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Durch Wohnkosten in die Schulden

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Himmelgeist/Stadtmitte. Düsseldorf gilt als reiche Stadt. Das liegt nicht nur am viel gescholtenen Schicki-Micki-Image, sondern auch an harten Zahlen. Knapp 80  000 Euro an Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet jeder erwerbstätige Düsseldorf im Durchschnitt. Das ist fast das Doppelte des Bundesdurchschnitts. Umso überraschender ist es, dass Düsseldorf auch bei der Zahl überschuldeter Privathaushalte vorn ist. „12,4 Prozent der Düsseldorfer sind überschuldet“, sagt Edgar Roumen, Geschäftsführer der Auskunftei Creditreform Düsseldorf-Neuss. Das ist in etwa der gleiche Wert wie im Vorjahr. Damit liegt Düsseldorf auf dem traurigen siebten Platz der Großstädte mit den meisten überschuldeten Einwohnern. Auf Platz eins steht die Nachbarstadt Duisburg (15,9 Prozent). Deutschlandweit liegt der Wert laut Creditreform im Durchschnitt bei 9,9 Prozent.

Konkret leiden in Düsseldorf 62 400 Menschen unter einer zu hohen Kreditlast. Allerdings darf der Wert nicht mit echter Armut verwechselt werden. Denn Creditreform definiert die Überschuldung als mehrfachen Zahlungsausfall, nicht als Privatinsolvenz.

Die Zahl der Insolvenzverfahren ist sogar rückläufig. Gab es 2010 noch 1011 neu eröffnete Insolvenzverfahren, sank die Zahl kontinuierlich auf zuletzt (2014) 788. Für Rainer Bovelet allerdings kein Zeichen finanzieller Besserung. „Viele Menschen scheuen ein Insolvenzverfahren seit der Reform des Insolvenzrechts“, sagt Rainer Bovelet, wissenschaftlicher Leiter von Creditreform. Das liege vor allem daran, dass die Mindestbefriedigungsquote von 25 auf 35 Prozent erhöht und die Wohlverhaltensphase von sechs auf drei Jahre verkürzt wurde. Außerdem hätten viele Schuldner Bedenken wegen ihres eigenen Durchhaltevermögens und Angst vor der öffentlichen Bekanntgabe der Pleite. Zudem seien die Schuldnerberatungsstellen überlastet.

Je nach Stadtteil gibt es in Sachen Finanzen große Unterschiede. Grundsätzlich ist die Zahl der überschuldeten Haushalte im ländlichen Düsseldorf am geringsten. Vorbildlich sind Himmelgeist, Angermund, Itter, Wittlaer und Volmerswerth mit Überschuldungsquoten zwischen 4,0 und 5,6 Prozent. Der Trend, das die Überschuldung auf dem Land größer ist als in Ballungsräumen gibt es deutschlandweit. „Dort, wo die Menschen auf engem Raum zusammenleben sind die Werte schlechter. Bundesweit ist Bremen das Schlusslicht. In Düsseldorf ist es die Innenstadt“, sagt Bovelet. In der Altstadt hat fast jeder Dritte ein Schuldenproblem, in Stadtmitte jeder Vierte.

Bovelet hat auch Antworten auf die Frage, warum in Düsseldorf überdurchschnittlich viele Menschen Geldprobleme haben. „Ein Grund sind sicherlich die drastisch steigenden Wohn- und Immobilienpreise in der NRW-Landeshauptstadt“, sagt Statistiker Bovelet. Außerdem ist die Arbeitslosigkeit – Hauptgrund für Schuldenprobleme – in Düsseldorf mit über acht Prozent spürbar über dem Bundesdurchschnitt. Ein weiterer Grund sei, dass die für Überschuldung anfälligen Bevölkerungs-Gruppen in Düsseldorf stärker als im Rest des Landes vertreten seien. Das wären unter anderem junge Menschen ohne Sparneigung, etwa Studenten, viele Berufseinsteiger aus den kreativen Berufen (Werbung, Design, Medien) und Empfänger von Sozialleistungen (Düsseldorf 12,9 Prozent der Bevölkerung, Kreis Mettmann nur 9,5 Prozent, NRW: elf Prozent).

Durch die anhaltende Niedrigzinsphase sind Kredite zurzeit so günstig wie nie. Das erhöht den Anreiz, jetzt ein Darlehen aufzunehmen, um etwas seit langem Gewünschtes zu kaufen.

Zusammen haben die überschuldeten Düsseldorfer mehr als zwei Milliarden Euro an Krediten ausstehen. Die Verschuldung Jugendlicher ist leicht rückläufig.

Thorsten Breitkopf

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2015-01-24 00:11
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