Düsseldorfer streiten heftig um eine Frank-Zappa-Straße

Frank Zappa wurde nur 53 Jahre alt. In seinem einzigen Hit „Bobby Brown“ von 1979 beschreibt er satirisch-zynisch ausschweifende Sexualpraktiken.
Frank Zappa wurde nur 53 Jahre alt. In seinem einzigen Hit „Bobby Brown“ von 1979 beschreibt er satirisch-zynisch ausschweifende Sexualpraktiken.
Foto: zappa.com
Was wir bereits wissen
Das Stadtteilparlament will im Szeneviertel Flingern „neue Wege gehen“ und eine Straße nach dem Rockstar Frank Zappa benennen. Das stößt auf Kritik.

Düsseldorf.. Darf der Name eines exzentrischen US-Rockstars auf ein Düsseldorfer Straßenschild. In der Stadt ist eine öffentliche Diskussion darüber entbrannt, ob man eine Straße nach Frank Zappa benennen darf. Die Bezirksvertretung 2 will in ihrer nächsten Sitzung am Dienstag beschließen, dass eine neue Straße auf dem ehemaligen Thyssen-Trade-Gelände in Flingern zwischen Grafenberger Allee und Hans-Günther-Sohl-Straße nach dem 1993 verstorbenen Musiker („Bobby Brown“) benannt wird. Man wolle „einfach mal neue Wege gehen und Rockstars ehren, die wichtig waren und sind für die moderne Musikkultur“, so SPD-Bezirksvorsteher Uwe Wagner.

Nach Zappa – den viele vom Plakat auf dem Klo sitzend kennen – ist bereits in Berlin eine Straße benannt worden. Aber Berlin ist nicht Düsseldorf. CDU und FDP im Stadtteilparlament hätten lieber die kürzlich verstorbene Hollywood-Schauspielerin, Oscargewinnerin und gebürtige Düsseldorferin Luise Rainer auf einem neuen Straßenschild gesehen.

„Keinen Grund, den Vorschlag abzulehnen“

Von der Stadt gab es bereits grünes Licht. „Es gibt keinen sachlichen Grund, den Vorschlag abzulehnen“, sagt Bernd Thomas aus dem Verkehrsdezernat. Man habe aus der BV zwei Vorschläge (Zappa, Rainer) erhalten und diese geprüft. Und die Mehrheit in der BV sei dort eben für Frank Zappa.

In Düsseldorfer gibt es das Musikerviertel in Benrath (Haydnstraße, Händelstraße, Chopinstraße), in Düsseltal das Dichterviertel (Schillerstraße, Herderstraße). Jetzt ein Rockmusikerviertel in Flingern? Was ist daran so schlimm, in einer Stadt, in der es schon einen Eon-Platz, ein Mannesmann-Ufer und eine Rhein-Fire-Straße gibt? Offenbar vieles.

Selten die Chance, neue Straßen zu benennen

„Es entstehen nicht so oft neue Straßen, daher gibt es auch nicht so oft die Chance, neue Straßen zu benennen, das erkläre auch die ständigen Debatten“, so Stadtsprecher Manfred Blasczyk.

Und dann auch noch Zappa. Der Mann, der nur 53 wurde, der 1984 ein legendäres Konzert in der Philipshalle spielte, war sicher ein Exzentriker, ein Provokateur. In seinem einzigen Hit „Bobby Brown“ von 1979 beschreibt er satirisch-zynisch ausschweifende Sexualpraktiken. Der Mann galt jedoch als Anti-Drogen-Verfechter, obwohl die Botschaft nie so klar rüberkam.

Übrigens: In den Niederlanden ist es Gang und Gäbe, Straßen nach berühmten Rockmusikern zu benennen. Bei unseren Nachbarn heißen längst die Verkehrswege nach Zappa oder Pink Floyd. Und das noch: Im holländischen Ort Geldrop sind sämtliche Charaktere aus der Tolkien-Saga „Herr der Ringe“ vertreten. Dort heißen die Straßen tatsächlich Legolas, Gandalf, Gimli, Frodo, Celeborn, Fili, Kili und Aragon.

Eine Straße für den Freigeist - Ein Kommentar von Stephan Wappner

Was bitte ist daran schlimm, eine Düsseldorfer Straße nach Frank Zappa zu benennen? Was Zappa mit Düsseldorf zu tun hat? Nichts. Na und!? Was hatte Schiller mit Düsseldorf zu tun?

Dass über die Flingerner Zappa-Zone jetzt eine öffentliche Diskussion entbrannt ist, zeigt das tief sitzende provinzielle Denken einiger Entscheidungsträger in dieser Stadt, die doch so weltoffen sein möchte. Zappa war Freigeist, großer Musiker, sogar Anti-Drogen-Verfechter. Dabei war er, ja, immer exzentrisch.

Darüber, dass Zappa im Stadtteil den Vorzug vor der Düsseldorfer Oscar-Gewinnerin Luise Rainer bekommen hat, lässt sich sicher streiten. Aber solange die nächste Straße in Flingern nicht Amy-Winehouse-Allee heißen wird, ist doch alles gut.