Düsseldorfs Haus der grenzenlosen Herzen

Am 25.5.2011 bereitet der Koch Helmut Vogt in der Küche das Mittagessen des Restaurant Grenzenlos vor. Foto im Rahmen der nrz Serie Lecker isst hier... | Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool
Am 25.5.2011 bereitet der Koch Helmut Vogt in der Küche das Mittagessen des Restaurant Grenzenlos vor. Foto im Rahmen der nrz Serie Lecker isst hier... | Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool
Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
Das Café Grenzenlos gilt als deutschlandweites Pionierprojekt und ist mehr als eine Initiative gegen den Verlust gesellschaftlicher Kontakte.

„Das, was wir wollen, funktioniert“, sagt Walter Scheffler vom Vorstand des Vereins Grenzenlos und blickt sich im vollbesetzten Gastraum des Cafés an der Kronprinzenstraße im Stadtteil Bilk um. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeitern führt er das Café Grenzenlos und verfolgt dort einen karitativen Zweck: Der mildtätige Verein hat sich zum Ziel gesetzt, allen Menschen – unabhängig von ihrem Einkommen – ein Angebot an bezahlbaren Speisen und Getränken zu ermöglichen. Was viele Gäste nicht wissen: In der Küche steht Helmut Vogt. Der kochte einst im alten Breidenbacher Hof, heute bereitet er täglich etwa 30 Frühstücke und bis zu 90 Mittagessen im Grenzenlos zu.

Belegt ein Besucher per Ausweis ein Einkommen unter 770 Euro im Monat, wird das Essen subventioniert. Die Gäste zahlen dann 2,50 Euro für ein Mittagessen, alle anderen fünf Euro.

Weit über die reine Nahrungsaufnahme hinaus reicht jedoch der soziale Aspekt: Wer im Café frühstückt oder zu Mittag isst, kommt mit seinen Mitmenschen ins Gespräch, pflegt Kontakte und nimmt am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teil. Denn Armut, so der Verein Grenzenlos, bedeutet nicht nur das Fehlen von finanziellen Möglichkeiten, oftmals hat sie den Verlust von sozialen Kontakten und gesundheitliche Schäden zur Folge.

Genau hier setzt der Verein an und führt finanziell schlechter gestellte Menschen mit Normalverdienern zusammen, denn auch diese essen dort nicht selten in ihrer Mittagspause. „Wenn man Menschen wie arme Menschen behandelt, dann fühlen sie sich auch so“, erklärt Scheffler und verweist auf die besondere Mischung seiner Gäste.

Scheffler und seine Mitarbeiter bieten aber auch Beratung an, denn neben der netten Gemeinschaft, die sich nachhaltig und entlastend auf die Lebenssituation der Gäste auswirkt, stehen auch Hilfsangebote zur Verfügung. Ob in lebenspraktischen und sozialen Fragen, Fragen zum Thema Arbeitslosengeld I oder II, Mietfragen oder der Unterstützung bei Bewerbung, Behördengängen oder Antragstellung – auch diesen Service kann man im Café in Anspruch nehmen.

„Um die Dienstleistung anbieten zu können“, so erklärt Walter Scheffler, „benötigt der Verein rund 180 000 Euro im Jahr.“ Und obwohl die Stadt das Projekt mit 55 000 Euro jährlich bezuschusst, müssen die übrigen Kosten durch Spenden erwirtschaftet werden.

Eine Aufgabe, der sich auch Ute Schreiber mit großer Hingabe widmet. Auf das Projekt des Café Grenzenlos wurde sie über ihre Arbeit im Seniorenbeirat der Stadt aufmerksam. In den Seniorensprechstunden erfuhr sie viel über die Sorgen und Nöte finanziell schlecht gestellter älterer Menschen. „Insbesondere Frauen sind von einer Altersarmut betroffen“, erklärt Schreiber.

Die 72-Jährige sammelt nun seit vielen Jahren Spenden über den Verkkauf von Seniorenkarten der Komödie Steinstraße. Überdies kochte sie viele Jahre im Rahmen des sonntäglichen Kochangebotes im Café und spendet jährlich 80 Weihnachtsstollen an Bedürftige.

Hin und wieder geht sie heute selbst im Café essen.