Düsseldorfer Schwarzfahrer zahlen in Zukunft drauf

Schwarzfahrer zahlen bald drauf.
Schwarzfahrer zahlen bald drauf.
Foto: NRZ
Wer in Düsseldorfer Bussen oder Bahnen in Zukunft ohne Ticket fährt, muss 60 statt 40 Euro zahlen. Die Rheinbahn begrüßt die Umstellung.

Düsseldorf.. Vor knapp einem Monat entschied der Bundesrat in Berlin, die Knöllchen für Schwarzfahrer von 40 auf 60 Euro zu erhöhen. Bei gleichbleibender Quote der Kunden ohne Fahrschein werden die jährlichen Mehreinnahmen durch dieses „erhöhte Beförderungsentgelt“ (EBE) für die Rheinbahn bei immerhin rund 2,5 Millionen Euro liegen, schätzt das Düsseldorfer Verkehrsunternehmen. „Wir begrüßen das neue Gesetz“, betont Rheinbahn-Sprecher Eckhard Lander. „Denn dadurch werden auch unsere ehrlich fahrenden Kunden geschützt.“ Das Gesetz soll im Frühjahr 2015 in Kraft treten.

2,3 Millionen Fahrgäste kontrolliert

In Düsseldorf sind pro Jahr mehr als 200 Millionen Menschen in den Bussen und Bahnen der Rheinbahn unterwegs. In diesem Jahr (Zeitraum von Januar bis Oktober) wurden 2,3 Millionen Fahrgäste kontrolliert, 1,88 Prozent davon konnten kein gültiges Ticket vorweisen, das Verkehrsunternehmen spricht von einer „Beanstandungsquote“. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2013 wurden 2,8 Millionen Gäste überprüft (2,1 Prozent Schwarzfahrer) und im Jahr davor 2,4 Millionen Kunden (2,3 Prozent Schwarzfahrer). „Im Schnitt haben wir durch die Schwarzfahrer pro Jahr einen Verlust von rund 2,5 Millionen Euro“, sagt Lander.

Allerdings schneidet Düsseldorf im Städtevergleich noch gut ab, was den Anteil der Schwarzfahrer betrifft. Die Beanstandungsquote liegt in der NRW-Landeshauptstadt seit Jahren um die zwei Prozent. In Duisburg sind es in der Regel doppelt so viele. Die Duisburger Verkehrsgellschaft (DVG) errechnete für 2013 sogar eine Quote von 4,7 Prozent. Auch Mülheim befindet sich mit 3,3 Prozent auf relativ hohem Niveau. Ebenso Köln mit 3,28 Prozent.

Die im Bundesrat beschlossene Verordnung soll schnellstmöglich in Gesetzesform gegossen werden – in diesem Fall in das Personenbeförderungsgesetz – und in das Eisenbahngesetz aufgenommen werden. „Es sollte zeitnah geschehen“, gibt sich Lars Walter erwartungsvoll. Er ist Sprecher des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), in dem auch die Rheinbahn vertreten ist. Der Druck ist offenbar groß. Im europäischen Ausland sind die Strafen wesentlich höher. In Luxemburg und in der Schweiz kostet es bis zu 160 Euro, wenn man ohne Ticket erwischt wird. In Frankreich werden maximal 180 Euro fällig. Spitzenreiter ist Belgien mit einer Strafe, die bis zu 200 Euro erreichen kann. Walter weist darauf hin, dass die EBE-Knöllchen seit dem Jahre 2003 nicht mehr erhöht wurden. Seitdem sind aber nach einer VDV-Analyse die Fahrpreise bundesweit um 40 Prozent gestiegen. Diese Diskrepanz ermuntere immer mehr zum Schwarzfahren.

Der VDV geht in seiner Analyse von einem durchschnittlichen Schwarzfahrer-Anteil von 3 bis 3,5 Prozent aus, der Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) von 2 bis 5 Prozent. VRR-Sprecher Johannes Bachteler gibt zu bedenken, dass nur Schätzungen möglich sind, „weil es sich um ein Kontrolldelikt handelt“. Je mehr Kontrolleure unterwegs sind, desto mehr Fahrgäste würden ohne Ticket ertappt, insbesondere bei Schwerpunkteinsätzen.

Als Servicepartner unterwegs

Dennoch: Dass Städte wie Bochum und Gelsenkirchen bundesweit Bestnoten vorweisen können, muss andere Gründe haben. Zu auffällig ist dort die besonders niedrige Quote von nur 0,6 Prozent an Schwarzfahrern. Die gemeinsame Verkehrsgesellschaft Bogestra hat dafür auch eine Erklärung. Auf den Verkehrslinien sind rund 100 Kundenbetreuer als Ansprechpartner unterwegs, die freundlich Auskunft über den Fahrplan geben, Mobilitätsbehinderten dabei helfen, in die Bahn zu kommen, aber eben nicht nur das: Sie überprüfen auch die Fahrscheine. „Sie sind gut an ihrer Dienstkleidung zu erkennen. Wer viel unterwegs ist, trifft immer wieder auf sie“, erzählt Bogestra-Sprecherin Daniela Stürmann. „Das Risiko, ohne Fahrschein ertappt zu werden, ist deshalb bei uns sehr groß.“

In Düsseldorf sind im Auftrag der Rheinbahn insgesamt 80 Kontrolleure unterwegs, allerdings inkognito. 40 davon sind davon bei der Rheinbahn beschäftigt, die andere Hälfte bei privaten Firmen.