010?
Zwei große Mordprozesse werden zu Ende gehen. Weitere Todesfälle und Gewalttaten sind zu klären - und der Sparkassenskandal rund um Franjo Pooth wird noch zweimal Thema.
Das Urteil im Mordprozess um den Toten am Breitscheider Kreuz soll in der ersten Januarwoche fallen. Die Freundin (40) des Ermordeten bestreitet, den Auftrag zum Mord gegeben zu haben, der Staatsanwalt glaubt ihr nicht. Der Mitarbeiter (50) hat den tödlichen Schuss zugegeben, belastet die 40-Jährige.
Millionärin erdrosselt, Ehefrau mit Beil verletzt
Auch im Mordfall Yuri Röhrig soll es zum Schuldspruch kommen. Vor neun Jahren war die Millionärin mit einem Kabel erdrosselt worden. Nach neuen DNA-Analysen wurde 2009 einen Aushilfshandwerker wegen Mordes angeklagt. Der heute 38-Jährige war schon damals verdächtig, aber die Beweise hatten nicht für eine Anklage gereicht.
Als versuchter Mord wird die Attacke eines 35-Jährigen auf seine Ehefrau vor Gericht kommen. Er hatte die 23-Jährige am 11. November 2009 auf der Straße in Rath mit einem Beil schwer verletzt. Ein Gutachter muss klären, ob er als schuldunfähig anzusehen ist.
Wegen Körperverletzung mit Todesfolge wird voraussichtlich der 29-Jährige angeklagt, der am 5. November seine drei Monate alte Tochter zu Tode schüttelte. Und in einer weiteren Gewalt-Attacke im häuslichen Bereich ermittelt die Staatsanwaltschaft: Eine Frau soll am 22. Oktober mit einem Messer auf ihren Ehemann eingestochen haben. Der Mann überlebte, sie sitzt in Haft. Zu erwarten ist eine Anklage wegen versuchten Totschlags.
Ein Messer war auch die Tatwaffe eines 38-Jährigen, der am 20. Juni am Hauptbahnhof eine Frau (29) und deren Begleiter (41) ins Gesicht stach. Dem Mann versetzte er lebensgefährliche Stiche in den Bauch. Der 38-Jährige steht wegen versuchten Totschlags an 5. Januar vor Gericht, soll in die Psychiatrie eingewiesen werden.
„Nur” einen Verletzten gab es zum Glück bei dem Brand eines Mietshauses an der Aachener Straße am 11. Juli. 17 Menschen mussten gerettet werden, das Haus wurde unbewohnbar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Mieter (35). Er galt zunächst als Retter, weil er die Feuerwehr rief. Später verwickelte er sich in Widersprüche. Ihn erwartet ein Prozess wegen Sachbeschädigung und fahrlässiger Brandstiftung.
Mutmaßlicher Stasi-Killer überfiel eine Drogerie
Der Sparkassen-Skandal von 2008 wird das Gericht auch 2010 noch beschäftigen. Es steht noch der Strafprozess gegen den Ex-Sparkassen-Vize Karl-Heinz Stiegemann an: Er ist wegen Untreue und Vorteilsannahme angeklagt, weil er von Franjo Pooth einen teuren Fernseher angenommen haben soll. Einen Prozesstermin gibt es noch nicht.
Ebenfalls noch nicht terminiert ist das Zivilverfahren, in dem die Sparkasse auf Schadensersatz für den verlorenen Kredit an Pooths Unternehmen Maxfield klagt. Die Bank fordert 9,4 Millionen Euro von Karl-Heinz Stiegemann und Ex-Sparkassen-Chef Heinz-Martin Humme.
Und ein weiterer großer Bankenskandal aus den Zeiten lange vor der aktuellen Krise wird noch einmal Thema. Weil der Bundesgerichtshof den Freispruch für den Ex-Chef der WestLB Jürgen Sengera aufgehoben hat, muss das Landgericht neu verhandeln. Sengera war vorgeworfen worden, 1999 einem 1,35-Milliarden-Kredit für die britische Firma Boxclever zu leichtfertig zugestimmt zu haben. Der Kredit war geplatzt.
Noch länger her ist die Vorgeschichte eines Angeklagten, der wegen eines Überfalls auf eine Drogerie vor Gericht stehen wird: Der 65-Jährige war einst verdächtig, den Fußballer Lutz Eigendorf getötet zu haben. Der Ex-DDR-Fußballnationalspieler starb 1983 bei einem Autounfall. Der damals Verdächtige gab zu, dass er einen Mordauftrag von der Stasi hatte, den habe er aber nicht ausgeführt. Ihm konnte nie etwas Gegenteiliges nachgewiesen werden. In dem Raub-Prozess wird das wohl nicht zum Thema, ein Termin dafür steht noch nicht fest.
Eine lange Vergangenheit hat auch der „Macho-Manne” genannte Heiratsschwindler. Gegen den 45-Jährigen verhandelt das Amtsgericht am 20. Januar, weil er mehreren Frauen, die an eine Liebesbeziehung glaubten, Geld und Wertsachen nahm. Der Prozess war geplatzt, weil Macho-Manne bereits in Wuppertal in Haft saß. Jetzt wird er von der Justiz selbst vorgeführt.
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