Düsseldorfs medialer Triumphzug

Was wir bereits wissen
Die Resonanz auf den Rosenmontagszug war am Dienstag bundesweit so groß und positiv wie nie zuvor. „Das ist mir fast schon peinlich“, sagt Wagenbauer Jacques Tilly.

Düsseldorf..  Jacques Tilly steht in der Hauptbahnhofs-Buchhandlung Grauert. Mit einem breiten Grinsen blickt er auf die Auslage. Denn auch die Titelblätter vieler überregionaler Zeitungen zieren seine Mottowagen. Das Echo auf die Pappmaché-Karikaturen ist so massiv und positiv wie nie zuvor. Düsseldorfs Zoch geriet zum medialen Trumpfzug. „Besser geht’s nicht“, bringt es Tilly auf den Punkt.

Süddeutsche Zeitung und Leipziger Volkszeitung haben es wie die NRZ gemacht und das Motiv mit Papst Franziskus an vorderster Stelle gezeigt. Der Tagesspiegel aus Berlin präsentierte den Islam-Wagen mit den drei Mullahs, während die Frankfurter Rundschau mit den Al-Qaida- und IS-Skeletten aufmachte. Einige andere Titel entschieden sich für den „Charlie-Hebdot-Wagen“ mit der Botschaft: Satire kann man nicht töten.

Auch im Fernsehen gab’s eine enorme Düsseldorfer Dominanz. Das ZDF in Mainz kritisierte im Heute-Journal sogar den Zug vor der eigenen Haustür. Dort war Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu sehen. „Truppen-Uschi“ warf mit Papierfliegern. Das sei eher albern, so der Kommentar. Wie bissige Satire funktioniere, das könne man in Düsseldorf sehen.

In den Tagesthemen der ARD fiel das Lob auf die Landeshauptstadt mit vier Mottowagen mit Islam-Themen noch deutlicher und umfangreicher aus. „Die Sendung war quasi eine Tilly-Show. Außerdem habe ich zig Anrufe und SMS bekommen, allesamt positiv. Das ist mir fast schon peinlich“, sagt Tilly, dessen Wagen sogar im argentinischen Fernsehen zu bestaunen waren.

Der kreativste Ideengeber

Nach den Anschlägen in Dänemark und der Absage des Braunschweiger Zugs waren viele Narren in Deutschland offensichtlich froh, dass die Düsseldorfer klare Kante bezogen haben. „Jacques’ Wagen haben vielen aus dem Herzen gesprochen. Das ist verbunden mit der Botschaft: Wir Karnevalisten lassen uns nicht unterkriegen“, betont CC-Boss Josef Hinkel.

Am Wochenende hatten die Comitee-Spitze und Tilly drei Stunden lang beraten. „Nachdem Köln und Mainz sich ja für Rückzieher bei den Mottowagen entschieden hatte, sind wir zum gegenteiligen Ergebnis gekommen. Das war richtig, die überwältigende Resonanz bestätigt das. Mehrfach wurde ich für unseren Mut beglückwünscht“, unterstreicht Hinkel.

Düsseldorf profitiert gegenüber den anderen Narrenhochburgen immer wieder von drei Vorteilen: Mit Tilly hat man den kreativsten Ideengeber in seinen Reihen. Die Düsseldorfer Schnellbauweise ermöglicht es, einen Wagen innerhalb eines Tages zu fertigen, was bei den anderen mindestens Wochen dauert. Also ist man wesentlich aktueller.

Und: In der Landeshauptstadt bleiben die Mottowagen bis zuletzt geheim. Das sorgt für Spannung und Aha-Effekte. Doch die Werke sind Kunst für einen Tag. So wanderten auch gestern beim Kehraus in der Wagenbauhalle der Pappmaché-Putin, Merkel und Co. in den Schredder. Und tschüss.

Attraktives Spektakel

Insgesamt ist Hinkel mit der Session „absolut zufrieden. Der Zoch war natürlich der Höhepunkt, der kaum mehr zu toppen sein dürfte. Die Mischung aus den tollen Wagen, dem sonnigen Wetter und der rappelvollen Altstadt war einmalig. Aber auch im nächsten Jahr werden wir alles daran setzen, ein attraktives Spektakel zu bieten“, verspricht der Ex-Prinz. Ihm hat gut gefallen, dass die Fortuna und die Uni stärker in den Karneval eingebunden sind und mit eigenen Wagen im Zoch unterwegs waren. „Künftig arbeiten wir weiter daran, alle Gesellschaftsschichten für den Karneval zu gewinnen“, sagt Hinkel. Außerdem: Man will die Jugendarbeit durch eine gezielte Tanztrainer-Ausbildung fördern, Traditionen stärker pflegen und mehr Unternehmen in die fünfte Jahreszeit einbinden.

Während das CC auch nach Aschermittwoch weiter an den Konzepten feilt, darf sich das Prinzenpaar nun ausruhen. Gestern Abend gab’s für Christian und Claudia beim Närrischen Zapfenstreich die offizielle Verabschiedung und das letzte Helau auf dem Rathausbalkon.

Auch für Tilly und sein Team kommt jetzt eine ruhigere Zeit. Und womöglich eine Ehrung. Denn Thomas Geisel hat das Rosenmontags-Spektakel ebenfalls ausnehmend gut gefallen. „Das war allerbeste Werbung für Düsseldorf als weltoffene Stadt. Ich bin begeistert“, frohlockt der OB.