Düsseldorfer U-Bahnstation wird „Bauwerk des Jahres“

Die Bauarbeiten der Wehrhahnlinie am alten Kaufhof an der Königsallee schreiten voran.
Die Bauarbeiten der Wehrhahnlinie am alten Kaufhof an der Königsallee schreiten voran.
Was wir bereits wissen
Der neue U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee ist als zentraler Teil der Wehrhahnlinie zum „Bauwerk des Jahres“ gekürt worden. Dabei ist er noch gar nicht fertig...

Düsseldorf..  Die Dichte der Herausforderungen in Sachen Spezialtiefbau sei einzigartig, hieß es am Donnerstagmorgen in der ersten Etage des Info-Pavillons an der Kö. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf den alten Kaufhof. Unter dem denkmalgeschützten Gebäude entsteht derzeit der neue U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee als zentraler Teil der Wehrhahnlinie. Nicht mehr lange, dann donnern hier unter der Erde die Züge. Die 71 Millionen Euro teure Station und die damit verbundene Unterquerung des Kaufhauses wurden jetzt vom Düsseldorfer Architekten- und Ingenieurverein (AIV) zum „Bauwerk des Jahres“ gekürt.

Andrea Blome, Leiterin im Amt für Verkehrsmanagement, nahm den Preis stellvertretend für die Stadt als Bauherrin aus den Händen des AIV-Vorsitzenden Dieter Schmoll entgegen. Und der erklärte auch gleich, warum ein Bauwerk ausgezeichnet wird, das noch gar nicht fertig ist. „Es geht um die ingenieurstechnische Gesamtleistung.“ Bei der Elbphilharmonie und beim Bau des Berliner Flughafens habe man erlebt, wie schnell die Kosten ins Uferlose steigen, wenn man nicht richtig miteinander spricht, so Schmoll. „Hier aber haben alle Beteiligten die Lösungen zusammen erarbeitet – ob Architekten, Prüfingenieure, Bauphysiker oder Lichtplaner.“

Das Besondere des insgesamt 120 Meter langen Tunnels ist die Art und Weise, wie er entstanden ist. Die Arbeiten an der Unterquerung wurden unter einem aufwändigen Vereisungsverfahren Meter für Meter vorangetrieben. Der Boden unter dem alten Kaufhof wurde über Monate aufgefroren, so dass unter einem zweieinhalb Meter dicken Eispanzer von minus 35 Grad in der Röhre gebuddelt werden konnte. Kühlleistung: 1200 Kilowatt, was etwa 2000 Haushaltskühlschränken entspricht. Damit die Kaufhof-Angestellten dabei keine kalten Füße bekommen, wurde in Teilen des Untergeschosses des Shopping-Hauses sogar eine Fußbodenheizung verlegt.

Während der Zustand des Frostkörpers durch mehr als 500 Temperaturfühler überwacht wurde, spürten elektronische Waagen im Kaufhof-Basement jede kleinste Erdbewegung auf. Zudem überprüften an der Fassade des Gebäudes zahlreiche Messspiegel die Standfestigkeit. Sicher ist sicher.

Ähnliche Projekte in München und Berlin

Ähnliche Tunnelbauprojekte mit meterdicken Eispanzern hat es bislang nur in München (U-Bahnhof Marienplatz) und in Berlin (U-Bahnhof Brandenburger Tor) gegeben. „In Düsseldorf gab es so etwas noch nicht“, sagt Dieter Schmoll, dessen Verein in den vergangenen Jahren das GAP am Graf-Adolf-Platz oder – nach Instandsetzungsarbeiten – das Maxhaus oder die Tonhalle als „Bauwerk des Jahres“ ausgezeichnet hat.

Jetzt also der neue U-Bahn-Halt Heinrich-Heine-Allee als Herzstück der Wehrhahnlinie. Die Stadt habe früh dafür gesorgt, dass alle Disziplinen zusammen geführt werden“, lobte Schmoll. Andrea Blome versprach: „Der Bahnprobebetrieb läuft. Ich bin zuversichtlich, dass wir zeitig fertig werden.“