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Düsseldorfer Straßenbahnlinie 712 fährt bald nicht mehr

13.02.2016 | 07:00 Uhr
Düsseldorfer Straßenbahnlinie 712 fährt bald nicht mehr
Rheinbahnfahrer Sevki Davulcu genießt die kurze Pause an der Endstation Hellriegelstraße.Foto: Stephan Wappner

Düsseldorf.   800 Menschen aus dem Raum Düsseldorf möchten der „712“ das letzte Geleit geben. Mit der Wehrhahnlinie wird aus der Straßenbahnlinie die Linie U 72.

Dinge verschwinden. Manchmal vermisst man sie. Das gilt auch für Straßenbahnen. Bald wird die Linie 712 aus dem Streckennetz der Rheinbahn gelöscht und als neue U 72 weiterrollen. Zum Teil unter der Erde, nämlich dort, wo im Zuge der Wehrhahnlinie sechs neue Stationen gebaut worden sind. Ab dem 21. Februar ist es so weit. Manche Leute finden das Verschwinden der 712 gar so schlimm, dass sie ihr ein letztes Geleit geben werden.

Über Facebook haben sich mehr als 800 Männer, Frauen und Kinder verabredet, um der „12“ auf dem Weg vom Ratingen nach Volmerswerth Adieu zu sagen. Noch ein letztes Mal wollen sie am Freitag, 19. Februar um 19 Uhr ihre Bahn Richtung Düsseldorf nehmen, um „der alten Lady die letzte Ehre zu erweisen“, wie Initiator Sebastian Klein im sozialen Netz schreibt.

Sevki Davulcu hat es nicht so mit Nostalgie. Er ist Rheinbahnfahrer und sitzt fast täglich im Cockpit der 712 von Ratingen Mitte bis zur Endhaltestellte Hellriegelstraße – oder eben andersherum. Der Mann freut sich schon. „Die U 72 wird eine Erleichterung für uns Fahrer, weil wir unter der Erde die Spur für uns alleine haben“, sagt Davulcu. Von Pempelforter Straße bis Kirchplatz, also dort, wo sich die Tram noch ein paar Tage lang durch den Berufsverkehr und an Baustellen vorbei schlängeln muss, spart die 712 demnächst als U-Bahn „U 72“ mindestens fünf Minuten Zeit ein. „Wir werden schneller und wir entlasten den Verkehr überirdisch“, meint der 23-jährige Rheinbahnfahrer.

Seit 1897 in Betrieb

Davulcu fährt seit zwei Jahren „auf der 712“, wie es bei den Rheinbahnern so schön heißt. Diese Linie ist eine besondere Linie. Seit sage und schreibe 1897 – also seit 119 Jahren – macht sie sich von Ratingen nach Volmerswerth auf die Strecke. Es ist die längste Strecke, die eine Straßenbahn der Rheinbahn hinter sich legen muss, noch ein paar hundert Meter länger als die 701, die von Benrath nach Rath braust. Dafür braucht die 712 nicht ganz so lange für ihren Weg durch die Stadt – im Schnitt 49 Minuten. „Und sie hat ein riesiges Fahrgastaufkommen“, weiß Sevki Davulcu. „Die 712 ist eigentlich immer voll, in der Regel auch noch kurz vor Mitternacht, wenn unser Spätdienst langsam zu Ende geht.“

Der Rheinbahnchauffeur kurbelt im strömenden Regen an der Wendeschleife in „Ratingen Mitte“ mit seiner 712 los. Der Abschnitt von dort bis zur Schlüterstraße, an der die Düsseldorfer Agentur für Arbeit sitzt, ist für ihn der angenehmste, „weil wir die Fahrspur für uns haben und ein bisschen Tempo machen können“, sagt Davulcu. Ab Grafenberger Allee wird der Verkehr dann dichter und die Sitzplätze in der Bahn begehrter.

„Ich bin 81 Jahre und fahre, seit ich ein kleines Kind bin, mit der 712“, sagt eine alte Dame, die an der Station Oberrath einsteigt und ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie findet es schade, dass es bald die 712 nicht mehr geben wird. „Man hat sich eben daran gewöhnt.“

Julia, das Mädchen, das ihr gegenübersitzt, sieht das übrigens genauso. „Die 12 ist eine Institution, auch bei uns in Ratingen“, sagt die 18-Jährige, die gerade auf dem Weg in die Düsseldorfer City ist, um ein Kleid für den Abiball zu kaufen.

Mehr Sitzplätze für die Fahrgäste

Die Rheinbahn hat – marketingtechnisch – in den vergangenen Wochen und Monaten alles dafür getan, damit der Abschied von der „12“ nicht ganz so schwer fällt. Denn was von dem Verkehrsunternehmen in einer Kampagne als „Netz met Häzz“ kommuniziert wurde, bedeutet eine Umstellung in so ziemlich allem, was der Düsseldorfer bisher über Busse und Bahnen wusste. Das Netz werde schneller, dichter, besser, heißt es. Für die Fahrt auf der neuen, 3,8 Kilometer langen Wehrhahnlinie mussten die Fahrer eine Extra-Schulung einlegen. „Unsere Fahrgäste werden auch mehr Sitzplätze zur Verfügung haben“, wirbt Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. „Weil wir in der Regel zwei Waggons hintereinander koppeln werden.“ In einem dieser Niederflurwagen mit der Bezeichnung „NF8U“ haben 170 Menschen Platz (120 Steh-, 50 Sitzplätze).

Weiter geht’s in der 712 – von Rath über Mörsenbroich, Grafenberg, Düsseltal, Flingern bis in die City, noch überirdisch vorbei am Kö-Bogen, am Riesenrad, über den Bolker Stern weiter über Friedrichstadt und Bilk bis nach Volmerswerth. 33 Stationen sind das. Am Wendehammer in Volmerswerth steigt Sevki Davulcu aus dem Cockpit und verschwindet kurz im Rheinbahner-WC gegenüber. Er hat neun Minuten Zeit für die Pause, dann geht es zurück nach Ratingen Mitte.

Die „fiesen Stellen“ auf der Strecke werden bleiben, ob als 712 oder als U 72. Davulcu fällt da als erstes die Haltestelle Uhlandstraße ein. Ein Mittelbahnsteig. „Da wechselt der Ausstieg plötzlich von rechts nach links, dann blockieren die Kinderwagen die Türen, und es kann dauern, bis wir weiterfahren können. Das wird nicht aufhören.“

Stephan Wappner

Kommentare
15.02.2016
13:29
Düsseldorfer Straßenbahnlinie 712 fährt bald nicht mehr
von Dorander | #1

Man sollte die Fahrgäste nicht unnötig wuschelig machen. Die Straßenbahnlinie 712 wird es weiterhin geben; sie bekommt nur eine neue Nummer und fährt...
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2016-02-13 07:00
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