Ein Fahrradkeller soll die alte Wäscherei ersetzen

Grafenberg..  Es wird in diesen Tagen oft geweint in der Wäscherei der Familie Paschalidis an der Gehrtsstraße 10a, einer Seitenstraße der Grafenberger Allee quer gegenüber der Metro. Wenn Stammkunden, die zum Teil seit 30 Jahren ihre Kleidung zum Reinigen oder Bügeln in den kleinen Laden bringen, erfahren, dass das Geschäft am Ende des Jahres schließen muss, werden sie schnell mal sentimental. Und dann kann auch Sirmo Paschalidis, Mutter von Inhaber Georgios Paschalidis und gute Seele des Familienbetriebs, nur schwer ihre Tränen zurückhalten.

Seit mindestens 80 Jahren, hat Paschalidis in Erfahrung gebracht, gebe es die Wäscherei mit Heißmangel, zu der man einige Stufen nach unten gehen muss, schon an diesem Standort, jetzt droht das Aus. Oder besser ausgedrückt: Es ist so gut wie sicher.

„Die Vermieterin, die auf Mallorca lebt, will hier einen Fahrradkeller einrichten. Sie hatte uns bereits einen Aufschub gewährt, jetzt bleibt sie hart, kommuniziert nur noch über ihren Anwalt mit uns“, sagt Paschalidis. Daran kann offenbar auch die breite Unterstützung der anderen Bewohner im Haus sowie der gesamten Nachbarschaft im Viertel nichts ändern.

„Wir haben zu Beginn mal Unterschriften gesammelt, hatten binnen weniger Tage 50 zusammen, hätten aber wohl auch tausend bekommen. Der Anwalt hat uns jedoch zu verstehen gegeben, das könnten wir uns sparen, das würde ohnehin nichts ändern. Da haben wir aufgehört“, sagt Paschalidis. Die Familie habe sich bereits nach Alternativen umgeschaut. „Doch entweder ist die Miete zu hoch oder die Auflagen sind es.“

Dennoch setzen sich auch die anderen Mitglieder der Hausgemeinschaft nach wie vor dafür ein, dass die 30 Quadratmeter große Wäscherei zumindest so lange an ihrem Standort bleiben darf, bis ein adäquater Ersatz gefunden ist. „Wir brauchen den Fahrradkeller nicht. Diese Wäscherei ist wie ein Treffpunkt. Man hält ein Schwätzchen, kann seine Post hier abgeben lassen, und der Onkel der Familie sitzt auch gerne noch vor dem Laden und trinkt eine Tasse Tee. Wo hat man denn so was noch?“, fragt sich Grit In der Stroth verärgert. Georgios Paschalidis bringe Seniorinnen, die nicht mehr laufen könnten, in seiner Pause die Wäsche sogar noch persönlich vorbei. „Und wenn es eilig ist, bügelt meine Mutter ein Hemd auch sofort, und der Kunde kann sich im Laden schnell umziehen“, berichtet Paschalidis.

An der Spitze der Nachbarschaft kämpft Wolfgang Kießler. „Die Vermieterin hat das Haus vor zwei Jahren übernommen und sofort klargemacht, dass hier ein neuer Wind wehe. Danach haben wir sie nicht mehr gesehen, auf ein Schreiben von mir, in dem ich die Situation der Familie beschrieben habe, kam keine Antwort.“ Auch wenn der Betriebswirt mit der Fachrichtung für Wohnungswirtschaft wusste, dass der Stadt in dieser Angelegenheit die Hände gebunden sind, besorgte er sich einen Termin in der Hoffnung, so womöglich eine neue Immobilie zu finden – ohne Erfolg.

Auch an Oberbürgermeister Thomas Geisel schrieb er einen Brief, bat um Hilfe und appellierte an das Versprechen Geisels, die Bürger wieder mehr zusammenzuführen. „Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim“, formulierte er und führte weiter aus, dass die inzwischen sanierten Wohnungen in dem Haus nur noch an Mitarbeiter großer Firmen vermietet würden, die am Wochenende nach Hause fahren. Weder auf diesen noch auf einen weiteren Brief erhielt Kießler eine Antwort. „Sie sind wohl im Papierkorb gelandet“, sagt er traurig. Bei den Entscheidungsträgern hat die alte Wäscherei offenbar keine Lobby.