Ein Kommentar von Rüdiger Hoff

Furchtlos, fulminant und frech: Einmal mehr zeigte sich der Düsseldorfer Rosenmontagszug als der prägnanteste der Republik. Ohne Angst vor vermeintlichen Tabus schickte Jacques Tilly gleich ein Quartett an Mottowagen mit Islam-Themen ins närrische Schneckenrennen. Derber Humor jenseits der Schmerzgrenze ist erlaubt und einmal mehr vom Kreativkopf der Wagenbauer erfolgreich umgesetzt worden. Das sorgte für viel Aufsehen und Resonanz weit über die Stadtgrenzen hinaus, was wiederum den Düsseldorfer Karneval als Kulturgut aufwertet.

Ein Kompliment gilt auch den Vereinen und ihren vielen freiwilligen Helfern, die in mühevoller Kleinarbeit prachtvolle, farbenfrohe Narren-Vehikel entstehen ließen, die den Zoch bereicherten. In der Chefetage des CC setzen Josef Hinkel und Co. weiter auf Kontinuität. Den Verantwortlichen gelingt es, Tradition und Neuerungen sinnvoll miteinander zu verbinden. Der Flop der ARD-Fernsehsitzung sollte allerdings CC-Literat Stefan Kleinehr animieren, nach drei Jahren mit fast identischem Programm, frische Akzente zu setzen. Insgesamt kann man aber auf eine gelungene Session zurückblicken. Die Skandälchen um die „Annäherung an die Venetia“ und nackte Tatsachen bleiben allenfalls Randnotizen. Das Prinzenpaar schwirrte derweil mit großem Wortschwall durch die Festsäle, ohne anzuecken. Hier darf man die Frage stellen: Sollte denjenigen, die journalistisch in dieser Stadt arbeiten, nicht allein schon die Berufs-Ethik verbieten, in solche Rollen zu schlüpfen? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?!