Ein Mann, der mit Worten malen kann

Heiner und Jup können Büttenreden. Aber können sie auch Bürgermeister sein? Eine Frage, um die es sich in „Ostrin“ dreht. Die Satire von Horst Ewert ist angesiedelt im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Rheinländer kandidieren in zwei Käffern, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, um das Amt des Bürgermeisters – und beide gewinnen. In der Folge treffen alte Seilschaften auf rheinländische Weltoffenheit. Dorfbewohner werden von Großstädtern geleitet. Ob das funktioniert? Antworten gibt Horst Ewert auf 286 Seiten.

Ewert ist in Stralsund geboren, lebt seit 28 Jahren in Düsseldorf. Und wenn er ein genaues Bild des Dorfes Ostrin, seinen Bewohnern und ihren Charakteren zeichnet, ist er genauso präzise in seinen Ausführungen wie bei der Darstellung der rheinländischen Protagonisten. Dabei ist Ewert Ingenieur. „Aber ich liebe unsere schöne Sprache. Mich darin auszudrücken, zu schreiben, war immer schon ein Traum, den ich mir nun mehr und mehr erfülle“, sagt der Mann, der 2009 bereits das Gedichtband „Entlang der Ufer“ (Geest-Verlag) auf dem Markt gebracht hat. Denn neben Satire hat er sich auch Erzählungen und Lyrik verschrieben. „Es war immer meine Leidenschaft, mit Worten zu malen“, sagt er.

Zwischen Fußballplatz und Kneipe

Das gelingt ihm allerdings auch in „Ostrin“. Denn gerade die, die Mecklenburg-Vorpommern nicht nur von der touristischen Seite kennen, finden sich schnell im Buch wieder. So genau wie Ewert beschreibt, hat der Leser schnell ein eigenes Bild vor Auge. Und der Geist eines Dorfes und seiner Menschen wird auch hier mit genauer Beobachtungsgabe auf dem Fußballplatz und in der Gaststätte zum Besten gegeben. Viel schmunzeln dürfen alle: die, die die Eigenheiten der Nordlichter und auch noch die SED-Politik kennen wie auch die rheinische Frohnatur, die, die im Osten aufgewachsen sind, wie auch die, die nur den Westen kennen.

Klischees kommen bei Ewert zwar vor, aber immer mit einem Augenzwinkern. Wenn es auf die Bolker Straße in Düsseldorf geht, fragt die Ostrinerin, wofür denn hier in angesicht der menschenmenge demonstriert werde.