Düsseldorferin hilft weißen Schwarzafrikanern

Was wir bereits wissen
Christine Konrad aus Oberkassel reiste nach Tansania, um ehrenamtlich Heimkinder mit Albinismus zu unterstützen.

Düsseldorf..  Das Warten am Gepäckband in der Flughafenhalle wird bei sengender Hitze zur Geduldsprobe für Christiane Konrad. Ihr Gepäck sei angeblich nicht mitgekommen. Als dann später auch noch die Kreditkarte vom Automaten geschluckt wird, wäre das für einige Touristen alleine schon ein Grund, entnervt die Heimreise anzutreten. Innerhalb Westeuropas vielleicht kein Problem, aber hier liegen zwischen ihrer Wohnung im schicken Oberkassel und dem Zielort Shinyanga in Tansania rund 10 150 Kilometer, umgerechnet fünfzehn reine Flugstunden.

Es gibt nur eine Lösung: Augen zu und durch. Am nächsten Tag wird Konrad am Ziel ihrer Reise angelangt sein: das „Bunhangija Center“ – ein Kinderheim, das es seit 2009 gibt und in dem rund 280 Kinder im Alter zwischen 2 und 20 Jahren Zuflucht finden: Blinde, Taubstumme – und Kinder mit Albinismus.

Sie leiden unter einer angeborenen Pigmentstörung, die dazu führt, dass ihre Haut weiß bleibt, ihre Sehschärfe ist entweder extrem eingeschränkt oder sie erblinden. „Hier in Afrika sind sie ‘Weiße zwischen Schwarzen’ und werden auf Grund ihrer Andersartigkeit gejagt und getötet“, sagt Konrad, die vor einiger Zeit einen Bericht darüber gelesen hat. „Das Foto eines Albino-Mädchens hat mich so sehr berührt, dass mir sofort in den Sinne gekommen ist: Hinfahren – Helfen“, sagt sie.

Natürlich habe sie sich mit Themen wie Ebola, Malaria, Impfungen auseinandergesetzt. „Das ja..“, sagt die zierliche junge Frau und fügt zögerlich hinzu: „Aber als ich dann endlich da war und diese kleinen weißen, teils schon durch die starke Sonneneinwirkung schrumpeligen Händchen festgehalten habe – darauf konnte ich mich vorher mental überhaupt nicht vorbereiten“, sagt sie traurig. „Den Kindern fehlt es an allem: Kleidung, die vor Sonne schützt und Sonnencremes, die es überhaupt nur zulassen, sich draußen aufhalten. Viele haben schon in jungen Jahren Melanome – Hautkrebs und offene Wunden, die nur spärlich versorgt werden, weil kein Geld da ist“, berichtet Konrad.

Aber der eigentliche Grund, warum die Kinder im bewachten Bunhangija Center leben, ist die Angst vor den „Menschenjägern“. „In Tansania herrscht ein jahrhundertealter Aberglaube, dass Körperteile von Albinos zu Wohlstand und Glück verhelfen. Selbsternannte Medizinmänner und Dorfschamanen brauen daraus Zaubertränke, die sie aus eigentlich allem, was einen Menschen ausmacht, herausschneiden und sich lukrativ bezahlen lassen“, weiß Konrad.

Umgerechnet rund 22 000 Euro für einen Albino-Arm oder 220 000 Euro für einen kompletten Körper – so sieht die Rechnung für ein Menschenleben aus. „Dem kann nur mit Aufklärung begegnet werden“, ist sich Konrad sicher. Denn erst seit sich Zeitungen diesem Thema verstärkt widmen, könne auch die Politik nicht mehr wegschauen. Verurteilungen von Tätern habe es schon gegeben, nur vollstreckt wurde noch keines.

Rückkehr mit Spielzeug im Gepäck

Christiane Konrad, die in einem Düsseldorfer Mobilfunkunternehmen als Direktorin im Vertrieb arbeitet, wird auch im kommenden Jahr wieder ihren Urlaub in Shinyanga verbringen. „Mit sehr viel Spielzeug im Gepäck und vielen Sachspenden, die ich aus dem Freundes- und Familienkreis mitnehme“, sagt sie. „Geldspenden kommen dort nicht an, und dort sehe ich am besten, was die Kinder brauchen“, fügt sie hinzu.

In Amanda und Clair, zwei Frauen aus Südafrika und den USA hat sie Mitstreiterinnen gefunden. „Die beiden packen an Ort und Stelle tatkräftig an und werden einen Kindergarten aufbauen. „Ich bin mit dabei und sehr gespannt, wie weit wir im nächsten Jahr kommen werden“, freut sich Christiane Konrad.