Düsseldorfs erstes Nazi-Opfer

In der Nacht auf den 20. Juni 1933 stürmten Männer in braunen Uniformen eine kleine Arbeiterwohnung an der Ritterstraße. Der Mieter der Wohnung, der farbige Arbeiter und kommunistische Schauspieler Hilarius Gilges, wurde aufgefordert sich von seiner Frau zu verabschieden. Dann führte man ihn aus der Wohnung. Man weiß nicht genau, was in den nächsten Stunden mit Gilges geschah, doch als seine Leiche früh am nächsten Morgen am Rheinufer gefunden wurde, konnten sich die Augenzeugen lebhaft vorstellen, welches schreckliche Schicksal den Mann ereilt haben musste.

Hilarius Gilges wurde 1909 als Sohn einer Deutschen und eines afrikanischen Flussschiffers in Düsseldorf geboren. Damit war er einer der ersten Dunkelhäutigen, die aus Düsseldorf stammten. Bereits in jungen Jahren engagierte er sich in der kommunistischen Jugendarbeit und spielte auch im politischen Theater.

Nachdem er während einer Straßenschlacht am Tod eines Stahlhelm-Mitglieds beteiligt war, saß Gilges von 1931 bis 1932 in Haft. Nach seiner Entlassung und der Machtergreifung der Nationalsozialisten ging Gilges aus Angst vor Verfolgung in den Untergrund. Dies gelang ihm jedoch aufgrund seiner Hautfarbe und seiner Bekanntheit nur bedingt.

Aufgrund seiner Herkunft und seines politischen Engagements stand Hilarius Gilges gleich zweifach im Visier der Faschisten. Ob die Bluttat vom 20. Juni 1933 von oben angeordnet war oder ob es sich um einen spontanen Übergriff handelte, ist nicht geklärt. Die Täter wurden nicht zur Rechenschaft gezogen – auch nicht nach dem Ende des Nazi-Regimes.

Hilarius Gilges war einer der ersten Menschen, die dem Faschismus in Düsseldorf zum Opfer fielen. Ihm zu Ehren trägt ein Platz in der Altstadt seinen Namen. Der Hilarius-Gilges-Platz liegt auf direktem Weg zwischen seinem Wohnhaus in der Ritterstraße und dem Fundort seiner grausam zugerichteten Leiche nahe der Oberkassler Brücke. Als weitere Ehrung wird am Sonntag, dem Jahrestag des Leichenfundes, eine Stele an der Rheinufer-Promenade südlich der Oberkasseler Brücke von Oberbürgermeister Thomas Geisel enthüllt. Die Tafel soll an das kurze Leben des kommunistischen Schauspielers erinnern und als Mahnung für zukünftige Generationen dienen.