Düsseldorfer Nacht der Museen war Nacht der langen Schlangen

Wenders zieht magisch an: Die längste Wartereihe gab es erwartungsgemäß vor dem Museum Kunstpalast.
Wenders zieht magisch an: Die längste Wartereihe gab es erwartungsgemäß vor dem Museum Kunstpalast.
Foto: Görtz
Was wir bereits wissen
Mehr als 23.000 Besucher streiften durch die 15. Museums-Nacht. 35 Museen, Galerien und Off-Locations zwischen Ehrenhof und Schloss Benrath waren dabei.

Düsseldorf.. „Wahnsinn! Ich bin begeistert!“ Gertrud Gargagli schaute am Samstagabend von einer Brüstung in der ersten Etage der Kunsthalle am Grabbeplatz auf das großflächige Werk von Ian Cheng. Aber nicht nur die Ausstellung „Real Humans“ mit Filmen, Performances und beeindruckenden Echtzeit-Animationen hatte es der Erkratherin angetan. „Es ist wirklich toll, was hier heute wieder angeboten wird. Ärgerlich nur, dass ich meinen 14-jährigen Enkel nicht mitgenommen habe. Der hätte auch seine helle Freude gehabt.“

Wunderbares Frühlingswetter, Wenders, Uecker und Co. sorgten für eine berauschende „Nacht der Museen“.

Mehr als 23.000 Kulturfans bei der 15. Museums-Nacht in Düsseldorf

Mehr als 23 000 Kulturfans aus Düsseldorf, der Region und dem Ausland pilgerten ab Samstagabend in die 35 Museen, Galerien und Off-Locations zwischen Ehrenhof und Schloss Benrath. Dezernent Hans-Georg Lohe lobte die Atmosphäre: „Es ist eine Freude zu sehen, mit welcher Begeisterung unsere Besucher die vielfältigen Angebote angenommen haben, die ihnen die Museen in dieser besonderen Nacht gemacht haben.“

Fotografie Und auch die 15. Ausgabe der „Nacht der Museen“ war wieder eine Nacht der langen Schlangen. Wobei es die Verantwortlichen vor Ort in der Regel schafften, die Engpässe schnell zu beheben. Die längste Wartereihe gab es erwartungsgemäß vor dem Museum Kunstpalast schon weit vor Veranstaltungsbeginn. Noch ein bisschen mehr Leute, und sie hätten bis zur Frühlingskirmes am Tonhallenufer anstehen müssen. In dem Haus am Ehrenhof zeigt Wim Wenders seit Samstag seine großflächigen Landschaftsfotografien unter dem Titel „4 Real & True 2“. Es war nach dem Einlass innerhalb von Minuten brechend voll.

Frank Goosen und Weltmeister DJ Rafik waren auch mit dabei

Zuvor stand einige hundert Meter weiter am Grabbeplatz ein Mann vor der noch verschlossenen Pforte des K 20, dort, wo Günther Uecker seine weltberühmten Nagelreliefs ausstellt, und schrie in sein Mobiltelefon: „Hey, Schatz, ich bin der erste in der Reihe.“ Er stand allein vor der Tür – es war eine Stunde vor Einlass.

„Ich gehe eigentlich nicht ins Museum, aber das hier ist wirklich etwas Spezielles“, sagte Alina Fehrmann (23) aus Düsseldorf, die sich in der ebenfalls langen Schlange im Obergeschoss des UCI-Kinos im Medienhafen erstmal ganz hinten anstellen musste. Dort gab es die Kurzfilmrolle „Shit Happens Reloaded“ mit zwölf bitterbösen Beiträgen zu sehen.

Die „Nacht der Museen“ hatte mehr denn je ein vielfältiges Angebot für junge Kunstinteressierte parat. Im Boui Boui Bilk gab es Arbeiten von Düsseldorfer Studierenden zu bewundern, im „KIT – Kunst im Tunnel“ am Mannesmannufer zogen die Schau „Terra incognita“ sowie die Bands Eurasian Grooves und Love Machine viele Besucher an. Und in der Brause an der Bilker Allee mischte DJ Rafik, ein sechsfacher DJ-Weltmeister, das Publikum mit astreinem HipHop auf.

Den eher gesetzteren Kulturkonsumenten zog es zu Vorlesungen von Frank Goosen ins Haus der Architekten (Hafen) oder – bequem mit dem Shuttle-Service – zu Manuel Andrack, der im Schloss Benrath abenteuerliche Wandertipps gab.

Workshops und Mitmach-Aktionen in Filmmusuem und Hetjens-Museum

Großer Beliebtheit erfreuten sich auch die Mitmach-Aktionen: Das Hetjens-Museum ließ für Experimentierfreudige Schmuckstücke mit dem eigenen Portrait in Porzellan anfertigen, das Filmmuseum begeisterte mit kreativen Workshops und im Theatermuseum konnte man als „Hamlet“ selbst Bühnenluft schnuppern.

„Die Nacht der Museen ist ein Muss“, brachte es André Schilling (49) auf den Punkt. Er kommt jedes Jahr eigens aus Dortmund angereist, um in Düsseldorf „Kultur für alle Sinne“ zu genießen.